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Prozess in Arnsberg
Zweijähriger verhungert - Mutter bestreitet Vorsatz

Junge in Medebach verhungert: Mutter bestreitet vor Gericht Vorsatz
Die Angeklagte Tanja S. mit ihrem Anwalt Dieter Bräuer im Amtsgericht in Medebach (Archivbild vom 13.01.2016). FOTO: dpa, mg wd mhe wie
Arnsberg. Eine Mutter steht im Sauerland vor Gericht, weil ihr Sohn verhungerte. Die Frau behauptet, ihren Kindern nicht vorsätzlich geschadet zu haben. Sie liebe ihre Kinder, sagte die 40-Jährige. 

Im Prozess um den Hungertod eines kleinen Jungen im Sauerland hat die Mutter den Vorwurf des Vorsatzes zurückgewiesen. Ihr sei zu keinem Zeitpunkt bewusst gewesen, dass etwas passieren könnte, sagte die 40-Jährige am Mittwoch beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Arnsberg. "Ich liebe meine Kinder", fügte sie hinzu.

Die 40-Jährige aus Winterberg muss sich wegen des Vorwurfs der vorsätzlichen Körperverletzung mit Todesfolge im Fall des zweijährigen Anakin und der vorsätzlichen Körperverletzung im Fall ihrer neun Monate alten Tochter verantworten.

Ärzte konnten Schwester retten

Die Mutter hatte ihren Sohn im Februar 2014 zwar wegen einer Magen-Darm-Infektion in eine Klinik gebracht. Dort starb der Junge aber einen Tag später, abgemagert bis auf die Knochen. Seine kleine Schwester konnten die Ärzte noch retten.

Ihr Anwalt betonte, im Prozess müsse herausgefunden werden, was seine Mandantin damals wusste und was sie in Kauf genommen habe. Das Gericht wies darauf hin, dass auch noch andere Straftatbestände in Betracht kämen, unter anderem Misshandlung von Schutzbefohlenen, gefährliche Körperverletzung oder Quälen durch Unterlassen.

Eine Jugendamtsmitarbeiterin ist bereits am Amtsgericht Medebach wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Gericht gab ihr eine Mitschuld, weil sie bei den Kindern nicht genau genug hingeschaut habe. In dem Fall kommt es noch zu einer Berufungsverhandlung in Arnsberg.

(lsa/lnw)
 
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