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Verbot von Silvester-Böllern
"Wir sind in Deutschland bereits weiter als die Niederländer"

Worauf Sie bei Silvester-Böllern achten müssen
Worauf Sie bei Silvester-Böllern achten müssen FOTO: AP
Düsseldorf. 56 Gemeinden des Nachbarlands haben angekündigt, feuerwerksfreie Zonen einzurichten – 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Auch in Deutschland darf nicht überall geböllert werden. Denn der Lärm hat für viele negative Auswirkungen. Von Ludwig Krause und Jessica Kuschnik

Böller, Raketen und Lärm gehören traditionell zum Jahreswechsel. Jede große Stadt, aber auch viele Privatleute möchten auf das bunte und laute Spektakel nicht verzichten - es gehört ja auch irgendwie dazu. Nicht so in den Niederlanden. In Nordrhein-Westfalens Nachbarland werden Feuerwerke immer öfter verboten. Mindestens 56 von 281 Gemeinden wollen zu Silvester feuerwerksfreie Zonen einrichten, das sind 30 Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr. Wie eine Umfrage der niederländischen Zeitung "AD" ergeben hat, führen dieses Jahr auch größere Städte wie Groningen, Amersfoort, Alkmaar und Dordrecht die Null-Knaller-Zonen ein.

Vor allem um Altersheime und Krankenhäuser, Streichelzoos und Schulen werden die Sicherheitsbereiche eingerichtet. Aber auch in Geschäftsstraßen, Parkanlagen oder der Nähe von Tankstellen sollen die Verbote greifen. Die Gemeinde Zeist (Provinz Utrecht) hat laut "AD" sogar das Abbrennen von Feuerwerk um Flüchtlingsheime verboten, da die Asylsuchenden Angst bekommen könnten. In Alkmaar und Hilversum muss es im gesamten Zentrum ruhig bleiben.

Wie Sie Ihr Auto an Silvester optimal schützen FOTO: dpa

Dass feuerwerksfreie Zonen nun auch in Nordrhein-Westfalen eingerichtet werden, steht erst einmal nicht zur Diskussion. Weder Düsseldorf noch Köln etwa planen weiterführende Einschränkungen, heißt es aus den Kommunen – denn hier gibt es bereits strenge Regeln. "Wir sind in Deutschland bereits weiter als die Niederländer", erklärt Klaus Gotzen, Geschäftsführer des Verbandes der pyrotechnischen Industrie in Ratingen, mit Verweis auf Paragraf 23 des ersten Sprengstoffgesetzes. Darin heißt es: "Das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern ist verboten."

Das gilt gleichermaßen für Ausrichter von großen Feuerwerken als auch für Einzelpersonen. "Wer dagegen verstößt, handelt ordnungswidrig und kann mit einer Geldbuße bestraft werden", sagt Gotzen. Von extra ausgewiesenen feuerwerksfreien Zonen hält der Feuerwerksexperte nichts. "Das ist zu bürokratisch. Jedem denkenden Menschen sollte klar sein, dass man in der Nähe bestimmter Einrichtungen aus Rücksichtnahme nicht knallen sollte." Dass solche Zonen etwas bringen, glaubt er nicht. "Diejenigen, die sich heute schon nicht an die Regeln halten, werden sich auch davon nicht abschrecken lassen", meint Gotzen.

Der Naturschutzbund hingegen hält eine feuerwerksfreie Zone für sinnvoll, da Feuerwerke negative Auswirkungen auf Umwelt und Tiere haben, sagt Sprecher Julian Heiermann. Insbesondere Vögel reagierten panisch auf den Lärm. "Es gibt einige Regeln, die zu Silvester außer Kraft zu treten scheinen", sagt Heiermann. So gibt es Umweltzonen, zu Silvester jedoch dürfe dort geknallt werden, was die Feinstaubwerte in die Höhe treibt; Zigaretten auf die Straße zu werfen, ziehe eine Geldbuße nach sich, wer aber Böller abschießt und damit Müll produziert, darf dies ungestraft tun. "Es gibt genug Gründe, Feuerwerke einzuschränken, zumal nicht nur zu Silvester, sondern auch auf Hochzeiten und bei Stadtfesten geknallt wird", sagt Heiermann. Man müsse Feuerwerke nicht gleich verbieten, doch der Vorstoß der Niederländer rege durchaus zum Nachdenken an.

Zehn Gründe, Silvester zu hassen FOTO: ddp

Dass der Feuerwerkslärm für traumatisierte Menschen eine Qual sein kann, erklärt Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater. "Eine Patientin, die den arabischen Frühling miterlebt hat, ist selbst bei einem knallenden Luftballon sofort wieder in diese Zeit zurückversetzt, ist verängstigt und kann nicht schlafen", so die Psychiaterin. Für Menschen mit Kriegserlebnissen seien Feuerwerke problematisch - und je älter sie sind, desto leichter sei die schlimme Erinnerung auszulösen.

Ob eine feuerwerksfreie Zone sinnvoll ist, hält Roth-Sackenheim für fraglich, jedoch sollte jeder frei entscheiden können, ob er sich nahe eines Feuerwerks aufhalten möchte oder nicht - das zumindest wäre durch solche Zonen gewährleistet. "Denn das Hören kann ich nicht einfach abschalten wie das Sehen, indem ich die Augen schließe." So können etwa Flüchtlinge, die zum Teil Schlimmes erlebt haben, dem Lärm nicht ohne weiteres entkommen. Ein Feuerwerksverbot um Heime herum wäre also sinnvoll.

In den Niederlanden jedenfalls finden die feuerwerksfreien Zonen großen Anklang. Gemeinden, die schon 2014 zu den Maßnahmen gegriffen haben, sind zufrieden und haben fast alle auch für den kommenden Jahreswechsel Verbotszonen angekündigt. Bei der Beschwerdestelle Vuurwerkoverlast, eine Initiative von 20 Grün-Links-Fraktionen in den Niederlanden, sind mehr als 71.000 Meldungen von Menschen, die sich am Feuerwerk stören, eingegangen.

Quelle: RP
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