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Banden überfallen Rentner in NRW
Die Opfer stehen Todesängste aus

Raubmord in Tönisvorst: 81-Jähriger tot
Raubmord in Tönisvorst: 81-Jähriger tot FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Drei Einbrecher haben eine Frau in Krefeld im Schlaf überrascht, gefesselt und beraubt. In Krefeld ist es der dritte Überfall nach diesem Muster. Für die Opfer sind die Erlebnisse traumatisch: Sie stehen Todesängste aus. Von Jens Voss

Der Alptraum begann um 2.30 Uhr: Drei Unbekannte in martialischer Montur machen sich an einem Haus zu schaffen. Alle sind dunkel gekleidet, tragen Handschuhe und schwarze Masken mit Augenschlitzen, einer ist auffallend schmächtig. Die drei schrauben ein Gitter von einem Fenster ab, steigen in das Haus ein, arbeiten sich zum Schlafzimmer der einzigen Bewohnerin vor, wecken sie, fesseln sie, verlangen die Schlüssel von einem Tresor und räumen ihn leer. Schmuck und Bargeld sind die Beute. Das Opfer: eine 85-jährige Frau. Nachbarn beschreiben sie als resolut und rüstig - sie wird Kraft brauchen, um mit diesem Erlebnis fertig zu werden.

In Krefeld ist es bereits der dritte Fall nach diesem Muster. Im Jahr 2012 war eine 82-jährige Frau in ihrem Haus von zwei Einbrechern heimgesucht worden. Die Täter bedrohten sie mit einer Schusswaffe und zwangen sie, die PIN-Nummer einer EC-Karte herauszugeben. Sie seien nicht brutal vorgegangen, meinten die Täter später vor Gericht - die Frau hingegen berichtete von Todesängsten.

In einem anderen Fall - ebenfalls 2012 - war eine 90-Jährige das Opfer: Sie war in ihrer Wohnung mit Klebeband gefesselt worden; die beiden Täter ließen sie nach dem Raubzug achtlos zurück. Die Frau konnte danach nicht mehr allein leben und siedelte in ein Heim über. Äußere Verletzungen sind bei solchen Erlebnissen jedoch wohl weniger schlimm als die seelischen. Das Viertel, in dem der nun dritte Fall stattfand, ist ein Hort der bürgerlichen Mittelschicht: Reihenhäuser, gepflegte Vorgärten, herzliche Nachbarschaft per Du. "Wir haben mit ihr letzte Woche noch ihren Geburtstag gefeiert", berichtet ein Nachbar.

Bedrohte Idylle

Doch die Idylle ist bedroht. Seit etwa zwei Jahren treibt das Thema Einbruch die Menschen in dem Viertel um. Berichtet wird von mehreren Einbrüchen, in denen die Täter teils mit brachialer Gewalt ganze Türen verbogen haben. Die Anwohner haben sich Zug um Zug gewappnet: Fenster mit Rollläden gesichert, Kellerschächte blockiert, den Bewuchs an den Häusern gelichtet. Böse Ironie beim neuen Fall: Die 85-Jährige hat jüngst die Hecken rund um ihren Garten deutlich kürzen lassen, um ihn besser einsehbar zu machen - das war sogar Thema bei der Geburtstagsfeier. Alle waren sich einig: Nachbarn, die aufeinander aufpassen, sind der beste Schutz gegen Einbrecher.

Doch die Täter fanden ihren Weg: Das Fenster, durch das sie ins Haus gelangten, liegt im Souterrain - tief genug, um noch verdeckt zu sein. Die Polizei geht davon aus, dass die Einbrecher wussten, was sie wollten: "Wir vermuten, dass es kein Einbruch war, der eskalierte, sondern dass die Täter gezielt dieses Haus ausgesucht haben. Die haben sich auch mit der Maskierung anders vorbereitet als der normale Einbrecher", sagt ein Polizeisprecher. Einfache Einbrecher hätten meist ein "ausgeprägtes Fluchtverhalten" und fliehen, wenn sich etwas rührt. Das Bild in diesem Fall ist anders: Die Täter, die mit osteuropäischem Akzent sprachen, kannten ihr Ziel offenbar genau - den Tresor.

Gefesselt wurde die 85-jährige Frau mit ihren eigenen Schals. Als der Spuk vorbei und das Trio weg war, habe die Frau sich rasch befreien können. Die alte Dame kam mit Verletzungen im Gesicht davon, die entstanden, als man sie in ein Kissen drückte. Sie erlitt einen Schock, kam ins Krankenhaus, wurde aber gestern noch entlassen. Die Heilung der seelischen Verletzung beginnt erst.

Quelle: RP
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