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Gefängnisausbruch
"Hahnwald-Mörder" in Köln gefasst

JVA Rheinbach: Hahnwald-Mörder in Köln gefasst
Der sogenannte "Hahnwald-Mörder" war am Dienstag aus der JVA Rheinbach bei Bonn versteckt in Holzabfällen geflohen. Der 43-Jährige arbeitete in der Schreinerei. FOTO: imago
Bonn. Ermittlungs-Erfolg für die Bonner Polizei: Nach seinem Gefängnisausbruch aus der JVA Rheinbach am Dienstag haben Beamte den sogenannten "Hahnwald-Mörder" am Donnerstag in Köln gefasst. 

Der 43-Jährige habe sich im Stadtteil Ehrenfeld "auf offener Straße" widerstandslos von der Polizei festnehmen lassen, bestätigte Polizeisprecher Robert Scholten. Offenbar war er auf einem Fahrrad unterwegs. Zuvor hatte die Polizei einen Hinweis auf seinen möglichen Aufenthaltsort bekommen und die Gegend beobachtet. Ob er während seiner Flucht Straftaten begangen habe, müsse noch untersucht werden.

Versteckt in Holzabfällen war der verurteilte Mörder am Dienstag aus dem Gefängnis in Rheinbach bei Bonn geflohen. Ein internationaler Haftbefehl wurde erlassen. Nachdem die Polizei rund 40 Hinweise erhalten und Befragungen im Umfeld des 43-Jährigen durchgeführt hatte, konnte sie den Geflohenen am Donnerstag in Köln festnehmen. 

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Parallel wird noch geprüft, wie es zur Flucht hatte kommen können. Dazu würden die Abläufe in der JVA vor und nach der Flucht beleuchtet sowie Bedienstete und Häftlinge vernommen. Ob es Mitwisser unter den Insassen gab oder ob der 43-Jährige gar Helfer hatte, ist unklar. "Nach allem, was wir wissen, gehen wir von einem gewissen Organisationsgrad aus", sagte der Polizeisprecher jedoch.

Bei dem Geflohenen handelt es sich um den sogenannten "Hahnwald-Mörder", der 2007 eine Kölner Millionärin umgebracht hat. Der 43-Jährige habe am Dienstagvormittag vermutlich einen Transport mit Holzabfällen aus der Anstaltsschreinerei zur Flucht genutzt, teilte der Leiter der Justizvollzugsanstalt mit.  Die Polizei leitete am Dienstag eine Großfahndung mit Hubschrauber, Suchhunden und Beamten der Bereitschaftspolizei ein. 

Der flüchtige Häftling arbeitete in der Schreinerei. Von dort werden Holzabfälle von einem Trecker zu einem holzverarbeitenden Betrieb gebracht, um verheizt zu werden. Auf dem Anhänger befinden sich mehrere Gitterboxen. In einer dieser Boxen hatte sich der 43-Jährige nach ersten Erkenntnissen versteckt.

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Die Polizei hatte den Mann als gefährlich eingestuft und appellierte an Auto- und Lastwagenfahrer, keine Anhalter mitzunehmen.

Der 43-Jährige wurde vor acht Jahren zu lebenslanger Haft für den Mord an der Kölner Millionärs-Gattin Jutta Heinmüller (61) verurteilt. Der Mordfall sorgte damals bundesweit für Aufsehen – und ist besonders im Raum Köln bis heute vielen im Gedächtnis geblieben. Die Boulevardpresse gab W., der als Gärtner für die Millionärin arbeitete, den Spitznamen "Hahnwald"-Mörder, benannt nach dem noblen Villenviertel im Kölner Süden, in dem sich das Verbrechen zutrug.

Die zurückgezogen lebende Heinmüller hatte den Mann im Frühjahr 2006 als Gärtner angestellt, ihn aber zunehmend auch mit anderen Aufgaben wie Fahrdiensten betraut. Nach einigen Monaten fing er an, seine Arbeitgeberin zu bestehlen. Die Ärztin bemerkte zwar, dass Dinge verschwanden, verdächtigte aber nicht den Gärtner. Als die Bank sie schließlich darüber informierte, dass jemand ihre Unterschrift gefälscht hatte, um 450.000 Euro von ihrem Depot auf ein anderes Konto umzuleiten, beschloss die Frau, am nächsten Tag zur Polizei zu gehen.

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Vermutlich erzählte sie dies auch dem Gärtner - der sie nach Überzeugung des Gerichts daraufhin erdrosselte oder erwürgte. Die Leiche brachte er mit seinem Auto in einen Wald in Frankreich und zündete sie an. Der Verdacht fiel dennoch rasch auf ihn, weil er einen Blazer im Internet verkaufen wollte, den die Frau am Tag ihres Verschwindens getragen hatte. Außerdem fanden die Ermittler im Kofferraum seines Wagens Blut des Opfers.

Die CDU-Landtagsfraktion forderte NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) auf, in der nächsten Sitzung des Rechtsausschusses einen umfassenden schriftlichen Bericht zu den Umständen des Ausbruchs vorzulegen. Kutschaty müsse darlegen, wie die Flucht mit einem "simplen Trick" gelingen und warum der Mann bisher nicht gefasst werden konnte. "Immerhin handelt es sich nicht um einen Eierdieb, sondern um einen hochgefährlichen Kapitalverbrecher", kritisierte der rechtspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Jens Kamieth.

Die Zahl der Gefängnisausbrüche in NRW lag laut Justizministerium von 2008 bis 2013 bei je einer "Trickentweichung". 2014 waren es drei. Der aktuelle Fall in der JVA Rheinbach ist landesweit der erste in diesem Jahr. Mit 316 Gefangenen ist die Anstalt derzeit zu 87 Prozent ausgelastet.

(lnw/ csf/ met)