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Alternative Bestattungsform
Mönchengladbach streitet über Streufeld für Asche von Toten

Mönchengladbach diskutiert Streufeld für sterbliche Überreste
Verstreute Asche (Symbolfoto). FOTO: Imago
Düsseldorf. In Mönchengladbach wird am Mittwoch über die Einführung eines Feldes entschieden, auf das die Asche Verstorbener gestreut werden kann. In anderen Städten gibt es das schon. Die Kirchen finden das nicht so gut. Von Christian Schwerdtfeger

Der Tagesordnungspunkt 10.1 der heutigen Ratssitzung in Mönchengladbach trägt den ziemlich langweiligen Titel "Änderungsantrag zur Friedhofssatzung". Doch die Vorlage, über die der Rat abzustimmen hat, beinhaltet eine nicht unerhebliche Veränderung des städtischen Bestattungswesens. So soll es künftig in Mönchengladbach möglich sein, die Asche von Verstorbenen auf dem Friedhof auf eine Wiese zu streuen, auf ein sogenanntes Aschestreufeld. Das passt nicht jedem im Rat. Und so gibt es fraktionsübergreifenden Widerstand gegen das Vorhaben. Diese Form der Bestattung entspreche dem Auslöschen der letzten Reste einer Existenz, wie es im Mittelalter nur den schlimmsten Verbrechern zuteil geworden sei, kritisiert Ulrich Elsen von der örtlichen SPD.

Aschestreufelder sind besonders ausgewiesene Flächen auf Friedhöfen, auf denen die Asche der Toten verstreut wird. Das geschieht entweder anonym oder teil-anonym, wenn am Rand dieses Feldes die Namen aller so Beigesetzten aufgeführt werden. Dem Gesetz zufolge ist eine solche Beisetzungsform nur bei schriftlicher Willensbekundung des Verstorbenen zulässig. In NRW ist diese Form der Bestattung seit 2003 möglich.

2006 in Mettmann eingeführt

Während man in Mönchengladbach noch über die Einführung dieser Bestattungsart streitet, sind viele andere Kommunen in NRW längst weiter. "In Mettmann fand die erste Ascheverstreuung bereits am 16. März 2006 statt", sagt ein Sprecher der Stadt. In Duisburg gibt es ein entsprechendes Feld sogar schon seit 2005 auf einem städtischen Friedhof. "Für die Bestattung wird etwa ein Quadratmeter Boden ausgenommen und die Asche in der Öffnung verstreut", erklärt Sarah Lampe von den zuständigen Duisburger Wirtschaftsbetrieben. "Danach wird die Grassohle wieder über die Asche gesetzt", sagt sie.

Aschestreufelder gibt es auch auf städtischen Friedhöfen in Kleve, Hilden, Grevenbroich, Ratingen, Solingen, Meerbusch, Münster, Bonn (Bad Godesberg) und Krefeld, wie eine Umfrage unserer Redaktion ergeben hat. "Die Vorteile dieser Bestattungsart bestehen in den relativ geringen Friedhofsgebühren und dem Wegfall von Pflegekosten", sagt Michael Gorgs von der Stadt Meerbusch. In Ratingen kostet eine solche Beisetzung zum Beispiel 656 Euro - bei einer Laufzeit von 30 Jahren. Für das Verstreuen der Asche fallen noch einmal 53 Euro an.

Kritik der Kirche

In der katholischen Kirche ist die Praxis des Ausstreuens der Totenasche und jede Form der anonymen Bestattung nicht erlaubt. "Das bestätigte im vergangenen Jahr Papst Franziskus in der Instruktion ,Ad resurgendum cum Christo'", sagt Mareike Thieben, Sprecherin des Erzbistums Köln. Die Würde des Menschen und die Integrität der menschlichen Person gehe über den Tod hinaus, betont Thieben. "Sie beinhaltet auch die Unversehrtheit der menschlichen Person, weshalb jeder Mensch nach Möglichkeit mit allem bestattet werden soll, was zu ihm gehört."

Auf evangelischen Friedhöfen werden anonyme Bestattungsformen in der Regel abgelehnt. "Das Verstreuen der Totenasche ist aber nicht undenkbar und muss einer angemessenen Trauer nicht im Weg stehen", betont Kirchenrat Jens Peter Iven von der Evangelischen Kirche im Rheinland. Aber es gebe seelsorgerisch gute Gründe, dass es für alle mit dem Verstorbenen verbundenen Menschen einen besuchbaren Ort der Trauer gibt, an der der Verstorbene auch "wiederzufinden" sei, so der Kirchenrat. "Die Bestattungsform anonymes Streufeld bedeutet, dass es keinen konkreten Ort der Trauer um diesen Menschen gibt und man dann nur zu einer Wiese gehen kann, an dem keine Namensnennung erfolgt", sagt Iven.

"In alle Winde verstreut"

In Städten, wo es keine Aschestreufelder gibt, besteht in der Regel auch keine Nachfrage nach dieser Bestattungsform - etwa in Dormagen, Neuss, Köln, Moers und Kamp-Lintfort. Aber auch dort, wo es solche Felder gibt, werden wenig Menschen auf diesen bestattet. In Kleve gab es in diesem Jahr 22 solcher Verstreuungen, in Grevenbroich 18, und in Krefeld sind es zwei pro Jahr.

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"Angehörige sollten gut abwägen, welche Gründe sie bei der Entscheidung leiten", sagt Stefan Wieland vom Bischöflichen Generalvikariat Aachen. Denn je nach Gestaltung könne der Eindruck entstehen, es würde ein Mensch, und damit sein Leben, "in alle Winde verstreut".

Quelle: RP
 
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