| 19.20 Uhr

Horror-Clowns in NRW
Polizei rechnet mit weiteren Nachahmern

"Killer-Clowns" in NRW: "Es ist nicht lustig, anderen Todesangst einzujagen"
Gruselige Clowns-Maske (in einem US-Halloween-Geschäft) FOTO: afp, so
Düsseldorf. Täter in gruseligen Clownsmasken erschrecken oder attackieren Menschen - auch in NRW häufen sich die Fälle, die einem Trend in den USA folgen. Mit Blick auf den 31. Oktober appellieren die Polizeibehöden nun an den Verstand der Halloween-Freunde.  Von Claudia Hauser und Christian Schwerdtfeger

Eine Frau führt ihren Hund Gassi, plötzlich tritt ein Mann mit einer unheimlichen Clownsmaske und einer Kettensäge aus dem Gebüsch auf den Gehweg, blickt sie an und versucht, die Säge in Gang zu setzen. Die 48-Jährige erschrickt so sehr, dass sie nach Hause rennt. Dort alarmiert sie die Polizei. Der Fall aus Wesel von Mittwochabend ist einer der jüngsten aus einer ganzen Reihe von Fällen, in denen als Clowns Maskierte Menschen erschrecken oder sogar verletzen. Täglich gibt es neue Meldungen. In Gelsenkirchen wurde in der Nacht auf Mittwoch ein 15 Jahre alter gehörloser Jugendlicher von zwei als Clowns verkleideten Tätern mit einem Messer verletzt. Montagnacht verletzte sich eine 14-Jährige in Gelsenkirchen, die in Panik vor einem Maskierten flüchtete.

"Wir hatten diese Woche fast jede Nacht einen Fall", sagt ein Polizeisprecher aus Gelsenkirchen. Jemanden zu erschrecken sei zwar keine Straftat, doch die Situation gerate schnell außer Kontrolle, wenn jemand in Panik gerate. "Unsere Kollegen sind sensibilisiert, aber auch die Bevölkerung ist es – was gut ist, weil wir dann schnell informiert werden." Im Fall der 14-Jährigen hat sich ein Bekannter des Mädchens gemeldet, der sich als Clown verkleidet hatte. Der Jugendliche sagte, es sei ein schlechter Scherz gewesen. Von den Tätern, die nach dem Messerangriff auf den 15-Jährigen auf einen Roller flüchteten, gibt es bisher noch keine Spur.

Diskussion ruft Nachahmer auf den Plan

Die Polizeibehörden Nordrhein-Westfalens sind vor allem in Hinblick auf Halloween (31. Oktober) besonders aufmerksam. "Das wird nicht einfacher", sagt der Sprecher aus Gelsenkirchen. "Wir sind gespannt, wie sich das entwickelt." Die Diskussion in den sozialen Netzwerken rufe Nachahmer auf den Plan. "Sie führt aber vielleicht auch dazu, dass der eine oder andere versteht, dass es nicht lustig ist, anderen Todesangst einzujagen."

Arnold Plickert, NRW-Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), sagte unserer Redaktion: "Das ist kein Dummer-Jungen-Streich mehr. Gerade in Zeiten wie diesen, wo die Bürger ohnehin schon durch Terrorgefahr geängstigt sind, ist ein solches Verhalten respektlos. Wir müssen die Sache weiter beobachten. Aber das Tragen von Clowns-Kostümen in den Tagen vor und an Halloween zu verbieten, ist übertrieben. Wir können nicht alle, die solche Kostüme tragen, unter Generalverdacht stellen." Seitens des NRW-Innenministeriums heißt es: "Es ist kein Spaß, andere Menschen verkleidet und manchmal sogar bewaffnet zu erschrecken. Sondern einfach nur sadistisch, wirr und gefährlich." Die Hysterie in den sozialen Medien wirke wie Treibstoff. "Je mehr Postings es dazu gibt, desto mehr Nachahmer tauchen auf", sagte ein Sprecher. 

Der Psychologe Jens Hoffmann leitet das Institut Psychologie und Bedrohungsmanagement in Darmstadt. Auch er spricht von einer "sadistischen Motivation" mancher Täter. Seiner Einschätzung nach könnte die Zahl der Übergriffe weiter steigen, wie er der dpa sagte. "Das Erschrecken hat Tradition, besonders zu Halloween. Das hat sich nun verselbstständigt, da gibt es einen großen Nachahmungseffekt."

In den USA , wo Horror-Clowns schon seit einiger Zeit auftauchen, gab es schon einige Situationen, in denen die Opfer den Spieß umdrehten: In einem Fall stieg ein Mann mit einem Baseballschläger aus seinem Auto und ging auf den Clown los, der plötzlich an der Straße gestanden und ihn angestarrt hatte. In einem anderen Fall richtete ein Fahrer seine Waffe gegen einen Clown, der daraufhin das Weite suchte.

Ein Sprecher der Kölner Polizei sagt: "Es kann natürlich passieren, dass ich an den Falschen gerate, wenn ich mich als Horrorclown verkleide." Menschen, die in eine Notwehr-Situation gebracht würden, könnten etwa in Panik zuschlagen. In Köln gab es bisher noch keinen Fall, in denen ein Gruselclown gesichtet wurde. "Wir werden wie schon an Karneval sicher auch keine Kostüme verbieten, aber wir appellieren bei der Kostümwahl an den gesunden Menschenverstand."

Zuletzt gab es in NRW fast täglich Fälle, in denen gruselige Clowns andere erschreckt haben. Hier gibt es eine Übersicht.

(Mit Material von dpa)
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