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Klimaschutzgipfel
195 Länder wollen in Bonn die Welt retten

Klimaschutzgipfel COP 23: 195 Länder wollen in Bonn die Welt retten
Die Weltklimakonferenz COP23 findet vom 06. bis 17. November 2017 in Bonn statt. FOTO: dpa, obe gfh
Bonn. Ohne Beteiligung der USA wollen die UN-Staaten das Pariser Klimaschutzabkommen zu einem Erfolg machen. In Bonn soll dafür die Grundlage gelegt werden. Von Martin Kessler und Birgit Marschall

Auch nach dem Ausstieg der USA aus dem Klimaschutzabkommen von Paris suchen die übrigen Staaten der Erde weiterhin nach Lösungen, um die drohende Erderwärmung mit ihren schädlichen Folgen zu dämpfen. Auf der Weltklimakonferenz in Bonn, die am Montag in der früheren Bundeshauptstadt eröffnet wurde, wollen sie in den nächsten beiden Wochen Regeln erarbeiten, wie die einzelnen Länder ihren CO2-Ausstoß messen sollen. Zu verbindlichen Minderungszielen hatten sich die Länder in Paris verbindlich verpflichtet. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) warnte davor, bei der Umsetzung der Klimaziele zu tricksen. UN-Klimachefin Patricia Espinosa mahnte: "Wir müssen jetzt handeln!"

Das Treffen mit 25.000 Teilnehmern aus 195 Ländern gilt auch als wichtiger Gradmesser dafür, ob der Geist von Paris nach der Ausstiegsentscheidung von US-Präsident Donald Trump noch lebendig ist. Trump hatte im Sommer die Aufkündigung des Klimaschutzabkommens durch die Vereinigten Staaten beschlossen. Der Ausstieg kann aber erst 2020 vollzogen werden.

Deutschland will Hilfen verstärken

Die wissenschaftliche Erkenntnis dafür, dass sich die Erdatmosphäre erwärmt, ist erdrückend. Amerikanische Klimaforscher hatten im Vorfeld der Konferenz erklärt, in über 1200 Studien sei der Anstieg durch menschliche Einwirkung belegt. Im jüngsten Klimareport von 13 US-Behörden, wird der größte Teil der Erderwärmung als von Menschenhand verursacht angesehen. Nach einer veröffentlichten Studie der Weltwetterorganisation WMO wird 2017 zu den drei heißesten bisher gemessenen Jahren gehören. Frank Bainimarama, Premierminister der Republik Fidschi und Vorsitzender der Konferenz in Bonn, erklärte, die Klimaziele müssten unbedingt eingehalten werden.

Deutschland, der "technische Gastgeber" der Konferenz, will seine Finanzhilfen für die vom Klimawandel besonders bedrohten Inselstaaten verstärken. Die Bundesrepublik werde 50 Millionen Euro in den Anpassungsfonds der Vereinten Nationen einzahlen, kündigte Ministerin Hendricks an. Das deutsche Entwicklungsministerium stellte ebenfalls 50 Millionen Euro für den Fonds der am wenigsten entwickelten Länder bereit. Die deutschen Zusagen in Höhe von insgesamt 100 Millionen Euro direkt am ersten Tag der Konferenz fanden viel Beifall.

Der Bund will den Treibhausgas-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 senken, bisher gehen die Emissionen dafür aber zu langsam zurück. "Nur wenn Merkel in Bonn handfeste Schritte präsentiert, kann die Kanzlerin einer internationalen Blamage entgehen", kritisierte der Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid.

Die Klimadebatte ist auch ein großer Streitpunkt in den Jamaika-Sondierungen von CDU/CSU, FDP und Grünen. Aus Sicht der Grünen müssen die Jamaika-Sondierer in Berlin beim Klimaschutz zu klaren Ergebnissen kommen. "Da Deutschland Gastgeber ist, muss nicht nur die amtierende Regierung ihr Bekenntnis zu den Klimazielen bekräftigen, sondern auch die Jamaika-Sondierer sollten beim Klimaschutz sichtbar und effektiv etwas voranbringen", sagte Grünen-Parteichefin Simone Peter unserer Redaktion.

FDP verschafft sich Luft

Die Grünen gaben in den strittigen Klimaschutz-Verhandlungen ein erstes, kleines Signal der Annäherung. "Für uns kommt es nicht darauf an, ob das letzte Kohle-Kraftwerk 2030 oder 2032 vom Netz geht. Da sind wir pragmatisch. Entscheidend ist die CO2-Emissionsminderung", sagte Peter. Unmissverständlich klar müsse sein, dass die deutschen Treibhausgasemissionen im Jahr 2020 um 40 Prozent geringer sein müssten als 1990. Bisher hatten sie noch gefordert, die 20 schmutzigsten Kohle-Kraftwerke sofort abzuschalten.

Die FDP nutzte die Klimakonferenz, um sich Luft bei den Jamaika-Sondierungen zu verschaffen. Es könne für gleiche Geld mehr für das globale Klima erreicht werden, wenn Deutschland in der Entwicklungshilfe mehr auf Klimaschutz setze. Das werde er in die Gespräche in eine neue Koalition einbringen, kündigte FDP-Chef Christian Lindner an. Am Abend kam das Thema auch bei einer Spitzenrunde der vier Parteichefs zur Sprache (mit dpa).

Quelle: RP
 
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