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Weiberfastnacht
Mehr sexuelle Übergriffe in Köln

Köln. Die Zahl der gemeldeten sexuellen Übergriffe ist in Köln zu Beginn des Straßenkarnevals deutlich gestiegen. Es seien 22 Sexualdelikte an Weiberfastnacht angezeigt worden, sagte Polizeidirektor Michael Temme. Im vergangenen Jahr waren es nur neun und davor zehn solcher Delikte gewesen.

Zwei der 22 Übergriffe waren in diesem Jahr schwerwiegend. Im ersten Fall war das Opfer eine belgische Fernsehreporterin. "Sie ist vor der laufenden Kamera begrapscht und sexuell belästigt worden", sagte Temme. Der zweite Fall betraf eine Frau, die am frühen Freitagmorgen auf dem Heimweg niedergeschlagen und "offenbar auch vergewaltigt wurde", erklärte Temme. Ein 17-jähriger Flüchtling aus Afghanistan wurde als Verdächtiger festgenommen. Auch im westfälischen Schloß Holte-Stukenbrock im Kreis Gütersloh wurde nach Polizeiangaben eine Frau vergewaltigt.

Die Polizei geht davon aus, dass der Anstieg der Vorfälle mit einer gestiegenen Bereitschaft der Opfer einhergehe, die Übergriffe anzuzeigen. Temme nennt exemplarisch einen Fall, der von einer Frau zur Anzeige gebracht wurde.

Ein Türsteher soll demnach zu ihr gesagt haben, er wolle sie nur gegen 25 Euro oder ein "Bützje" reinlassen. "Ich will das nicht verharmlosen, aber das zeigt doch, dass sich die Anzeigebereitschaft der Frauen verändert hat", so der Polizeidirektor. Vor einem Jahr wäre das sicher noch nicht angezeigt worden.

Die Bundespolizei, die an den Bahnhöfen für den Reiseverkehr der Narren zuständig ist, meldete drei sexuelle Strafanzeigen in Köln. Eine 20-jährige Frau hatte Anzeige gegen einen unbekannten Mann erstattet, der sie gegen ihren Willen versucht haben soll zu küssen. Ein 73-Jähriger soll außerdem einer Frau an die Brust gefasst haben.

In Düsseldorf musste die Polizei in diesem Jahr an Altweiber bei deutlich mehr Körperverletzungen und Schlägereien einschreiten als vor einem Jahr, was auch mit dem höheren Polizeiaufgebot zu erklären sei, so Jürgen Bielor von der Düsseldorfer Polizei. Dort wurden insgesamt zwölf Sexualdelikte gemeldet, bei denen es sich ausschließlich um "niedrigschwellige" Beleidigungen oder Nötigungen handeln soll, so der Polizeisprecher.

(dpa/RP)
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