| 15.21 Uhr

Mutmaßliche Vergewaltigung in Haltern
Polizei ermittelt gegen mehrere Verdächtige

Haltern am See. Eine Frau soll in einer Asylunterkunft in Haltern am See von mehreren Männern missbraucht worden sein. Noch immer sucht die Polizei nach dem Mann, dem das mutmaßliche Opfer freiwillig in die Unterkunft gefolgt sein soll.

In Haltern am See wird am Freitagabend das traditionelle Heimatfest gefeiert, die Innenstadt ist gut gefüllt, die Kneipen auch. Eine 40-Jährige kommt in ein Gespräch mit einem Unbekannten, später folgt sie dem Mann in eine nahegelegene Unterkunft – freiwillig, wie die Polizei betont. Doch in der Wohnung, die Teil einer städtischen Asylbewerberunterkunft im ehemaligen Gesundheitsamt der Stadt ist, soll sie schließlich von mehreren Männern missbraucht worden sein.

"Es kam zu schwerwiegenden sexuellen Handlungen", sagt Polizei-Sprecherin Ramona Hörst. Viele Fragen sind nach der Tat weiterhin offen. Wie viele Männer genau beteiligt waren, ist bislang nicht bekannt. "Wir ermitteln gegen mehrere Verdächtige. Den Fall als Gruppenvergewaltigung zu beschreiben, trifft es aber sicherlich nicht", sagt die Sprecherin. 

"Wir konnten ihm keine Tatbeteiligung nachweisen"

Der Haltener Asylkreis, der auch in der betroffenen Unterkunft aktiv ist, reagierte schockiert. "Wir sind alle total entsetzt. Das Geschehen muss lückenlos aufgeklärt werden", sagte Sprecher Hermann Döbber der "Hertener Allgemeine". Für den Fall, dass die Täter Flüchtlinge seien, werde es keinerlei Hilfe vom Asylkreis geben. "Wer rechtskräftig verurteilt ist, sollte abgeschoben werden", betonte Döbber.

Doch noch ist unklar, wer hinter der Tat steckt. Ein zunächst verdächtigter 22-Jähriger, der nicht in der Unterkunft lebt und auch nicht in der Kneipe dabei war, wurde am Dienstag nach einer Vernehmung wieder freigelassen. "Wir konnten ihm keine Tatbeteiligung nachweisen", sagt Hörst. Weitere Details wollen die Ermittler mit Verweis auf das laufende Verfahren momentan nicht nennen. 

Polizei sucht Zeugen

Wieso sich die Frau erst am Sonntag bei der Polizei meldete, obwohl sich die städtische Polizeiwache direkt gegenüber der Unterkunft in der Schmeddingstraße befindet, darüber wollen die Ermittler nicht spekulieren. "Es ist nicht unüblich, dass sich Opfer solcher Straftaten erst Tage oder manchmal auch erst Wochen später melden", sagt Hörst. Die 40-Jährige erhalte nun Hilfe und werde betreut. 

Die Ermittler fokussieren sich unterdessen verstärkt auf den unbekannten Begleiter der Frau. Ihre Hoffnungen ruhen dabei auch auf den Besuchern des Heimatfests. "Die Stadt war voll, die Straßen auch. Wir hoffen, dass sich noch Menschen melden, die Angaben zu dem Mann und der Situation machen können", sagt Sprecherin Hörst. 

Sorge vor möglichen Racheakten gegen die Asylunterkunft befürchtet die Polizei jedoch nicht. Hörst sagt: "Darauf gibt es keine Hinweise. Die Unterkunft wird normal geschützt, wie bislang auch." 

Hinweise nimmt die Polizei in Recklinghausen unter der Telefonnummer 0800 2361 111 entgegen.

(cbo)