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Aachen
Nazi-Skandal: Polizei suspendiert zweiten Anwärter

Aachen: Nazi-Skandal: Polizei suspendiert zweiten Anwärter
Der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach FOTO: dpa, obe htf
Aachen. Über Monate sollen zwei Polizeianwärter eine Kollegin mit Migrationshintergrund gemobbt haben. Über den Kurzmitteilungsdienst Whatsapp und verbal haben sie der Kollegin fremdenfeindliche Nachrichten übermittelt, dies belegt ein Bericht einer Ermittlungskommission zu diesem Fall.

Wie die Polizei mitteilte, hat der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach nach Bewertung des Berichts einen zweiten Polizeianwärter suspendiert. Der Mann ist 22 Jahre alt und gilt in dem Fall als Mittäter. Der Hauptbeschuldigte, ein 19-Jähriger, wurde bereits vom Dienst freigestellt. Gegen beide Polizisten wurde ein Entlassungsverfahren eingeleitet, über das die Staatsanwaltschaft informiert wurde.

Mobbing über das Internet

Das ist Mobbing FOTO: Archiv/dpa-tmn

Innerhalb einer Studiengruppe für Polizeianwärter hatten die beiden Männer fremdenfeindliche Nachrichten und Bilder über Whatsapp verbreitet. Die Anwärter wollten in einem dort eingerichteten Chat eigentlich Studieninhalte und Klausurthemen besprechen. Stattdessen gab es die fremdenfeindlichen Nachrichten. Um diese nachvollziehen zu können hatten weitere Polizeianwärter ihre Handys der Ermittlungskommission übergeben. Während des Unterrichts wurde der gemobbten Polizeianwärterin auch ein Hakenkreuz in ihren Stift geritzt.

Die beiden Beschuldigten wie auch das Opfer mit ausländischen Wurzeln gehören zu einem Kurs an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW in Köln mit 32 Polizeianwärtern. Die Anzeige gegen den Hauptbeschuldigten hatte ein Mitglied des Kurses gestellt.

Wie die Polizei mitteilte, waren die beiden Beschuldigten bis jetzt noch nicht in rechtsradikalen Gruppierungen oder Parteien aufgefallen. Auch "einschlägige Veranstaltungen" sollen sie nicht besucht haben.

NRW-Innenminister Ralf Jäger hatte nach Bekanntwerden des Falles in der vergangenen Woche bereits gesagt, dass für "eine menschenverachtende Einstellung kein Platz in der NRW-Polizei ist".

(ots)