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Verletzte Polizisten in Düren
Brutaler Streit um Knöllchen vor Gericht

Landgericht Aachen: Knöllchen-Streit mit verletzten Polizisten in Düren
Polizisten in Düren nehmen im November nach der Schlägerei einen der Männer in Gewahrsam. FOTO: AZ/AN
Aachen. Sie sollen Polizisten geschlagen und mit einem Radmutterschlüssel verletzt haben – nun hat in Aachen der Prozess gegen einen Vater und zwei seiner Söhne aus Düren begonnen. Auslöser für den Streit soll ein Knöllchen gewesen sein. Von Guido Jansen

Es war Samstag, 12. November, gegen 12.30 Uhr, als Männer aus Düren zum zweiten Mal innerhalb einer Woche wegen eines Gewaltausbruchs deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt haben. Nur sechs Tage zuvor hatten 24 Männer aus Düren ein Fußballspiel in Jülich-Güsten überfallen, um Rache wegen einer Schlägerei zu nehmen. Sieben von ihnen wurden in der vergangenen Woche zu Haftstrafen verurteilt.

Am Freitag hat vor dem Aachener Landgericht nun der Prozess um die Vorfälle vom 12. November begonnen. Angeklagt sind drei Männer aus Düren, es handelt sich um einen Vater (47) und zwei seiner Söhne (28 und 29), die laut Staatsanwaltschaft auf die Beamten einprügelten und zehn von ihnen verletzt haben sollen. Einer soll mit einem Radmutterschlüssel derart gegen den Kopf geschlagen worden sein, dass er einen Bruch der Augenhöhle erlitt, operiert werden musste und bis heute nicht arbeiten kann.

Deswegen hat die Staatsanwaltschaft Aachen den Vater und seine Söhne wegen gefährlicher gemeinschaftlicher Körperverletzung beziehungsweise des Versuchs und wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in besonders schweren Fällen angeklagt. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft.  Vor der 5. Großen Strafkammer des Aachener Landgerichts unter dem Vorsitz von Richterin Regina Böhme soll geklärt werden, was geschah. 50 Zeugen sind geladen, um den blutigen Kampf auf der Scharnhorststraße aufzuklären. Indirekt geht es wohl auch darum, ob die Angeklagten um sich herum eine Zone geschaffen hatten, in der das Recht des Stärkeren gilt und die Polizei der Feind ist. No-go-Area heißt das auf Neu-Deutsch.

Angeblich Ordnungsamtmitarbeiter mit Tod bedroht

Fälle von Gewalt gegen Einsatzkräfte 2016

Augenzeugen bestätigen die Vorfälle weitgehend so, wie sie die Staatsanwaltschaft zur Anklage gebracht hat: ein Vater und zwei Söhne, die ohne jeden Respekt und mit einem Höchstmaß an Brutalität die Polizisten attackiert haben sollen, weil sie sich in ihrer Straße keine Vorschriften machen lassen wollten. Den Angaben zufolge soll es weitere Angreifer gegeben haben, die aber nicht ermittelt werden konnten.

Die Angeklagten widersprechen der Version der Staatsanwaltschaft. Kleinster gemeinsamer Nenner beider Versionen ist das Knöllchen, das ein Mitarbeiter des Dürener Ordnungsamts an diesem 12. November an die Windschutzscheibe eines Autos in der Scharnhorststraße stecken wollte. Danach schildert Christian Franz, Verteidiger des ältesten Sohns, eine Version, in der die Polizei die Männer direkt aggressiv angegangen ist, nachdem schon der Mann vom Ordnungsamt mit seinem Verhalten provoziert habe. Sein Mandant habe keinen Polizisten geschlagen, schon gar nicht mit einem Radmutterschlüssel.

Die in der Anklageschrift formulierten Tatvorwürfe klingen anders. Laut Staatsanwaltschaft soll der Vater dem Mann vom Ordnungsamt erklärt haben, dass er es nicht toleriere, wenn in seiner Straße Knöllchen geschrieben werden, der Sohn drohte mit Konsequenzen für den Mitarbeiter und seine Familie. Vater und Sohn haben den Mann vom Ordnungsamt laut Staatsanwaltschaft dann sogar mit dem Tod bedroht. Daraufhin habe dieser den Polizei-Notruf gewählt. Erst sei ein Streifenwagen eingetroffen, dann schnell ein zweiter, berichten Augenzeugen. Zwischen einem der Polizisten und dem Vater brach demnach schnell ein hörbarer Streit aus. Es habe nicht lange gedauert, bis wenigstens zwei weitere Streifenwagen eintrafen. Neben dem älteren Sohn sollen sich im Verlauf auch die Mutter und weitere Söhne an dem Streit beteiligt haben. Dann habe der Vater den Polizisten attackiert und dabei nach einem Radmutterschlüssel gegriffen. Der Polizist soll Pfefferspray eingesetzt haben, um den Vater abzuwehren.

Polizei fahndete nach Söhnen

"Das war für die Söhne wie ein Gong in einem Boxkampf", schildert ein Zeuge die Wirkung des Pfeffersprays. Wie auf Kommando hätten die Brüder auf die Beamten eingeprügelt. Der ältere Sohn habe den Polizisten, der seinen Vater mit dem Pfefferspray außer Gefecht gesetzt hatte, laut Staatsanwaltschaft mit einem Faustschlag niedergestreckt, nach einem Radmutterschlüssel gegriffen und damit mindestens einmal auf den Kopf des Beamten geschlagen. Die anderen Polizisten sollen dann vorgerückt sein und Pfefferspray eingesetzt haben. Daraufhin hätten sich die Brüder in das Wohnhaus zurückgezogen. Den Vater hätten die noch einsatzfähigen Polizisten überwältigen können. "Macht das Dreckspack endlich platt. Die tun hier sowieso immer nur, was sie wollen", soll ein Zuschauer laut Zeugenaussage gerufen haben.

Dann sei der zweitälteste Bruder auf der Bildfläche erschienen und habe versucht, den Radmutterschlüssel zu greifen. Vier Polizisten waren laut Staatsanwaltschaft notwendig, um ihn ruhigzustellen, drei habe der Sohn mit Schlägen und Tritten verletzt. Schließlich, als noch mehr Polizisten vor Ort zusammengezogen waren, stürmten sie laut Staatsanwaltschaft das Wohnhaus, trafen die Brüder aber nicht mehr an. Nach ihnen wurde gefahndet. Ein Spezialeinsatzkommando nahm Vater und Sohn vier Tage später erneut fest. Der flüchtige ältere Sohn stellte sich Mitte Dezember. Aus der Untersuchungshaft wurden alle drei mittlerweile entlassen.

Die Brüder kommen aus einer Großfamilie mit neun Geschwistern. Beide haben nach eigenen Angaben eine Ausbildung, einer absolviert zudem ein Studium, der andere besucht eine Abendschule. Nur der Jüngere will sich im Verlauf des Prozesses zu den Vorwürfen äußern. Der Vater wollte gar nichts sagen.

Mit Material von dpa.

 
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