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Interview mit Katja Unglaub
Diese Mutter geht nicht arbeiten – und ist glücklich dabei

Muttertags-Interview: Diese Hausfrau und Mutter geht nicht arbeiten
Katja Unglaub mit ihren Kindern Charlotte (2) und Leonard (7) – vor drei Jahren hat sie ihren Job für die Familie aufgegeben. FOTO: Unglaub
Düsseldorf. Den wenigsten Frauen reicht es, ausschließlich Mutter und Hausfrau zu sein. Katja Unglaub aber gehört zu jenen, die sich dazu entschlossen haben, dauerhaft ihre Arbeit aufzugeben, um sich um ihre Familie zu kümmern. Von Sebastian Dalkowski

Katja Unglaub hat zwei Jobs, aber einen Lohn erhält sie für keinen. Die 39-Jährige aus Mülheim ist Mutter von Leonard (7) und Charlotte (2) und kümmert sich um den Haushalt. Ihr Ehemann verdient als Ingenieur den Lebensunterhalt. 18 Jahre arbeitete sie als Bürokauffrau, doch vor drei Jahren hörte sie auf, um ausschließlich für ihre Familie da zu sein. Konkrete Pläne, wieder in ihren Beruf einzusteigen, hat sie nicht.

Damit gehört sie zu einer kleiner werdenden Gruppe von Müttern. Laut Mikrozensus waren 2013 60,5 Prozent der Mütter mit mindestens einem minderjährigen Kind aktiv erwerbstätig, 1996 waren es noch 55 Prozent. Nur 24 Prozent der Mütter zwischen 15 und 65 beziehen ihre Einkünfte vorrangig durch Angehörige. Der Anteil der Mütter, die dauerhaft und nicht nur vorübergehend durch Angehörige finanziell versorgt werden, also zum Beispiel durch ihren Ehemann, ist noch kleiner, aber schwer durch eine Statistik zu erfassen.  

Es ist jetzt halb elf. Was haben Sie heute schon erledigt?

Unglaub Ich habe die Betten gemacht, ich habe Staub geputzt, gesaugt, Frühstück zubereitet und die Tochter in die Kita gebracht. Gerade räume ich den Geschirrspüler aus.

Was steht noch an?

Unglaub Um halb zwei kommt mein Sohn aus der Schule. Dann essen wir zu Mittag, ich bringe ich ihn zum Hockeytraining und hole zwischendurch die Kleine aus der Kita ab. Nach dem Abendessen verbringen wir noch Zeit zusammen, gucken den Sandmann. Die Tochter geht gegen sieben ins Bett, der Sohn um viertel vor acht.

Und dann haben Sie...

Unglaub … tatsächlich Feierabend.

Was macht überhaupt keinen Spaß?

Unglaub Bügeln. Das ist nicht mein Ding. Mein Mann trägt jeden Tag Hemden. Gelegentlich bringe ich sie in die Reinigung.

Heimlich?

Unglaub Manchmal schon.

Welchen Teil der Hausarbeit übernimmt Ihr Mann?

Unglaub Er macht die Gartenarbeit.

Der Klassiker.

Unglaub Er holt auch die Getränke. Und abends und am Wochenende ist er für die Kinder da.

Sie haben 18 Jahre als Bürokauffrau gearbeitet, sind aber seit drei Jahren ausschließlich Hausfrau und Mutter. Warum?

Unglaub Als wir uns für ein zweites Kind entschieden hatten, haben wir uns überlegt, wie wir das organisieren. Auch, wenn der Sohn in die Schule kommt. Mein Mann kennt das so, dass seine Mutter sofort aufgehört hat zu arbeiten, als er geboren wurde. Wenn er von der Schule nach Hause kam, war seine Mutter da. Er hat nicht gesagt, ich soll aufhören zu arbeiten, aber er hat gesagt, es wäre schön, wenn ich da sein könnte, anstatt den Sohn in die Nachmittagsbetreuung zu geben. Finanziell war es auf jeden Fall möglich, die Arbeit aufzugeben.

Und Sie haben sofort zugestimmt?

Unglaub Nein, ich habe einige Wochen darüber nachgedacht, denn man gibt ja seine Selbständigkeit auf. Ich bin finanziell komplett abhängig. Das ist ein großer Schritt für jemanden, der vorher gearbeitet hat.

War es die richtige Entscheidung?

Unglaub Im Moment definitiv. Ich führe ein erfülltes Leben. Ich kann nicht sagen, dass es schlimm ist, wenn ich zuhause bin. Vorher hatte ich Sorge, dass ich mich schnell langweilen würde. Aber wenn man zur Arbeit geht, ist das auch immer das gleiche.

Noch nie den Gedanken habt, dass Ihnen das alles vielleicht doch nicht ausreicht?

Unglaub Im Moment ist das nicht der Fall, ich genieße es. Ich will aber nicht ausschließen, dass ich noch mal arbeite. Was ist, wenn die Kinder älter werden und selbständiger?

Würde die 20-jährige Frau Unglaub die 39-jährige Frau Unglaub spießig finden?

Unglaub Ganz sicher. Den Kinderwunsch hatte ich immer, aber habe nie gedacht, dass ich mal aufhöre zu arbeiten.

Aber Sie selbst kommen sich nicht spießig vor?

Unglaub Nö. Es ist ja auch eine Arbeit. Ich konnte mir damals einfach nicht vorstellen, dass ein Leben als Mutter und Hausfrau auch erfüllen kann.

Müssen Sie sich häufig rechtfertigen, dass Sie sich ausschließlich um Kinder und Haushalt kümmern?

Unglaub Anfangs musste ich das häufiger, sogar gegenüber Freunden. Das geht in Richtung "Du hast ja Glück, den ganzen Tag zuhause". Dann erzähle ich, was ich den ganzen Tag so mache. Andere haben Omas und Opas, die helfen können. Die wohnen zwar auch bei uns vor Ort, aber ich kann nicht regelmäßig auf die zurückgreifen. Meine Eltern arbeiten noch, meine Schwiegereltern sind – wie soll ich es ausdrücken? – eher vom älteren Schlag. Die sind einfach der Meinung, dass eine Mutter zu ihrem Kind gehört. In Notfällen helfen sie aber aus.

Haben Sie noch ein eigenes Konto?

Unglaub Ja, aber da passiert nicht mehr viel.

Sie haben keine eigenen Einnahmen.

Unglaub Ich bekomme Haushaltsgeld von meinem Mann.

Und wenn Sie shoppen wollen?

Unglaub Dann bezahlt er das.

Das muss doch nerven.

Unglaub Das ist einer der Nachteile, wenn man nicht mehr arbeiten geht. Mein Mann sagt, das sei nicht sein Geld, sondern unser Geld. Ich habe auch Zugriff auf sein Konto.

Er könnte monatlich was auf Ihr Konto überweisen. Sie machen schließlich einen Job.

Unglaub Aber dafür muss er mich ja nicht bezahlen.

Sie kaufen sicher weniger Schuhe als früher.

Unglaub Was ja auch nicht immer schlimm ist.

Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass Eheleute ein Leben lang zusammenbleiben. Fühlen Sie sich im Falle einer Scheidung abgesichert?

Unglaub Da müsste ich schon wieder anfangen zu arbeiten. Ich habe das Thema auch schon mal angesprochen, was im Falle einer Scheidung wäre, aber mein Mann sagte, er möchte darüber gar nicht reden, weil es für ihn nicht in Frage kommt.

Fühlen Sie sich finanziell an Ihren Mann gebunden?

Unglaub Ich hätte kein Problem damit, wieder zu arbeiten. Das würde mich nicht von einer Scheidung abhalten.

Zahlen Sie eigentlich in die Rentenkasse?

Unglaub Es gibt bestimmte Beiträge, die man einzahlt, wenn man als Mutter und Hausfrau arbeitet, aber das ist ein Tropfen auf den heißen Stein.

Wie könnte der Staat Ihnen das Leben leichter machen?

Unglaub Er könnte die Mütter tatsächlich für ihre Arbeit bezahlen.

Was wäre ein angemessener Lohn?

Unglaub Für die Stunden... für die Arbeit... die Nerven...

Also ein sehr hoher Lohn.

Unglaub Schon 1000 Euro wären schön.

Jeder Mensch braucht Bestätigung für seine Arbeit. Wie bekommen Sie die?

Unglaub Die fordere ich ein, indem ich schon mal den ein oder anderen darauf hinweise, bitte wieder aufzuräumen, weil ich gerade erst sauber gemacht habe. Aber klar, ich kriege die Anerkennung auch von meinem Mann, weil er sich wohl fühlt, wenn alles sauber und gewaschen ist. Aber er könnte es ein-, zweimal häufiger äußern.

Müssen Sie sich die Bestätigung auch bei sich selbst holen?

Unglaub Klar. Ich bin stolz, was ich in so kurzer Zeit alles schaffe.

Was gönnen Sie sich dann?

Unglaub Ich stelle mich in die Abstellkammer und esse einen Schokoriegel. Manchmal brauche ich einfach zwei Minuten für mich. Letztens stand ich dort mit einer Freundin, die auch mal zwei Minuten brauchte.

Wird es auch mal eine ganze Tafel?

Unglaub Nein, dann ist man ja wieder unglücklich. Auch eine Mutter will noch attraktiv sein.

Hand aufs Herz – ist ein Kinderlachen wirklich die schönste Belohnung oder gewöhnt man sich irgendwann daran?

Unglaub Nee, das Lachen gibt einem schon einiges. Weil es zeigt, dass die Kinder glücklich sind.

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