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Düsseldorf
Wälder in NRW sollen weiter wachsen

Der Zustand des Waldes
Der Zustand des Waldes FOTO: Radowski
Düsseldorf. Das Umweltministerium hat Inventur gemacht und die Waldfläche in Nordrhein-Westfalen vermessen. Seit etwa 2002 ist sie um 11.000 Hektar größer geworden. Umweltminister Remmel will noch mehr. Von Emily Senf

Die gute Nachricht vorneweg: Die Waldfläche in Nordrhein-Westfalen wächst weiter. 935.000 Hektar umfasst sie heute und macht rund 27 Prozent der Landesfläche aus. Das entspricht in etwa den Maßen von 1,3 Millionen Fußballfeldern. Allerdings hat das bevölkerungsreichste Bundesland, das gleichzeitig laut Umweltministerium als eher waldarm gilt, damit keinen großen Zuwachs gemacht: Seit 2002 ist der Wald um etwas mehr als ein Prozent gewachsen. Das hat die aktuelle Landeswaldinventur ergeben, die das Umweltministerium gestern vorgestellt hat.

Die letzte Inventur auf Landesebene stammt aus dem Jahr 1998. Einen direkten Vergleich zwischen damals und der jetzigen Erhebung könne man zwar nicht ziehen, weil die Kriterien verändert worden seien, sagt eine Sprecherin des Umweltministeriums in Düsseldorf. Allerdings gehe man von der Bundeswaldinventur 2012 aus, die ergeben hatte, dass die Wälder in den vorherigen zehn Jahren um rund 11.000 Hektar größer geworden seien. "Der Wald wächst", sagt die Sprecherin.

Das ist auch am Niederrhein der Fall. Dort haben sich die Wälder zwar nicht mehr Fläche einverleibt, aber "es ist mehr Holz im Wald", sagt Otto Pöll vom Landesamt Wald und Holz. "Dieses Ergebnis hat mich bei der Inventur stark überrascht", berichtet er. Noch vor knapp zehn Jahren hätten auf zehn Hektar Fläche etwa 150 Kubikmeter Holz gestanden, nun seien es mit 297 Kubikmeter fast doppelt so viel.

Der Wald sei dichter geworden, weil die Laubbäume in den 61.500 Hektar großen niederrheinischen Wäldern im Schnitt 40 bis 60 Jahre alt seien. "Sie wachsen in diesem Alter am besten", erklärt der Experte. Die deutlich jüngeren Bäume, die nach dem Sturm "Kyrill" 2007 gepflanzt wurden, würden in der Statistik noch kaum auftauchen. "Sie sind erst so dick wie ein Zwei-Euro-Stück." Für die Zukunft erwartet Pöll keinen weiteren großen Anstieg; der Großteil der Bäume sei dann eben nicht mehr oder noch nicht im besten Alter. "Ich glaube nicht, dass wir noch mehr schaffen", sagt der Forstamtsleiter.

Ein Waldgebiet, das sich in den vergangenen Jahren ebenfalls deutlich verändert hat, liegt im Sauerland. Fast zehn Prozent des 55.500 Hektar großen Waldes waren von "Kyrill" und späteren Stürmen zerstört worden. Vor allem die Fichten seien bei den Unwettern weggerissen worden, berichtet der zuständige Forstamtsleiter Bernd Josef Schmitt. "Wir haben Bäume verloren, die über 100 Jahre alt waren", sagt er. Inzwischen seien zwei Drittel der Fläche wieder bepflanzt.

Das Forstamt in Lüdenscheid hat die Sturmschäden für eine Umforstung genutzt. Statt neuer Fichten, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg in Massen gepflanzt worden waren, entschied sich das Amt für Douglasien, ein Kiefergewächs. Schmitt zählt die Vorzüge des Nadelbaums auf: "Sie kommen besser mit Trockenheit zurecht, sind resistenter gegen Borkenkäfer, haben eine bessere Wuchsleistung und einen festeren Stand." Inzwischen seien die Setzlinge schon so groß, dass Waldbesucher nicht über sie drüber gucken können. Pläne zur Erweiterung des Waldgebiets hat das Amt erst mal nicht. "Wir versuchen, unsere Fläche zu halten", sagt Schmitt.

Minister Johannes Remmel dagegen will den Waldanteil in NRW erhöhen. Konkrete Maßnahmen gibt es dafür laut Sprecherin noch nicht. "Aber es ist ein Ziel im Landesentwicklungsplan."

Quelle: RP
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