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Dutzende Tiere in Säcken
Rätsel um ausgesetzte Meerschweinchen in Essen

Meerschweinchen: Rätsel um ausgesetzte Tiere in Essen
Eines der gesunden Meerschweinchen im Tierheim Essen. FOTO: Albert-Schweitzer-Tierheim Essen
Essen. Um fast neunzig Meerschweinchen mehr muss sich das Albert-Schweitzer-Tierheim in Essen seit April kümmern: Die verwahrlosten und kranken Haustiere wurden säckeweise vor Zoohandlungen ausgesetzt – schon mehrmals in diesem Jahr. Am Dienstag gab es einen weiteren traurigen Neuzugang. Von Isabella Schütz-Worszeck

Dieses Mal waren es 39 Tiere, im April und Mai jeweils rund 20, im Juni zwölf – das berichtet Martina Schneider von der Verwaltung des Tierheims in Essen. Die Meerschweinchen wurden in mehreren zugeklebten Säcken vor Essener Zoohandlungen abgestellt, wo sie von Mitarbeitern entdeckt wurden. Was dahinter steckt, ist unklar.

Zwar warte man innerhalb der gewöhnlichen Frist darauf, dass sich der Besitzer noch melde, sagt Schneider, aber die Hoffnung sei nicht besonders groß, da sich auch in den früheren Fällen niemand gemeldet habe. Anzeige wegen Tierschutzverstößen hat das Tierheim nicht erstattet.

Kranke Meerschweinchen in Quarantäne

Das Essener Tierheim hat durch die vielen Meerschweinchen-Zugänge jetzt noch viel mehr Arbeit als sonst – insbesondere, weil alle Schweinchen an einem speziellen Hautpilz erkrankt sind, der auch für Menschen ansteckend ist. Auch die vor zwei Tagen gefundenen Schweinchen haben den Pilz. Sie sind extrem stressempfindlich, einige sind bereits gestorben. Zwei bis drei Mal am Tag müssen die Tiere mit Tabletten und einem Spezialshampoo behandelt werden, erzählt Schneider – die Meerschweinchen kennen ihre Pfleger daher nur im Vollschutzanzug.

Es gibt aber noch ein weiteres Problem: Die Tierchen sind unkastriert, was vermuten lässt, dass einige davon bereits trächtig sind – gut möglich also, dass bald noch viel mehr Meerschweinchen zu versorgen sind. Nach etwa sechs Wochen Behandlung werden die erkrankten Tiere dann nochmals auf den Hautpilz getestet. Sind sie wieder gesund, wird dann bald ein neues Zuhause für sie gesucht.

Falls man auf ein ausgesetztes Tier trifft, kann man es direkt zum Tierheim bringen, erklärt Frau Schneider. Dort wird dann per Facebook und Webseite und in Essen auch im Stadtspiegel eine Suche nach dem Besitzer gestartet. Ein halbes Jahr dürfen die Tiere dann im Tierheim auf ihren Besitzer warten, bevor ein neues Zuhause für sie gesucht wird.

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