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Interaktive Karte zur Lebenserwartung
Hier leben die Menschen in NRW am längsten

Lebenserwartung - Wie alt werde ich?
Lebenserwartung - Wie alt werde ich? FOTO: rpo
Düsseldorf. In manchen Gegenden in NRW leben die Menschen länger als anderwo. Statistisch gesehen bleiben den Bürgern in Gelsenkirchen rund vier Jahre weniger Lebenszeit als jenen in Münster. Wir zeigen, wo die Menschen früher sterben - und erklären, warum das so ist. Von Jessica Kuschnik

Münster gilt als die Fahrradhauptstadt Nordrhein-Westfalens. Die Stadt ist Sitz mehrerer Universitäten, grün, und offensichtlich lässt es sich dort sehr gut leben – und sehr lange. Das geht aus den regionalen Daten hervor, die die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) ermittelt hat. 

Demnach werden Frauen in Münster im Schnitt 84,3 Jahre alt, Männer bringen es auf 79,5 Jahre. Damit liegt die Stadt im Deutschlandvergleich ganz weit vorne – die ältesten Frauen werden in Deutschland im Schnitt 84,7 Jahre alt, und zwar in Dresden und Tübingen, die ältesten Männer 79,9 in Tübingen. Anders sieht es in Gelsenkirchen aus. Die Stadt bildet zumindest in NRW das Schlusslicht. Frauen werden hier nur 80,4 Jahre alt, Männer 75,2. Im Vergleich mit dem Rest Deutschlands landet Gelsenkirchen damit auch auf den hinteren Plätzen. 

Duisburger sterben früher als Neusser

Ebenfalls auf den hinteren Plätzen mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von unter 82 Jahren bei Frauen und unter 77 Jahren bei Männern landen in NRW Duisburg, Mönchengladbach und Oberhausen. Lange leben lässt es sich hingegen in Düsseldorf, im Rhein-Kreis Neuss, im Rheinisch-Bergischen Kreis und im Rhein-Sieg-Kreis. Hier werden Frauen im Schnitt mindestens 83 und Männer mindestens 78 Jahre alt. 

Doch warum gibt es so große Unterschiede? Fakt sei, dass die Lebenserwartung besonders von Männern in struktur- und einkommensschwachen Regionen wie Teilen des Ruhrgebiets signifikant unter dem bundesdeutschen Durchschnitt liege, erklärt Sabine Zimmermann. 

Finanziell Schwache sterben zehn Jahre früher

Schon länger sei bekannt, dass die Lebenserwartung in einer Beziehung zum Einkommen steht. Das zeigt sich, wenn man die Bundesbürger und ihre Einkommen in fünf Gruppen von arm bis reich unterteilt. Das hat das Robert -Koch-Institut (RKI) getan und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass Männer in der höchsten Einkommensgruppe 10,8 Jahre länger leben als Männer in der niedrigsten. Bei Frauen sind es 8,4 Jahre. Das RKI hält auch einen Zusammenhang von Krankheit und sozialem Status für erwiesen: Bei schweren Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes oder chronischen Lungenerkrankung sind Sozialschwächere deutlich häufiger betroffen.

Insgesamt liegt die Lebenserwartung in Deutschland laut Robert-Koch-Institut für heute geborene Mädchen im Mittel bei 82,7 Jahren, für Jungen bei 77,7 Jahren. Dass es Unterschiede je nach Status gibt, führen die Forscher auch auf den Bildungsgrad und auf das verfügbare Einkommen zurück. Letzteres habe Einfluss auf die Behandlungsmöglichkeiten.

Geringverdiener leiden häufiger an chronischen Erkrankungen 

In einer Antwort auf eine Anfrage der Abgeordneten Zimmermanns räumt die Bundesregierung ein, "dass günstigere sozioökonomische Bedingungen in der Wohnregion mit einer höheren Lebenserwartung einhergehen". Ursache seien Unterschiede bei Bildung, aber auch beim Rauchen, der Ernährung und der Bewegung sowie bei den Arbeits- und weiteren Lebensbedingungen.

Zimmermann schlussfolgert: "Wer wenig verdient, muss häufiger schwere und gesundheitlich belastende Arbeit leisten, muss unter Lärm und Luftverschmutzung leiden, kann sich nicht so gut ernähren und stirbt früher als Besserverdiener." Arme litten häufiger an chronischen, aber auch an psychischen Krankheiten wie Depressionen. 

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