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Luftschüsse bei türkischer Hochzeit in Bonn
"Das sind junge Männer, die ein bisschen auf Gangster machen"

Schüsse bei Hochzeitskonvoi in Bonn
Schüsse bei Hochzeitskonvoi in Bonn FOTO: Thomas Kraus
Düsseldorf. Wieder hat bei einer türkischen Hochzeit in NRW jemand in die Luft geschossen - diesmal am Sonntag in Bonn. Erschrockene Anwohner riefen die Polizei. Wir haben mit Türken in Deutschland gesprochen, was es mit dem Brauch überhaupt auf sich hat. Von Adrian Terhorst

Mitten in der Bonner Innenstadt hat am Sonntagvormittag ein Mann aus einem Autokonvoi heraus in die Luft geschossen. Die Bonner Polizei, die den Konvoi auf der Bornheimer Straße in der Innenstadt aufhielt, stellte schnell fest, dass es sich um eine türkische Hochzeitsgesellschaft handelte.

Nicht der erste Vorfall in NRW

Den Mann, der die Schüsse abgab, trafen die Beamten allerdings nicht mehr an. Die Ermittlungen gegen den Schützen dauern deshalb noch an. "Wir ermitteln wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz", sagte der Sprecher der Polizei. In Deutschland sind "Freudenschüsse" verboten und werden konsequent verfolgt, teilte die Polizei mit.

Der Vorfall aus Bonn war nicht der erste dieser Art in NRW. Immer wieder rückt die Polizei aus, weil Anwohner durch Schüsse erschreckt werden. In Krefeld rückten die Beamten nach Schüssen aus Schreckschusspistolen bei Autokorsos zuletzt im März aus. Gleich zwei Fälle ereigneten sich an einem Tag im September 2016.   

Wirklich eine Tradition aus der Türkei?

Doch sind Freudenschüsse wirklich eine weit verbreitete Tradition in der Türkei? Eher nicht. Schüsse seien alles andere als der Regelfall, erklärt Sevgi Sevim Cikrikci, Professorin am Institut für Turkistik an der Universität Duisburg-Essen: "Diese Sitte kommt lediglich auf Hochzeiten in manchen Bezirken vor, zum Beispiel in Dörfern im Osten der Türkei." Bis vor anderthalb Jahren habe sie selbst noch in der Türkei gelebt, in Ankara und Istanbul. "Ich habe diesen Brauch dort auf keiner einzigen Hochzeit erlebt", sagt sie.   

Meral Sahin, die in Köln ein Geschäft für Hochzeitsdekorationen betreibt, erklärt: "Die Schüsse in die Luft sind eine Art und Weise, zur Feier des Tages lautstark seine Freude über das Hochzeitspaar auszudrücken. Der Sinn besteht jedoch nicht darin, andere zu erschrecken." In Deutschland werde dieser Brauch ihren Worten nach nur selten angewandt. "Allein schon, weil es in Deutschland verboten ist", sagt Sahin.

"Wollen diesen Brauch bei uns nicht"

Ähnlich äußert sich auch Ali Isik, der in Köln und Kerpen Hochzeitssäle für große Hochzeitsgesellschaften vermietet. "Ich habe es ein einziges Mal erlebt, dass jemand auf einer Hochzeit in die Luft schießen wollte. Demjenigen habe ich die Waffe aber abgenommen. Wir wollen diesen Brauch bei uns nicht", sagt Isik.

"Die Schützen sind oftmals Jugendliche oder jüngere Männer, die ein bisschen auf Gangster machen wollen", erklärt er weiter. Höher im Kurs seien bei türkischen Gesellschaften stattdessen Feuerwerke und Partykracher.

Die seien nämlich legal.

 
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