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Munitionsexplosion in Hennef
Weltkriegswaffen sind ein Markt für Hobbysammler

Explosionen in Hennef: Privates Munitionslager geht in die Luft
Düsseldorf. Im Fall des 51-jährigen Waffensammlers aus Hennef, an dessen Wohnhaus am Montag Granaten explodiert sind, ist die rechtliche Lage nicht klar. Zwar ist es verboten, Granaten oder scharfe Weltkriegswaffen zu Hause aufzubewahren, doch die Altbestände werden nicht kontrolliert. 

Nachbarn erzählen, dass der 51-Jährige mit einem Metalldetektor Felder und Wiesen nach Weltkriegsmunition abgesucht haben soll. Offenbar war das ein Hobby des Mannes. Am Montagnachmittag war in Hennef eine Kiste mit Sprengkörpern aus dem Zweiten Weltkrieg vor einer Garage in einem Wohngebiet explodiert. Am Dienstag waren die Ermittler an der Stelle der Explosion im Einsatz, um zu analysieren, warum die Munition detonierte. Zunächst war die große Hitze mit Temperaturen über 30 Grad als Auslöser vermutet worden. 

Der 51-Jährige, der am Montag vorläufig festgenommen worden war, ist seit Dienstagnachmittag wieder auf freiem Fuß. Gegen ihn wird wegen des Verstoßes gegen das Sprenggesetz, das Kriegswaffenkontrollgesetz und wegen fahrlässiger Herbeiführung einer Explosion ermittelt, teilte die Polizei mit. 

Privates Munitionslager in Hennef explodiert FOTO: dpa, hka pil

Grundsätzlich ist es verboten, scharfe Schusswaffen, Sprengstoff oder Kriegswaffen ohne Erlaubnis zu besitzen. Sportschützen, Jäger und Personenschützer müssen sich nach dem Waffengesetz an sehr strenge Richtlinien halten. "Wir führen ein zentrales Waffenregister", teilte ein Sprecher der Polizei im Rhein-Sieg-Kreis auf Anfrage unserer Redaktion mit. "Doch im Register werden keine Privatpersonen erfasst, die hobbymäßig Weltkriegsmunition sammeln." 

Teile der Munition auf dem Flohmarkt erworben

2009 nach dem Amoklauf in Winnenden war das nationale Waffengesetz verschärft worden. Die Regelungen zum Besitz und zur Aufbewahrung wurden strenger. Damit einher ging eine sogenannte Waffenamnestie. Bis Silvester 2009 konnten Privatpersonen Waffen bei den Polizeistellen abgeben, die sie beispielsweise geerbt oder für die sie keinen Waffenschein hatten und kamen straffrei davon. Seither ist es strafbar, wenn jemand auf dem Dachboden noch eine alte Waffe des Großvaters aufbewahrt, die funktioniert und für die derjenige keinen Waffenschein hat, erklärte ein Sprecher des Landesinnenministeriums. 

Der 51-Jährige aus Hennef hatte bei den Vernehmungen auch angegeben, Teile der Munition auf Flohmärkten gekauft zu haben. Trödelhändler Walter Lehnertz, vielen aus der TV-Sendung "Bares für Rares" bekannt, weiß, dass viele Menschen an vererbten Waffen hängen. Werden sie verkauft, müssen sie zuvor entmilitarisiert werden. Das heißt, der Bolzen wird abgeschnitten und der Lauf zugegossen. Ist die Waffe unschädlich, kann man sie sich als sogenannte Dekowaffe zu Hause in die Vitrine stellen. Lehnertz hält nichts davon, wenn "Waffenfanatiker" Weltkriegsmunition sammeln und zu Hause aufbewahren wie in Hennef geschehen. Er hat 2014 einen Bekannten durch die Explosion einer Weltkriegsbombe bei Baggerarbeiten in Euskirchen verloren. Lehnertz findet bei Haushaltsauflösungen auch schon mal alte Waffen.

Trödelhändler: Es gibt illegalen Handel 

Die Granaten und Gewehrmunition im Hennefer Fall zählen laut Bundeskriminalamt zur sogenannten Fundmunition. "Am häufigsten werden Granaten oder ähnliches zufällig gefunden und in der Regel unschädlich gemacht", sagte eine Sprecherin. "Wer das nicht tut, braucht eine Erlaubnis nach dem Sprenggesetz." Das gilt auch für Privatpersonen. Die rechtliche Situation ist sehr komplex. 

Handelt es sich um funktionsfähige und für den Krieg eingesetzte Waffen, kommt das Kriegswaffenkontrollgesetz zur Anwendung. Dafür ist das Bundesinnenministerium zuständig. 

Verbot hin oder her, ein anderer Trödelhändler, der nicht namentlich genannt werden will, berichtet, dass es dennoch einen großen Schwarzmarkt für Weltkriegswaffen und -munition gibt. "Man vertraut darauf, dass die Leute sich richtig verhalten. Kontrolliert wir das aber nicht", sagt er. Es gebe viele Interessenten für solche Waffen. Die Szene sei eine verschworene Gemeinschaft. Er habe selbst schon eine nachgestellte Schlachtfeldszene mit Schaufensterpuppen und schussfähigen Kriegswaffen in einem Haus gesehen. 

(heif)
 
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