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Kreuzau
Hetze bei Facebook wegen Seniorenheim-Schließung

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können
Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai
Kreuzau. Die geplante Schließung eines Seniorenheims in Kreuzau im Kreis Düren hat im sozialen Netzwerk Facebook für Empörung gesorgt. In der öffentlichen Gruppe "NETT-Werk Köln" war der Beitrag einer aus Aachen stammenden Frau geteilt worden, die angab, "stinksauer" zu sein.

Ihr 86-jähriger Vater solle binnen eines Monats aus dem Pflegeheim ausziehen, weil in dem Gebäude Flüchtlinge untergebracht würden, schrieb sie und beendete den Post mit den Worten: "Mit alten Leuten kann man's ja machen. Ich sage nur, schämt euch."

Etliche Facebook-Nutzer machten ihrem Ärger über den Umgang mit den 42 betroffenen Senioren in der Kommentarspalte Luft. Dabei hat die Schließung des Heims laut Aussage der Tochter des Betreibers mit den Flüchtlingen gar nichts zu tun. "Mein Vater, der Geschäftsführer, hatte einen Unfall und ist selbst Pflegefall geworden", erklärt Linda Hawig. "Meine Mutter und ich haben keine Möglichkeit gesehen, das Heim weiterzuführen."

Die Einrichtung im Ortsteil Drove wird seit 25 Jahren von der Familie Hawig betrieben. Inzwischen erfülle das Gebäude aber nicht mehr die zukünftigen gesetzlichen Bestimmungen, die für den Betrieb einer vollstationären Pflegeeinrichtung notwendig sind. Es könne auch nicht umgebaut werden, sagt Linda Hawig: "Insofern wurde die Entscheidung zur Schließung auf den jetzigen Zeitpunkt vorgezogen." Die Bewohner seien am Mittwoch fristgerecht über die Schließung zum 30. November informiert worden. "Der Großteil äußerte sich verständnisvoll", sagt Linda Hawig. Für einige seien bereits neue Pflegeeinrichtungen gefunden worden.

Den bald leerstehenden Raum hat die Familie der Bezirksregierung Köln zur Miete angeboten. Bis zu 300 Flüchtlinge sollen dort ab Januar einziehen, sagt Sprecherin Freia Johannsen. Vor allem für schwangere und traumatisierte Flüchtlinge eigne sich die Unterkunft im Grünen sehr gut. Über alles Weitere werde Ende des Jahres entschieden.

Der Facebook-Beitrag war am Montagmittag bereits wieder gelöscht.

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(emy)
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