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Forschungsarbeit
Medikamenten-Tests in weiteren Kinder-Kliniken

Medikamenten-Tests in weiteren Kinder-Kliniken
Zunächst war bekannt geworden, dass an Essener Heimkindern Ende der 1950er-Jahre das beruhigende Neuroleptikum Decentan getestet worden war. FOTO: dpa, wok cul
Bielefeld/Essen. Offenbar gab es nicht nur Medikamenten-Tests an Heimkindern in Essen, sondern mindestens noch in einer weiteren Kinderklinik. Nach Recherchen einer Arzneimittelforscherin sind auch die Bodelschwinghschen-Anstalten Bethel in Bielefeld beteiligt gewesen sein.

Aus Unterlagen des Pharmakonzerns Merck gehe hervor, dass ein Arzt 1960 insgesamt 17.000 Dragees des Mittels Encephabol zur Prüfung erhalten habe, heißt es in einer Forschungsarbeit einer Medikamenten-Expertin. 

Das Medikament kam drei Jahre später auf den Markt und wird bei Störungen der Hirnleistung eingesetzt. Details nennt der Forschungsbericht nicht. Bethel kündigte an, die Meldung sehr ernst zu nehmen und zu prüfen. Über die Erwähnung Bethels in den Forschungsunterlagen hatten mehrere Medien zuvor berichtet.

Nach Berichten des ARD-Magazins "Fakt" und des WDR war am Mittwoch bekannt geworden, dass an Essener Heimkindern Ende der 1950er-Jahre das beruhigende Neuroleptikum Decentan getestet worden war - mit erschreckenden Auswirkungen wie Schrei- und Blickkrämpfen oder psychischen Veränderungen, vermutlich durch Überdosierungen.

Merck bestätigte am Mittwoch auf Anfrage, es gebe entsprechende Unterlagen im Archiv. Es gebe aber keine Hinweise, dass die Tests an den Heimkindern im Auftrag des Unternehmens durchgeführt worden seien.

Aufgedeckt hat die Fälle die Pharmazeutin Sylvia Wagner. Sie hatte laut ihrem Forschungsbericht Archive, unter anderem das des Pharmakonzerns Merck, sowie historische Fachzeitschriften ausgewertet und Belege für bundesweit etwa 50 Versuchsreihen gefunden.

(lnw)
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