| 16.00 Uhr

Dortmund
Neonazis hetzen mit Video gegen Bahn-Security

Dortmund: Neonazis hetzen mit Video gegen Bahn-Security
Einer der Männer gab sich als Presse-Vertreter aus und filmte den Vorfall in Dortmund mit seinem Handy. Das Video verbreitete sich rasant bei Facebook. FOTO: Screenshot
Dortmund. Seit einigen Tagen kursiert bei Facebook ein Video, das zeigt, wie Sicherheitspersonal der Deutschen Bahn am Hauptbahnhof in Dortmund angeblich auf Passanten einschlägt. Doch die Polizei klärt auf: Rechtsextreme hatten die Sicherheitsleute mit Pfefferspay attackiert. 

Das Video, das von einem rechtsradikalen Internet-Portal verbreitet wurde, erweckt zunächst den Anschein, als ob das Sicherheitspersonal eine Gruppe von Passanten brutal angreift und mindestens eine Person zu Boden drückt. Doch wie die Polizei Dortmund am Dienstag mitteilte, handelte es sich bei der Aktion um eine Notwehr-Maßnahme der Bahn-Security. Demnach wurde sie von einer Gruppe Rechtsextremer angegriffen und mit Pfefferspay besprüht. Alle Bahn-Mitarbeiter mussten ins Krankenhaus. 

Nach ersten Erkenntnissen, Zeugenaussagen und Vernehmungen ereignete sich der Vorfall nach Angaben der Polizei wie folgt: Gegen 0.30 Uhr hielten sich eine 23-jährige Oberhausenerin und ihr 19-jähriger Begleiter aus Eutin vor dem Hauptbahnhof auf. Zu diesem Zeitpunkt näherte sich aus dem Bahnhof eine Gruppe von vier Männern. Einer dieser Männer, ein 27-jähriger Dortmunder, soll den 19-Jährigen mit "Antifa" angesprochen und grundlos geschubst haben. Bei Erkennen der sich androhenden Auseinandersetzung schritten Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes der Deutschen Bahn ein.

In der darauffolgenden körperlichen Auseinandersetzung des Sicherheitspersonals mit drei Männern der vierköpfigen Gruppe setzte einer der bis dahin Unbekannten Pfefferspray gegen das Sicherheitspersonal ein. Der mehrmaligen Aufforderung, es fallen zu lassen, kam der 23-Jährige Dortmunder nicht nach, sondern sprühte weiter.

Staatsschutz nimmt Ermittlungen auf 

Erst nach dem Einsatz eines Schlagstocks ließ der Unbekannte von dem Spray ab. Bei der anschließenden Durchsuchung stellten die Beamten weitere Pfeffersprays bei einem 27-jährigen und einem 25-jährigen Dortmunder sicher. Letzterer trug zudem noch eine Seenotrettungsfackel mit sich.

Die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes mussten anschließend alle ambulant in einem Krankenhaus behandelt werden.

Die ersten Ermittlungen ergaben, dass sich der 25-Jährige Dortmunder während des gesamten Vorfalls "als Pressevertreter" ausgab und alles mit einem Handy mitgefilmt hatte. Er und seine drei Begleiter sind der Polizei Dortmund als politisch motivierte Straftäter bekannt und/ oder dem rechtsextremistischen Spektrum zuzuordnen.

Für die Wohnung des 25-Jährigen wurde ein Durchsuchungsbeschluss erwirkt. Bei der Wohnungsdurchsuchung, die der Zeuge bereits erwartet hatte und dementsprechend vorbereitet war, stellten die Beamten Datenträger sicher.

Die Auswertung der Datenträger dauert ebenso wie die weiteren Ermittlungen des Staatsschutzes an.

(met)