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Ärger über Weihnachtsmärkte
Im T-Shirt am Glühweinstand

Fotos: Das sind die Düsseldorfer Weihnachtsmärkte
Fotos: Das sind die Düsseldorfer Weihnachtsmärkte FOTO: Hans-Juergen Bauer
Meinung | Düsseldorf. Es ist wieder soweit: Nach und nach öffnen die Weihnachtsmärkte in NRW – und brechen damit damit ein religiöses Tabu. Warum sich unsere Autorin ärgert, erklärt sie im Kommentar. Von Dana Schülbe

Düsseldorf, Köln, Opladen, Krefeld – in all diesen Städten geht es am Donnerstag los mit der weihnachtlichen Stimmung an den Trink-, Ess- und Verkaufständen. Es ist wieder Saison für Weihnachtsmärkte. Was, jetzt schon? Angesichts der (noch) milden Temperaturen mag daran kaum jemand denken. Doch mich stört noch etwas ganz anderes.

Als ich vor einigen Jahren nach NRW zog, war ich empört, dass manche Weihnachtsmärkte noch vor dem Totensonntag öffnen. Das kannte ich bis dahin nicht. Und Jahr für Jahr ärgert es mich aufs Neue, auch wenn Nordrhein-Westfalen da sicher kein Einzelfall ist.

Der Totensonntag ist ein evangelischer Gedenktag, an dem der Verstorbenen gedacht wird. Katholiken haben das Pendant Allerseelen am 2. November. Dieser Tag ist der letzte des Kirchenjahres, erst danach beginnt die – mehr oder weniger – besinnliche Adventszeit. Entsprechend sollten auch erst dann die Weihnachtsmärkte öffnen und – ja, auch das ist mir bereits vor einer Woche passiert – erst dann darf es losgehen mit der Weihnachtsmusikbeschallung in Supermärkten und Einkaufszentren.

Dass die Märkte immer früher in den November hinein öffnen, hat natürlich ökonomische Gründe. Je länger offen ist, umso mehr Umsatz machen die Betreiber. Aber ist Weihnachten nicht auch so schon viel zu sehr auf Konsum und Kommerz ausgerichtet? Wo bleibt der Reiz des Weihnachtsfestes, wenn die Vorfreude schon Wochen vorher abebbt, weil keiner mehr gebrannte Mandeln, Glühwein oder Lebkuchen sehen kann? Und wollen wir – ich übertreibe mal – wirklich irgendwann im Hochsommer am Glühweinstand stehen?

Nun mögen manche sagen: Man muss ja nicht gleich am ersten Tag gehen, wenn einem das nicht gefällt.

Stimmt. Und das werde ich auch nicht tun. Nicht nur aus Respekt vor den Verstorbenen, derer die Protestanten am Sonntag gedenken, sondern auch, weil ich ein Stück Brauchtum nicht aufgeben will, dass ich seit meiner Kindheit kenne.

Immerhin eines beruhigt mich: Dass am Totensonntag selbst dann doch kein Weihnachtsmarkt geöffnet ist.

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