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Attacke auf Unfallzeugin
Wenn mutige Helfer verprügelt werden

Fotos: Zeugin nach Unfall mit Kind in Düsseldorf angegriffen
Fotos: Zeugin nach Unfall mit Kind in Düsseldorf angegriffen FOTO: Gerhard Berger
Düsseldorf. Der Fall der verprügelten Unfallzeugin in Düsseldorf entsetzt. Wer sich mutig einmischt, muss Gewalt fürchten. Viele Menschen haben das Gefühl: Am Ende sind die Helfer die Dummen.  Von Olivia Konieczny

Für viele unserer Leser ist es das Aufreger-Thema: Eine 49-jährige Zeugin will nach einem Verkehrsunfall mit einer Fünfjährigen in Düsseldorf-Flingern schlichten. Daraufhin wird sie von zwei Männern brutal zusammengeschlagen. Jetzt liegt die Helferin mit zertrümmerter Augenhöhle im Krankenhaus. "Ich würde es wieder machen", sagte sie trotz ihrer schweren Verletzungen unserer Redaktion. Die Frau hat bereits einen Anwalt kontaktiert, will juristisch gegen die 31 und 54 Jahre alten Männer vorgehen, die laut Polizei einer "südosteuropäischen Großfamilie" angehören sollen.

Die Gefahr, dass solche Fälle abschreckend wirken und andere davon abhalten könnten, in einer brenzligen Situation einzuschreiten, sieht auch die Polizei. "Deswegen werden wir jetzt alles tun, um den Sachverhalt schnellstmöglich aufzuklären", sagte Markus Niesczery, Sprecher der Polizei Düsseldorf, am Montag unserer Redaktion. Gegen die beiden Männer laufen demnach bereits Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung.

Fälle von Gewalt gegen Einsatzkräfte 2016

Helfer werden immer wieder selbst zu Opfern

Bereits am Sonntag hatte ein Polizeisprecher gesagt, der Vorfall in Flingern sei bislang einmalig in der Stadt: "So etwas hat es in dieser Art bisher nicht gegeben." Statistisch werden solche Fälle nicht erfasst. Dass Unbeteiligte, die in brenzligen Situationen helfen wollen, selbst zum Opfer werden, kommt in Düsseldorf und Umgebung jedoch immer wieder vor.

Erst in der vergangenen Woche wurde ein 27-Jähriger nachts in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs angegriffen und verletzt, als er einer Frau beistehen wollte. Diese war an einer Bushaltestelle von einem 30-Jährigen belästigt worden. Als der 27-Jährige ihr zur Hilfe eilte, geriet er mit dem anderen Mann aneinander und wurde mit einer Flasche attackiert. Der Täter versuchte zu flüchten, weitere Zeugen hielten ihn jedoch fest, bis die Polizei eintraf.

Auf der Königsallee wurde im April 2015 ein 19-Jähriger verprügelt, weil er eine Schlägerei schlichten wollte. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren gegen seinen Angreifer zunächst wieder ein; erst mit Hilfe eines Rechtsanwalts konnten der couragierte Helfer und seine Eltern durchsetzen, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen werden. Der Fall endete mit einem Täter-Opfer-Ausgleich, der Angreifer musste Sozialstunden und eine Geldstrafe leisten.

Auch Polizeibeamte und Mitarbeiter der Rettungsdienste klagen über zunehmende Anfeindungen, denen sie ausgesetzt sind. Im Herbst vergangenen Jahres kam es in Solingen vor einer Polizeiinspektion zu einer Auseinandersetzung zwischen Beamten sowie den Mitgliedern einer Großfamilie. Nach einem Wortgefecht wurde ein Polizist verletzt. Mehrere Randalierer mussten stundenlang in Gewahrsam genommen werden, bis sie sich wieder beruhigt hatten. 

Im Januar 2016 wurden an einem Wochenende gleich zwei Mitarbeiter des Rettungsdienstes attackiert: In der Altstadt drangen zwei unbeteiligte Männer bei der Erstversorgung eines Patienten in einen Rettungswagen ein. Drei Passanten, die die Szene beobachtet hatten und die Männer aufforderten, die Sanitäter in Ruhe zu lassen, gerieten daraufhin mit den beiden in eine Schlägerei. Auch ein Sanitäter wurde verletzt, erst die Polizei konnte die Situation beenden. In Hassels wiederum schlug am selben Wochenende der Angehörige einer Notfall-Patientin einen Sanitäter bewusstlos. Die Frau war verstorben - ihre Familie warf den Sanitätern vor, nicht schnell genug am Einsatzort eingetroffen zu sein. 

Sich nicht selbst in Gefahr bringen

Die Polizei mahnt Zeugen und Helfer zur Zivilcourage - warnt aber gleichzeitig davor, sich selbst in Gefahr zu bringen. "Es kann nicht sein, dass wir wegsehen, wir brauchen eine Kultur des Hinschauens", sagte Polizeisprecher Niesczery. "Die oberste Maxime muss aber sein, sich selbst nicht in Gefahr zu bringen." Wer nicht wisse, wie und ob er reagieren soll, sollte unbedingt die Polizei benachrichtigen.

 
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