| 12.43 Uhr

Schützenkönig stirbt nach Kanonenschuss
Gutachter soll tödliche Böllerschüsse nachstellen

Marsberg: Tod nach Unfall auf Schützenfest - Gutachter im Einsatz
FOTO: RP
Marsberg. Nach dem tödlichen Zwischenfall auf einem Schützenfest im sauerländischen Marsberg am vergangenen Samstag ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft gegen mehrere Schützenbrüder wegen des Verdachtes auf fahrlässige Tötung. Von Aaron Clamann

Die Männer hatten zwei Kanonen bedient, von denen sich Metallteile gelöst und den Schützenkönig tödlich verletzt hatten.

Wie Polizeisprecher Ludger Rath unserer Redaktion mitteilte, habe die Polizei damit begonnen, Zeugen zu dem Vorfall zu vernehmen. Die Beamten würden jedoch Rücksicht darauf nehmen, wenn Beobachter des Vorfalls noch nicht zu einer Aussage bereit seien. Mehrere Hunderte Menschen hatten am Samstag mit angesehen, wie der 30-Jährige Schützenkönig des Ortes Marsberg von umherfliegenden Metallteilen getroffen worden war.

Schützenkönig stirbt durch Kanonenschuss FOTO: dpa, bt lof

Am Samstag hielten in Marsberg bei Böllerschüssen zum Auftakt des Schützenfestes zwei Kanonen dem Druck nicht stand. Eines der mit Wucht nach hinten weggeschleuderten Metallteile traf den Schützenkönig in den Bauch. Der 30-Jährige starb kurz darauf im Krankenhaus. Die Leiche des 30-Jährigen werde nach Angaben des Nachrichtenagentur dpa obduziert. Die anderen etwa 60 Teilnehmer und Zuschauer der Zeremonie erlitten einen Schock. Teile der an der dicksten Stelle geborstenen Kanonen wurden in bis zu 100 Metern Entfernung gefunden, sagte der Staatsanwalt zum bisherigen Ermittlungsstand. Im Ort herrscht noch immer Betroffenheit und Entsetzen.

Neben den Zeugenbefragungen setzt die Polizei bei den Ermittlungen auch auf die Expertise eines Gutachters. Dieser wurde beauftragt, die zwei Kanonen zu untersuchen, die bei den Salutschüssen teilweise beschädigt wurden. Insgesamt drei Kanonen waren bei dem Fest im Einsatz. Wie die Polizei im Hochsauerlandkreis mitteilte, wird vermutlich auch der konkrete Aufbau der Kanonen während des Schützenfestes nachgestellt. Die Polizei geht jedoch davon aus, dass das Gutachten noch auf sich warten lassen werde. Da die Rekonstruktion aufwendig ist und nur verhältnismäßig wenige Gutachter solche Tests durchführen, hört man aus Polizeikreisen, dass handfeste Erkenntnisse wohl "eher in Wochen als in Tagen" vorliegen werden.

Das Gutachten soll vor allem klären, ob ein Materialfehler oder ein Fehler der Bedienung vorgelegen hat. Da der Verdacht der fahrlässigen Tötung im Raum steht, richten sich die Ermittlungen laut Polizei vor allem gegen die Schützenbrüder, die die Kanonen geladen und bedient hatten.

Die drei Männer der Schützenbruderschaft Sankt Peter und Paul, die bei den benachbarten Sankt-Magnus-Schützen für einen lautstarken Schützenfest-Auftakt sorgen sollten, sind nach Auskunft ihres Stadthauptmanns Siegbert Zelder tief betroffen. "Die sind fix und fertig", sagte er am Montag. Und auch er selbst ist mitgenommen: "Der Schock sitzt tief. Dass beide Kanonen genau an der dicksten Stelle geborsten sind, ist für uns das größte Rätsel.", sagte Zelder gegenüber dpa.

Er wies Spekulationen zurück, es könne zuviel Schießpulver benutzt worden sein. "Unsere Kanoniere sind sehr erfahren und werden regelmäßig geschult." Auch die beiden 1998 nach historischem Vorbild von Fachleuten gegossenen Kanonen seien 2013 letztmals vorschriftsmäßig vom zuständigen Amt beschossen worden. "Dabei werden die Kanonen alle fünf Jahre mit der vierfachen Menge der üblichen Ladung gezündet. Dabei ist nichts passiert."

Mit Agenturmaterial erstellt.

(ac/dpa)