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Kriminalität
49. Geldautomat in NRW gesprengt

Kevelaer: 49. Geldautomat in NRW gesprengt
Bei der Sprengung des Sparkassen-Automaten in Kevelaer ging auch das Foyer zu Bruch. FOTO: Guido Schulmann
Düsseldorf. Die Serie von Automatensprengungen reißt nicht ab. Nun schlugen die Täter in Kevelaer zu. Das LKA stimmt sich mit Banken über Schutzmaßnahmen ab. Doch einige Geldinstitute verzichten aus Kostengründen auf eine Nachrüstung. Von Christian Schwerdtfeger

Es sind immer die gleichen Spuren, nach denen die Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) am Tatort eines gesprengten Geldautomaten besonders suchen: DNA-Rückstände, die im besten Fall zu den Tätern führen. Ob sie gestern Nacht in Kevelaer welche gefunden haben, ist noch nicht bekannt. Dort wurde in der Ortschaft Winnekendonk erneut ein Geldautomat mit einem Gasgemisch in die Luft gejagt - bereits zum 49. Mal seit März in Nordrhein-Westfalen. Wie in den meisten vorangegangenen Fällen wurde durch die Explosion die Sparkassenfiliale erheblich beschädigt. Verletzt wurde niemand. Drei Täter konnten laut Polizei in zwei Autos entkommen. Beute haben sie nicht gemacht. Erst in der vergangenen Woche war in Kevelaer ein Geldautomat gesprengt worden.

Die Ermittlungskommission des LKA geht davon aus, dass mehrere Banden hinter den Taten stecken. Auch Einzeltäter kommen in Betracht. So sucht die Polizei in dem Zusammenhang den gebürtigen Siegener Iztok Hartmut Opitz. Er soll mindestens elf Geldautomaten gesprengt haben. Nach einem Fahndungsaufruf in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" gingen mehr als 100 Hinweise bei der Polizei ein.

In Hamm konnte vor wenigen Wochen bereits eine Bande gestoppt werden, die für die Sprengungen von sieben Geldautomaten in Baumärkten verantwortlich gemacht wird. Zwei junge Männer aus der Republik Moldau im Alter von 22 und 29 Jahren sitzen in Untersuchungshaft. Nach Informationen unserer Redaktion stehen die Ermittler kurz vor einem neuerlichen Fahndungserfolg - einem offenbar noch größeren. Es soll sich um eine kriminelle Gruppierung handeln, die von den Niederlanden aus operiert. "Sie fahren über die Grenze nach NRW, begehen hier die Taten und fahren dann wieder zurück", erklärte ein Ermittler. Ob es sich dabei um die berüchtigte "Audi-Bande" handelt, wollte er aber nicht sagen. Personen dieser Gruppierung waren der Polizei Anfang September mit einem hochmotorisierten Audi RS 4 nach einer wilden Verfolgungsjagd davongefahren. Sie werden von der Polizei für eine Reihe von Taten in Nordrhein-Westfalen verantwortlich gemacht.

Das LKA arbeitet wegen der Serien-Sprengungen bereits eng mit den Banken und den Herstellern der Geldausgabeautomaten zusammen. Präventionsmöglichkeiten würden im Rahmen der Ermittlungsgruppe entwickelt, erklärte LKA-Chef Uwe Jacob. Ziel der Maßnahme sei es, technische Sicherungsmaßnahmen zum Schutz von Geldautomaten weiter zu optimieren und einzusetzen, so Jacob.

Doch viele Banken leisten den Anregungen des LKA offenbar nicht Folge. So verzichten die meisten Geldinstitute nach Recherchen unserer Redaktion bislang auf die von der Polizei empfohlene Nachrüstung ihrer Geldautomaten mit sogenannten Farbbomben. Diese würden bei einer Sprengung die Geldscheine markieren und für die Täter unbrauchbar machen. Ein Insider erklärt den Grund für den Verzicht: "Das macht aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten keinen Sinn für die Banken. Die Nachrüstung kann pro Automat bis zu 10.000 Euro und mehr kosten. Für 20.000 Euro bekäme man aber einen neuen Geldautomaten hingestellt." Der Preis einer Farbpatrone liege bei etwa 2000 Euro. Man benötige aber für jeden Automaten mindestens fünf davon, für jedes Geldscheinfach eines. Die Bestückung mit Farbpatronen hätte auch zur Folge, dass in den Geräten weniger Platz für Geld wäre und diese insbesondere am Wochenende aufwendig nachbefüllt werden müssten.

Die Mehrheit der derzeitigen Geldautomaten ist gegen die Sprengungen schutzlos. Dabei gibt es schon Automaten, die nicht aufgesprengt werden können. "Doch die alten Geräte tun es auch noch. Und erst wenn die kaputt sind, werden neue angeschafft", so der Insider. Bis es flächendeckend so weit ist, könnten aber noch viele Jahre vergehen. Wie sicher so ein neues Modell sein kann, erklärt die Sparkasse Wesel in einer Mitteilung über einen gerade in Betrieb genommenen SB-Geldautomaten. "Bei einem Sprengversuch bleibt die Tasse Kaffee auf dem Automaten stehen."

Quelle: RP
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