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Medikamente gepanscht?
Krebskranke erstattet Anzeige gegen Bottroper Apotheker

Medikamente gepanscht? Krebskranke erstattet Anzeige gegen Bottroper Apotheker
Die Eingangstür einer Apotheke (Symbolbild). FOTO: dpa, Uli Deck
Bottrop. Ein Apotheker aus Bottrop soll Krebsmedikamente verdünnt und trotzdem den Preis für die volle Dosierung berechnet haben. Ob Patienten zu Schaden gekommen sind, ist unklar. Eine Betroffene hat Anzeige gegen den Mann erstattet.

Wie der "WDR" berichtet, haben Angelika Fischer aus Recklinghausen und ihr Mann den Bottroper Apotheker angezeigt. Fischer ist an Blutkrebs erkrankt und hat das Medikament für ihre Chemotherapie bei dem Apotheker gekauft. Er habe es speziell für sie dosiert, sagte Fischer dem WDR. Obwohl es sich um ein hochwirksames Medikament gehandelt habe, das gerade auf den Markt gekommen sei, habe bei ihr keine Wirkung eingesetzt. Fischer will als Nebenklägerin in dem Prozess gegen den Apotheker auftreten.

Der Mann war im Dezember vergangenen Jahres aufgeflogen und in Untersuchungshaft gekommen. Dem 46-Jährigen wird vorgeworfen, in mindestens 40.000 Fällen Medikamente für die Krebstherapie gepanscht zu haben. Er soll zu wenig Wirkstoff in die Infusionen gegeben und dann bei den Krankenkassen trotzdem den Preis für eine volle Dosierung berechnet haben. Die Ermittler gehen von einem finanziellen Schaden in Höhe von etwa 2,5 Millionen Euro aus. Außerdem soll der Apotheker gegen Hygienevorschriften verstoßen haben. Er schweigt zu allen Vorwürfen.

Ermittler vermuten Fluchtgefahr

Dem Beschuldigten droht eine lange Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Essen will eine Verlängerung über die üblichen sechs Monate hinaus erreichen. "Wir beabsichtigen, einen Antrag beim Oberlandesgericht Hamm zu stellen", sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Aufgrund des Vermögens des Mannes bestehe Fluchtgefahr. 

Die Ermittlungen sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft schwierig. Aus Sicht der Ermittler gibt es weiter einen dringenden Tatverdacht. Aufgrund der hohen Zahl der Fälle brauche man aber mehr Zeit. Schwierig nachzuweisen sei auch, welche oder ob alle Patienten gestreckte Infusionen bekamen.

Nach wie vor ist unklar, ob Patienten aufgrund der gepanschten Medikamente gesundheitlichen Schaden genommen haben. Wie Angelika Fischer könnten zahlreiche weitere Patienten um die Wirkung der Chemotherapie gebracht worden sein. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz verlangte im Dezember im Gespräch mit unserer Redaktion Untersuchungen wegen des Verdachts der Körperverletzung und Körperletzung mit Todesfolge. Oberstaatsanwältin Milk von der Essener Staatsanwaltschaft betonte damals, "dass eine ganze Reihe von Menschen nicht angemessen behandelt wurde". Zunächst wollte man sich aber mit dem Betrug befassen, den der Beschuldigte begangen haben soll.

Mit Material von dpa.

(lsa)
 
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