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Botschafter im Interview
In Irland sind die Travellers erst seit März politisch anerkannt

Irish Travellers reisen aus Kevelaer ab
Irish Travellers reisen aus Kevelaer ab FOTO: Evers, Gottfried
Düsseldorf/Berlin. Müll, Alkohol und aufdringliches Verhalten - die Irish Travellers haben nicht nur in Deutschland mit negativen Vorurteilen zu kämpfen. Auch in Irland und England wurden sie lange Zeit diskriminiert. Seit März sind sie aber als ethnische Minderheit anerkannt.  Von Franziska Hein

Die Liste mit Vorurteilen ist lang – die Irish Travellers, die gemeinhin als Tinker bekannt sind, wurde Jahrhunderte lang diskriminiert. Das erzählt Nigel Clarke, Chargé von der irischen Botschaft in Berlin. Die irische Regierung will dem nun zumindest offiziell ein Ende machen - und hat die Pavee (so der Name der Volksgruppe) als nationale ethnische Minderheit anerkannt, deren besondere Kultur schützenswert ist. Die Regierung will vor allem dafür sorgen, dass die Volksgruppe einen besseren Zugang zu Bildung und zur Gesundheitsversorgung bekommt. 

Nigel Clarke, Chargé in der irischen Botschaft in Berlin FOTO: Botschaft Irland

Herr Clarke, wie viele Irish Travellers gibt es eigentlich? 

Nigel Clarke Es gibt etwa 30.000 Travellers in Irland. Sie machen weniger als ein Prozent der Bevölkerung aus. Dann gibt es etwa 15.000 von ihnen in Großbritannien und davon 4000 in Nordirland. Sie sind also keine große Gruppe. 

Welches Verhältnis hat Irland zu den Travellers? 

Clarke Als erstes muss ich sagen, dass die Travellers eine sehr einzigartige Kultur, Identität und Lebensart haben. Das erkennt die irische Regierung natürlich an. Am 1. März 2017 wurden sie als nationale Minderheit akzeptiert. Das ist ein großer Erfolg. 

Wieso kommen die Travellers eigentlich nach Deutschland? 

Clarke Das kann ich nicht beantworten. Es gehört eben zur Tradition dieser Volksgruppe. Und es gilt ja auch nicht für alle. 

Wie verfolgen Sie die deutsche Berichterstattung über die Travellers?

Clarke Wir werten natürlich die Berichte aus. Wir haben den Eindruck, dass die Berichterstattung sehr verantwortungsvoll passiert. Zu einzelnen Fällen, in denen Irish Travellers negativ aufgefallen sind, nehmen wir aber keine Stellung.

Wie gehen die Iren denn mit den Irish Travellers um? 

Clarke Es gehört auch zur Geschichte der Volksgruppe, dass sie viele Vorurteile und negative Stereotype erdulden muss. Diskriminierung und Ungleichheit waren ein Problem. Unsere Regierung engagiert sich seit vielen Jahren dafür, die Lebensbedingungen für die Volksgruppe zu verbessern. Viele haben keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung. Ihre Kinder gehen oftmals nicht regelmäßig zur Schule. 

Wie geht man das denn an, die Travellers sind schließlich ein reisendes Volk?

Clarke Wir arbeiten mit den Kommunen zusammen. Viele der Pavee reisen auch nicht permanent umher. Daher sind wir auch mit deren Vertretern im Gespräch, wie man die Situation verbessern kann. 

Wie erklären Sie sich, dass die Travellers in der Vergangenheit diskriminiert wurden? 

Clarke Auch das reicht weit in die Geschichte zurück. Eine genaue Erklärung habe ich dafür auch nicht. Ich denke aber, dass sich viel aus dem anderen Lebensstil der Pavee ergibt. Diese Verschiedenheit ist auch die Ursache für Konflikte. 

 
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