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Durchsuchungen in vier Städten
Was die Islamisten-Razzia in NRW gebracht hat

Razzia in Düsseldorf-Oberbilk
Düsseldorf. Durchsuchungen in sechs verschiedenen Städten, eine Festnahme – das ist die Bilanz der Razzien der Bundesanwaltschaft am Mittwoch. Im Visier war die islamistische Szene. Was ist das Ergebnis der Aktion?  Von Franziska Hein

In Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Tönisvorst und im niedersächsischen Hildesheim hat die Polizei im Auftrag der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe Wohnungen und Geschäfte durchsucht. Die Durchsuchungen richteten sich gegen die salafistisch-islamistische Szene und dienten dazu, Informationen über Vernetzungen und Kontakte zu sammeln. Konkret gibt es einen Verdacht gegen drei Männer, die vor allem unter Jugendlichen um neue Unterstützer für den sogenannten Islamischen Staats geworben haben sollen. 

War die Aktion ein Erfolg?

Das lässt sich derzeit noch nicht sagen. "Die sichergestellten Beweismittel müssen erst ausgewertet werden", sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft unserer Redaktion. "Das wird eine gewisse Zeit dauern."

Wer sind die Hauptverdächtigen?

Die Razzia richtete sich gegen Hasan C. aus Duisburg, gegen Boban S. aus Dortmund und gegen einen Salafisten-Prediger in Tönisvorst, der im Internet unter dem Namen "Abu Walaa" auftritt. In Hildesheim richtete sich der Blick der Ermittler auf den "Deutschsprachigen Islamkreis Hildesheim" (DIK), ein Treffpunkt der salafistischen Szene. 

Hasan C. betreibt im Duisburger Stadtteil Rheinhausen ein Reisebüro. Er soll in einem Raum neben seinem Reisebüro Jugendlichen Arabischunterricht gegeben und mit ihnen im Koran gelesen haben. Unter ihnen sollen unter anderem auch die beiden 16 Jahre alten IS-Sympathisanten sein, die im April eine Bombe vor dem Essener Sikh-Tempel gezündet haben. Am Mittwoch bestritt Hasan C., die beiden zu kennen. C. steht seit Monaten unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes. Er soll außerdem unter Verdacht stehen, einen in den Irak ausgereisten Salafisten finanziell unterstützt zu haben, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". 

"Abu Walaa" ist ein im Internet sehr aktiver salafistischer Prediger. Ihm waren die Ermittler wohl in Tönisvorst (Kreis Viersen) auf der Spur. Die Geldener Straße im Ortsteil St. Tönis war 2012 schon einmal Ziel einer Razzia. Damals ließ die Staatsanwaltschaft NRW Quartiere von Salafisten durchsuchen. Damals wurde "Abu Walaa", der aus dem Irak stammt, in Tönisvorst vermutet.  Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" soll ihn das Bundesinnenministerium ihn 2012 als "hoch konspirative Person" und als "führenden Prediger" eingestuft haben. 

Auf Facebook postete "Abu Walaa" am Mittwoch, dass sein Unterricht wegen der Razzia ausfallen müsse. 

Was sind die Vorwürfe gegen die Tatverdächtigen?

Die Bundesanwaltschaft teilte mit, die drei Beschuldigten seien verdächtig, seit Januar 2015 und Juli 2015 um Mitglieder und Unterstützer für den IS geworben zu haben. Dazu gehörte wohl auch, aktive IS-Kämpfer zu rekrutieren. Einer der mutmaßlichen Islamisten soll darüber hinaus die Terrororganisation finanziell und logistisch unterstützt haben. Grundlage für die Durchsuchungen war ein Beschluss des Ermittlungsrichters beim Bundesgerichtshof. 

Was hat die Festnahme in Dinslaken mit der Razzia zu tun?

Die Festnahme von zwei Tatverdächtigen in Dinslaken und die Razzia gegen islamistische Prediger stehen nicht miteinander in Zusammenhang, beides war jedoch ein Schlag gegen radikale Islamisten. In Dinslaken wurde am Mittwochmorgen ein 26-Jähriger mutmaßlicher Islamist festgenommen. Seine Festnahme steht im Zusammenhang mit einer Festnahme am Montag in Mutterstadt bei Mannheim. Der 24-jährige Khaled H. war wie der 26-Jährige im der Flüchtlingsunterkunft "Fliehburg" in Dinslaken gemeldet.

Hintergrund der Festnahmen ist ein Hinweis eines Häftlings aus der JVA-Gelsenkirchen. Demnach soll Khaled H. einen Anschlag auf ein Bundesligaspiel geplant haben. Das ist jedoch nicht offiziell bestätigt. Detlef Nowotsch, Sprecher der Duisburger Staatsanwaltschaft, wollte die laufenden Ermittlungen nicht kommentieren. Jedenfalls sollen die Ermittler auf seinem Handy Fotos mit einer Kalaschnikow gefunden haben.

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