| 10.23 Uhr

Rettungsaktion auf Gnadenhof in Kemmerich
Pferdehalterin wird im Internet angefeindet

Lindlar: Pferdehalterin wird nach Rettungsaktion im Internet angefeindet
13 Mitglieder der Feuerwehr Lindlar befreiten Marengo mit einem Minibagger und Schaufeln aus dem Schlamm. FOTO: Feuerwehr Lindlar
Kemmerich/Lindlar. Pferdehalterin Veronice Meier werden bei Facebook heftige Vorwürfe gemacht. Denn die Feuerwehr Lindlar musste am Samstag auf ihrem Hof ein 25 Jahre altes Pferd nach einem Sturz aus dem Schlamm befreien. Der Tierarzt stellte fest, dass das Tier einen Herzfehler hat.  Von Christiane Bours

Marengo geht es wieder gut. Der 25-jährige Wallach hat die Rettungsaktion vom Samstag soweit gut überstanden, nur Medikamente muss er künftig täglich nehmen. Denn es hat sich herausgestellt, dass er an einem schweren Herzfehler leidet. "Besser wird es nicht mehr, die Medikamente dienen lediglich zur Unterstützung des Herzens", sagt Veronice Meier, Pächterin des Gnadenbrothofes bei Kemmerich im Oberbergischen Kreis.

Bei Facebook wird sie seit Samstag für die Haltungsbedingungen auf ihrem Hof angegriffen. Denn Marengo war auf der Weide, die derzeit wegen der starken Regenfälle sehr nass und matschig ist, umgefallen und konnte sich nicht mehr aus eigener Kraft aus dem Matsch befreien. Der Wallach strampelte heftig im Schlamm und grub sich so immer tiefer ein. Meier und andere Helfer vom Hof konnten ihn nicht befreien, Meier musste die Feuerwehr zur Hilfe rufen.

Der Löschzug Lindlar rückte mit 13 Mann und einem Minibagger an. Nachdem der Bagger das Erdreich um Marengo entfernt hatte, schaufelten die Rettungskräfte das Pferd soweit frei, dass es selbst wieder aufstehen konnte. Äußerlich war der Wallach unverletzt, aber bei der nachfolgenden Untersuchung durch den Tierarzt wurde der Herzfehler entdeckt. "Es geht ihm soweit wieder gut", sagt Meier unserer Redaktion. Folgenlos blieb der Einsatz dennoch nicht.

Diskussion nach Post von der Feuerwehr

Denn nachdem die Feuerwehr auf ihrer Facebookseite von dem Einsatz berichtet hatte, entbrannte dort eine heftige Diskussion, warum die Pferde überhaupt auf dem nassen und matschigen Untergrund stehen. "Die armen Pferde müssen denen direkt weggenommen werden" oder "Da sollte der Tierschutz mal öfter nachschauen", hieß es da.

Vorwürfe, die Meier so nicht stehen lassen will. "Gestern war das Veterinäramt hier und hat sich alles angesehen, und die haben keine einzige Beanstandung gehabt." Sie vermutet eher einen grundsätzlichen Streit über die Haltung von Pferden als Ursache für die Reaktionen. 

"Ich habe mich ganz bewusst für die Offenstallhaltung entschieden, das heißt, die Pferde stehen nicht den ganzen Tag in einer Box, sondern können sich frei auf der Weide bewegen." 21 Ponys und Pferde sind bei ihr untergebracht. "Und alle haben etwas, Arthrose oder Probleme mit den Sprunggelenken." 

Pferdebesitzer streiten über richtige Haltung

Für diese Tiere sei es wichtig, sich frei und jederzeit bewegen zu können. Platz dafür gibt es genug. Laut Meier stehen den Pferden jederzeit zehn Hektar Weide zur Verfügung, dazu ein befestigter Paddock mit etwa 1500 Quadratmetern und ein Innenbereich mit 250 Quadratmetern. "Die Tiere können sich frei bewegen und entscheiden, wo sie laufen oder stehen wollen."

Pferdehalter, deren Pferde in Boxen untergebracht sind und die nur zum Reiten oder für ein paar Stunden auf die Weide kommen, sehen die Offenstallhaltung oft skeptisch. Umgekehrt kann Meier der Stallhaltung nicht viel abgewinnen. "Bei mir können die Pferde frei entscheiden, wo sie sich aufhalten wollen und sind nicht den ganzen Tag eingepfercht. Und das bei jeder Witterung." Die Witterung ist auch die Ursache für den matschigen Zustand der Weide. "Aber vom Veterinäramt wurde mir bestätigt, dass momentan alle, die Offenstallhaltung betreiben, diese Probleme haben."

Verpassen Sie keine Nachrichten aus der Region: Wir schicken Ihnen eine Übersicht per WhatsApp. Melden Sie sich jetzt an!

Meier hofft, dass die Diskussionen enden und wieder Ruhe eingekehrt. Gemeinsam mit den  Paten von Marengo will sie sich weiter um den Wallach kümmern. Geritten wird er schon lange nicht mehr, seine Pflegerin geht jeden Tag mit ihm spazieren. "Wir hoffen, dass er jetzt noch ein paar schöne Jahre vor sich hat und glücklich alt wird."

 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Lindlar: Pferdehalterin wird nach Rettungsaktion im Internet angefeindet


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.