| 16.19 Uhr

Ausflug im Sauerland
Sitzt ein Känguru an der Haltestelle

Känguru wartet in Marsberg im Sauerland an der Haltestelle
Die Polizeibeamtin Andrea Hiller machte diese Zeichnung von dem Känguru, das die Beamten in Marsberg an der Haltestelle fanden. FOTO: dpa, sab
Marsberg. Lamas gibt's im Sauerland, Bisons und immer häufiger auch Kängurus. Ab und zu gelingt einem die Flucht. Ein ausgebüxtes Känguru wollte nach einem Ausflug offenbar mit dem Bus zurück nach Hause fahren. Jedenfalls wartete es im sauerländischen Marsberg an der Haltestelle, bis die Polizei es einfing.

Das Känguru saß einfach da und wartete. Auf den Bürgerbus vielleicht, denn vier Mal am Tag hält er an der Haltestelle Dornliedstraße im sauerländischen Marsberg. Die Fahrt geht zum Supermarkt, eine Rundfahrt. Unklar bleibt, auf was das Känguru, das die Polizei am Freitagmorgen an der Haltestelle aufpickte, gewartet haben mag. Den Beamten war's gleich: Gemeinsam mit dem Halter trieben sie das ausgebüxte Beuteltier auf eine Weide und fingen es dort ein. Weniger Glück hatte ein hüpfender Artgenosse des Haltestellen-Kängurus: Er wurde in den frühen Morgenstunden ganz in der Nähe von einem Auto überfahren.

Kängurus im Sauerland? Immer wieder haben die Wallabys genannten Tiere in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen gesorgt. Meist auf den Namen "Skippy" getauft und durchnummeriert büxen sie ihren privaten Haltern aus und verduften. Während eines wochenlang im Sauerland unterwegs war und schließlich erst von einem Weidezaun in Nordhessen gestoppt wurde, fehlt von einem weiteren bereits seit einer Sichtung im Februar jede Spur. Auch am Niederrhein konnten im vergangenen September zwei herrenlose Beuteltiere entwischen, eines wurde bei Alpen überfahren, ein weiteres konnte wenig später eingefangen werden.

Auch die Polizei wundert sich über die Kängurus

"Wir haben auch keine Ahnung, warum gerade bei uns immer wieder Kängurus gesichtet werden", zeigt sich ein Polizist der Kreispolizeibehörde Hochsauerlandkreis ratlos. Es gebe zwar einige Halter in der Gegend, aber ihre Zahl sei auch nicht überdurchschnittlich hoch. "Geht das so weiter, werden wir langsam aber sicher zu Känguruexperten." Weil ihre Kollegen das wartende Tier an der Bushaltestelle nicht fotografiert hatten, griff Polizistin Andrea Hiller kurzerhand zu Bleistift und Papier und zeichnete die wenig alltägliche Szene nach.

Auch Elke Heinemann hat keine Erklärung, aber die Tierschützerin aus Marsberg kocht vor Wut: "Es ist furchtbar, wie gerade diese beiden nun überfahrenen und gefundenen Tier gehalten wurden, das hat mit "artgerecht" nichts zu tun", schimpft sie. Kängurus seien keine heimischen Tiere, sie gehörten nicht in eine oft eher unwirtliche, bergige Region wie das Sauerland. Und es sei besonders tragisch, wenn die Tiere die nicht erklärbare Liebhaberei schlecht informierter privater Halter mit dem Leben bezahlten wie nun im Sauerland.

Das sieht Züchter Markus Lange anders: Ein Känguru könne auch bei zum Teil zweistelligen Minusgraden in den Nächten in freier Wildbahn im "Outback" des Sauerlands überleben, sagte noch im Februar der Experte aus Medebach, zu dem "Skippy I" nach seiner Flucht gebracht worden war. "Die stammen ursprünglich aus Süd-Australien. Das ist eine Gebirgsregion, wo es auch Schnee gibt."

Am Freitag war auch ein Pferd in Köln ausgebüxt. Dieses musste die Polizei aber nicht lange suchen, es kam direkt zur Wache.

(lsa/lnw)
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