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Jobcenter in Gelsenkirchen
Wirbel um Arbeitsaufforderung für Schülerin

Jobcenter in Gelsenkirchen: Verwirrung um Arbeitsaufforderung an Schülerin
Wirbel um Arbeitsaufforderung für Schülerin. FOTO: AP, AP
Gelsenkirchen. Der Bericht über eine 15-Jährige aus Gelsenkirchen, die angeblich arbeiten gehen soll, um ihre Sozialhilfe aufzubessern, sorgt für Aufsehen. Grund dafür sind ein Brief des Jobcenters und eine Gesetzeslücke. Von Christina Rentmeister

Seit einigen Jahren lebt Saskia mit ihren drei Geschwistern bei ihrer Großmutter. Ihre Mutter konnte sich nicht mehr um die Kinder kümmern, die Oma übernahm die Pflegschaft, wie die Bild-Zeitung berichtet.

Bisher kam das Jugendamt für die Pflegekosten auf. Aber: Inzwischen ist Saskia 15 Jahre alt und damit ist für sie das Jobcenter zuständig. Nun bekommt Saskia 211,75 Euro Sozialhilfe im Monat. Zusammen mit der Rente der Großmutter reiche das nicht mehr, sagt die Familie.

Pflegekinder, die nicht bei direkten Verwandten leben, bekommen in Nordrhein-Westfalen 705 Euro im Monat. "Es gibt klare Regeln, wie wir die Leistungen berechnen müssen. Daran sind wir gebunden", sagt Susanne Auth, Sprecherin des Jobcenters in Gelsenkirchen. Leben die Kinder bei Verwandten würden die Mittel für Wohnkosten und Miete anders berechnet. So käme dann der Unterschied zustande.

Grund dafür ist ein Gesetz, das besagt, "dass von in gerader Linie mit dem Pflegekind Verwandten erwartet werde, die Erziehung ohne zusätzliche Honorierung des Sachaufwandes zu leisten", erklärt eine Sprecherin des Bundesfamilienministeriums. Auf dieser Basis werde der Unterhalt seitens des Jobcenters entsprechend gekürzt.

Zu dem Ärger über die Gesetzeslage kam bei der Familie von Saskia dann auch noch Verwunderung über einen Brief des Jobcenters. Der enthielt unter anderem die Aufforderung, dass Hartz-IV-Empfänger, wenn sie dazu in der Lage sind, zu ihrem Lebensunterhalt beitragen müssen - mit bis zu drei Stunden Arbeit am Tag.

Dieser Brief geht nach Auskunft des Jobcenters automatisch an alle Hartz-IV-Empfänger. Jugendliche, die noch zur Schule gehen, seien von den darin beschriebenen Regelung allerdings ausgenommen. "Genau denen wollen wir ja ausdrücklich bei ihrer Ausbildung helfen. Wir unterstützen, dass die Jugendlichen einen guten Schulabschluss machen", sagt Susanne Auth, Sprecherin des Jobcenters Gelsenkirchen. 

Inzwischen habe der Leiter des Jugendamtes mit der Familie gesprochen und das Missverständnis ausgeräumt. Außerdem werde darüber nachgedacht, die Briefe für Jugendliche anders zu verfassen.

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