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Sturmtief "Niklas"
Nahverkehr in NRW seit 11 Uhr eingestellt

Fotos: Sturm sorgt für Zugausfälle zwischen Leverkusen und Leichlingen
Fotos: Sturm sorgt für Zugausfälle zwischen Leverkusen und Leichlingen FOTO: teleact Arbabha
Düsseldorf. Am Dienstag gelten Unwetterwarnungen für ganz NRW. Sturmtief "Niklas" bringt ab heute Morgen Orkanböen bis ins Flachland. Die Deutsche Bahn hat den Nah- und Regionalverkehr in NRW seit 11 Uhr komplett eingestellt. Umgekippte Bäume und Schilder sorgen für erhebliche Probleme auf den Straßen. Von J. Isringhaus, L- Ihme,, P. Stempel und C. Siedentop

Aufgrund des heftigen Sturms stellte die Deutsche Bahn den Regionalverkehr in Nordrhein-Westfalen für den Dienstag ein, wie sie auf ihrer Internetseite und auf Twitter bekanntgab. 

Wie die Bahn erklärte, seien Bäume auf zahlreiche Strecken gefallen. Auch im Fernverkehr gibt es Störungen, er soll aber vorerst weiter rollen. Diesen versuche man umzuleiten. Am Düsseldorfer Hauptbahnhof bildeten sich lange Schlangen vor den Infoschaltern. Die Bahn verteilte Taxigutscheine, die innerhalb von kurzer Zeit schon aus waren. Stattdessen sollten die Pendler auf Formulare zurückgreifen. Doch viele Kunden waren ratlos: Wo bekomme ich solch ein Formular her?

Sturmschäden in Bedburg-Hau FOTO: Schulmann

Wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilte, wurde dienstagfrüh bereits die Strecke zwischen Opladen und Leichlingen gesperrt, weil Äste und Baumteile in die Oberleitung krachten. Am Bahnhof Opladen kam es unter Fahrgästen zu Rangeleien um die Taxen. Auch die S-Bahn zwischen Hilden-Süd und Solingen konnte nicht fahren. Zwischenzeitlich war auch die Strecke zwischen Duisburg-Großenbaum und Düsseldorf Hauptbahnhof blockiert. Der Verkehr auf der Linie S 1 musste abschnittsweise eingestellt werden. Augenzeugen berichten, dass am Düsseldorfer Hauptbahnhof Chaos herrschen soll. 

Schon in der Nacht frischte der Wind spürbar auf. Wie Meteorologe Norbert Becker-Flügel von der MeteoGroup berichtet, nimmt die Windstärke seit 2 Uhr in der Nacht deutlich zu. Schon in den frühen Morgenstunden wurden Geschwindigkeiten von mehr als 90 Stundenkilometern gemessen. Ein Blick auf die Warnlage von unwetterzentrale.de zeigt für Deutschland flächendeckend rot. Auch für NRW gilt damit eine Warnung vor Sturmböen, vereinzelt orkanartig. Übersetzt heißt das, der Wind kann damit Geschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern erreichen. Vor allem ab der Mittagszeit bis in den Abend hinein soll es stürmisch werden.

Am Düsseldorfer Hauptbahnhof haben sich bereits lange Schlangen vor den Infoschaltern gebildet. FOTO: Laura Ihme

Probleme im morgendlichen Berufsverkehr

Im Berufsverkehr ist mit erheblichen Verzögerungen zu rechnen. Auch Autobahnen sind betroffen: Demnach behindern starke Regenfälle den Verkehr auf der A40, auf der A61 liegt zwischen Türnich und Gymnich ein Baum auf der Fahrbahn. Auf der A44 liegt im Bereich Jackerath ein Verkehrsschild. Umgestürzte Bäume ragen teilweise auf Straßen: Auf der A2 Oberhausen Richtung Dortmund liegen zwischen Essen/Gladbeck und Gelsenkirchen-Buer Bäume auf der Fahrbahn.  Auch auf der 52 bei Marl behindern umgetsürzte Bäume den Verkehr. Auf der Autobahn 45 bei Hagen kippte auf einer Talbrücke ein mit Paletten beladener Lkw-Anhänger um. Es sei jedoch noch unklar, ob dies durch den Sturm passiert sei, sagte ein Polizeisprecher. 

Spektakuläre Bilder auch von der A46-Rheinbrücke zwischen Düsseldorf und Neuss. Von dort aus postete ein junger Mann bei Twitter ein Video, das einen Lkw-Anhänger kurz vor dem Umkippen zeigt:

Aquaplaning auf der A52: Auto fährt in Leitplanke FOTO: Daniel Bothe

In Ostwestfalen behinderte in der Nacht Schnee den Verkehr. Auf der Autobahn 44 bei Warburg habe es eine geschlossene Schneedecke gegeben, sagte ein Polizeisprecher. 

Polizei und Feuerwehr sind im Dauer-Einsatz: Auf der Niederrheinallee in Neukichen-Vluyn wurde ein 64 Jahre alter Fußgänger von einem umstürzenden Baum getroffen. Er musste schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Das berichtet die Polizei des Kreises Wesel. In Kerpen bei Köln kippte in der Nacht durch den Sturm ein Kran in einem Kieswerk. Er blieb jedoch an einem Hausdach hängen. Der Kranführer erlitt zwar keine Verletzungen. Der Mann musste aber von der Feuerwehr befreit werden, weil sich die Tür des Krans verkeilt hatte. In Mettmann und Neuss wehte der Wind Mülltonnen und Verkehrsschilder um. Verletzt wurde zunächst niemand. Auch Stromausfälle gab es, wie Einwohner von Haan-Gruiten im Kreis Mettmann berichteten. 

Der Sturm kommt aus dem Westen. In Belgien und den Niederlanden haben einige Windböen bereits Stärke 11 erreicht, bis zu 120 Stundenkilometer, wie Becker-Flügel berichtet. In NRW  notierten Wetterexperten  die Spitzenwerte in Wuppertal mit 91 Stundenkilometern, bei der exponiert gelegenen Wetterstation in Aachen wurden sogar bis zu 98 Stundenkilometer. "Niklas" könne regional sogar Böen in Orkanstärke mitbringen. Die Region Düsseldorf kann das Sturmtief bereits zwischen 8 und 9 Uhr erreicht haben, sagt der Wetterexperte, vereinzelt begleitet von gewittrigen Schauern. 

"Mit Orkan ,Kyrill' kann der Sturm zwar nicht ganz mithalten", sagt Sturmexperte Thomas Sävert vom Wetterdienst MeteoGroup, "aber es handelt sich um eine gefährliche Lage, die man nicht unterschätzen sollte." Vorsicht ist beim Gang nach draußen auf jeden Fall angemessen. Auch weil schon Sturmtief Mike am Sonntag Dachziegel gelöst oder Äste umgeknickt haben könnte. Die Wetterexperten empfehlen dahr, am Dienstag Wälder und Parkanlagen zu rmeiden. 

Auch die Prognosen für die kommenden Tage lassen kaum auf schönes Osterwetter hoffen. Zwar ist mit dem Stürmen am Dienstag wohl der Höhepunkt der Schlechtwetterfront erreicht, doch bleibt es aller Voraussicht nach nass, windig und mit fünf bis neun Grad relativ kühl. Erst am Karfreitag schwächt sich der Wind ab. Ab Ostersonntag könnte, so die Prognose, sogar mal die Sonne herauskommen.

Die Karwoche bleibt auch in anderen Teilen Deutschlands kalt und stürmisch. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wird an der niedersächsischen Nordseeküste von Norderney bis Bremerhaven eine leichte Sturmflut erwartet. Im Bergland droht in den Nächten auch Glätte. Polarluft lässt die Temperaturen fast überall nur noch auf einstellige Werte sinken. Bis zum Osterwochenende sind Schnee- und Graupelschauer bis ins Flachland möglich. In einigen Regionen Deutschlands wie etwa Schleswig-Holstein verzögert sich deshalb auch die heimische Spargel-Ernte.

Dem Schwarzwald droht bis Mittwoch Dauerregen, weshalb auch wegen schmelzenden Schnees Flüsse über die Ufer treten könnten. In Bayern fällt die Schneefallgrenze am Mittwoch wohl bereits unter 1000 Meter.

Bahnkunden müssen um Ostern nicht nur wegen möglicher Wetterprobleme mit längeren Fahrzeiten rechnen: Auch mehr als 250 Baustellen sind von Karfreitag bis Montag im DB-Streckennetz geplant. Die Hauptreisezeiten am Gründonnerstag und Ostermontag sollen aber von den Bauarbeiten ausgenommen bleiben.

Schon in der Unwetternacht auf Montag rüttelte Sturmtief "Mike" das Land kräftig durch. Die Bilanz: mehrere Leichtverletzte, umgestürzte Bäume, geplatzte Fensterscheiben und Verspätungen bei der Deutschen Bahn. 

Mit Material von dpa

Quelle: RP
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