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Missbrauchsskandal in katholischer Kirche
Ruhrbistum ließ Personalakten aller Priester untersuchen

Missbrauchsskandal in katholischer Kirche: Ruhrbistum ließ Personalakten aller Priester untersuchen
Bei einer Tagung wird eine Präsentation zum Thema sexuelle Gewalt gezeigt (Symbolbild). FOTO: dpa
Essen. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck will die Aufklärung des Missbrauchsskandals in der Katholischen Kirche weiter vorantreiben. Eine Rechtsanwaltskanzlei durchforstete im Auftrag des Ruhrbistums die Personalakten aller noch lebenden Priester.

Im Bemühen um die Aufklärung sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen durch Priester hat das Ruhrbistum die Personalakten aller noch lebenden Priester und Diakone extern untersuchen lassen. Die beauftragte Kölner Rechtsanwaltskanzlei Axis fand dabei in 17 der 1549 untersuchten Akten bisher unbekannte Hinweise auf Missbrauch oder Grenzverletzungen. Ihnen ist das Bistum Essen nach eigenen Angaben inzwischen nachgegangen. Es habe sich kein weiteres Verfahren daraus ableiten lassen, teilte das Bistum am Donnerstag bei der Vorlage des Abschlussberichts in Essen mit. In den Personalakten der 85 Diakone hätten die Prüfer nichts Auffälliges entdeckt. Anlass für die externe Prüfung war die Aufdeckung eines Missbrauchsfalls bei einer bereits über fünf Jahre zurückliegenden internen Überprüfung der Akten.

Zwei der 17 Priester seien in der Vergangenenheit bereits straf- und kirchenrechtlich verurteilt worden, sagte die Missbrauchsbeauftragte des Bistums, Angelika von Schenk-Wilms. Bei weiteren vier Hinweisen seien die Betroffenen zum Zeitpunkt des Vorfalls bereits volljährig gewesen. Die übrigen elf Priester gehören nicht mehr dem Bistum an. Deren neue Diözesen oder Orden seien vom Ruhrbistum über die Hinweise in den Akten informiert worden. 2018 soll es eine neue Prüfung der bis dahin noch nicht abgeschlossenen Fälle geben. Das Bistum Essen ist nach Angaben von Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck nach dem Erzbistum München und Freising das zweite Bistum in Deutschland, das die Akten auf diese Weise hat untersuchen lassen.

Appell an weitere Opfer, sich zu melden

Bei einigen Hinweisen hätten konkrete Anhaltspunkte gefehlt, bei anderen seien Vorwürfe bereits vor Jahrzehnten anonym erhoben worden. "In vereinzelten Fällen war es auch so, dass die Informanten das Thema nicht mehr weiter behandeln wollten", sagte Axis-Rechtsanwalt Jochen Jungbluth. Von Schenk-Wilms appellierte an weitere mögliche Missbrauchsopfer, sich zu melden.

Die Kanzlei untersuchte neben den Personalakten auch 100 Ergänzungsakten noch lebender Geistlicher, die normalerweise unter Verschluss stehen. In 30 dieser sogenannten "Geheimakten" seien aufgedeckte und verfolgte Missbrauchsvorwürfe dokumentiert worden. "Hier fanden die Anwälte keinerlei weitere nicht erkannte Vorwürfe", so das Bistum.

Nicht abzuschätzen ist aus Sicht der Anwälte, ob es eine Dunkelziffer nicht entdeckter Missbrauchsfälle geben könnte und wie hoch sie gegebenenfalls sei. "Insbesondere alte Personalakten wiesen teilweise erhebliche Lücken hinsichtlich der Lebensdokumentation des Geistlichen auf." Die Kanzlei nahm auch eine Neuorganisation der Akten vor. Die Seiten sind nun durchnummeriert. Manipulationsversuche etwa durch die Entfernung von Dokumenten würden damit erschwert.

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(lsa/lnw)
 
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