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Fälle auch in NRW
Zahl der Ansteckungen mit Krätze steigt

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Düsseldorf . Seit einigen Jahren steigt die Zahl der Ansteckungen mit Krätze in Deutschland wieder. Das geht aus dem Arzneimittelreport der AOK hervor. Demnach hat sich die Zahl der verschriebenen Salben gegen die Hautkrankheit in nur sieben Jahren verdoppelt. Auch in NRW gab es zuletzt Fälle in Düsseldorf und Krefeld sowie im Rhein-Kreis Neuss und im Kreis Viersen.  Von Jessica Kuschnik

Die Symptome an sich sind ebenso unangenehm wie die Diagnose: Krätze. Denn landläufig wird diese parasitäre Hauterkrankung gleichgestellt mit Hygienemängeln. Daher kommt sie in westlichen Ländern bis auf wenige Einzelfälle eigentlich kaum noch vor. Wie häufig genau, ist unklar, da es keine allgemeine Meldepflicht gibt, es sei denn, die Krankheit bricht in Einrichtungen wie Krankenhäusern, Kindergärten, Schulen oder Flüchtlingsunterkünften aus. Der Arzneimittelreport der Krankenkasse AOK jedoch legt den Verdacht nahe, dass die Zahl der Erkrankungen deutschlandweit seit Jahren zunimmt. 

Denn bei den verschreibungspflichtigen Medikamenten gegen die Krätze ist ein deutlicher Anstieg zu erkennen. Wurden gesetzlich Krankenversicherten 2007 noch 61.100 Cremes gegen die Krankheit verschrieben, waren es 2012 bereits 83.400 Cremes und 2014 sogar 122.300, so die Krankenkasse. 

Auch in NRW steigen die Verschreibungszahlen 

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein meldet ebenfalls steigende Zahlen: 2007 waren es 7700 Verschreibungen, 2012 schon 14.900 und 2014 sogar 20.000 Verschreibungen. Die Präparate, deren Verschreibungszahlen verglichen wurden, gehören zu den meistverordneten Medikamenten bei Krätze. "Betroffene werden auch mit individuell angefertigten Rezepturen behandelt, die in dieser Auswertung nicht enthalten sind", so eine AOK-Sprecherin.

Krätze: Die wichtigsten Fakten FOTO: RP

Auch aus den Städten in NRW berichten Ärzte zunehmend von Erkrankungsfällen. Von vier bis fünf Erkrankten am Tag spricht Ursula Peterseim, Obfrau der niedergelassenen Dermatologen in Krefeld. Ihre Kollegen berichteten ähnliches. Im November meldeten drei Grundschulen und eine weiterführende Schule in Erkrath, dass mehrere Schüler an der Krätze erkrankt seien. In Mülheim an der Ruhr gab es Fälle in einem Krankenhaus und einer Flüchtlingsunterkunft.

Gesundheitsämter sehen keinen Grund zur Besorgnis

Wie das Kreisgesundheitsamt berichtet, hat es im Kreis Viersen seit Januar bereits 54 gemeldete Ausbrüche der Krätze gegeben – 2015 waren es insgesamt 109. Jedoch sei die Zahl der Ausbrüche nicht gleichzusetzen mit der Zahl der Betroffenen. "Bei einem Ausbruch kann mehr als ein Mensch krank sein", erklärt das Kreisgesundheitsamt. Zudem erfahre das Gesundheitsamt meist erst davon, wenn eine Kita oder eine Schule betroffen sei und dies auch melden würde. Einen Zusammenhang mit der steigenden Zahl der Krätze-Ausbrüche und der steigenden Zahl der Flüchtlinge sieht das Gesundheitsamt nicht.

Trotz der möglicherweise steigenden Zahlen gibt es keinen Grund zur Besorgnis, erklären die Gesundheitsämter. "In Solingen gibt es immer mal wieder einzelne Fälle von Krätze, die aber kein Problem oder gar eine Epidemie darstellen", heißt es vonseiten der Stadt. Michael Dörr, Amtsleiter im Rhein-Kreis Neuss, erklärt, dass es trotz steigender Zahlen keinen "Hot-Spot" gebe: "2015 hatten wir 37 Fälle, im Jahr davor 42 und davor weniger. Es gibt also eine leicht steigende Tendenz, die die Zahlen in diesem Jahr bestätigen. Wir haben sicher mehr als 20 Fälle, die sich über das Kreisgebiet verteilen." 

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