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Fall Niklas P. aus Bad Godesberg
Mutmaßlicher Gewalttäter aus Bonn muss in U-Haft

Niklas P. aus Bad Godesberg: Verdächtiger aus Bonn muss in U-Haft
Bei einer Pressekonferenz informiert Oberstaatsanwalt Robin Faßbender über die Tat. FOTO: dpa, mb fdt
Bonn/Bad Godesberg. In Bonn hat die Polizei über die Hintergründe zu der brutalen Gewaltattacke auf Niklas P. informiert. Gegen den mutmaßlichen Täter wurde U-Haft erlassen. Ein Zeuge hatte den dringend Tatverdächtigen eindeutig als denjenigen identifiziert, der Niklas P. zu Tode geprügelt hat. 

Nach dem tödlichen Prügelangriff auf den 17-jährigen Niklas in Bonn hat ein Richter den mutmaßlichen Haupttäter in Untersuchungshaft geschickt. Gegen den am Vortag festgenommen 20-Jährigen bestehe der Verdacht des Totschlags, teilte die Bonner Polizei am Mittwoch mit. Bei ihm soll es sich um den mutmaßlichen Haupttäter handeln. In einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag gaben Polizei und Staatsanwaltschaft Details der Festnahme bekannt. 

Der Bonner Oberstaatsanwalt Robin Faßbender sprach von "sehr schwierigen Ermittlungen zur Frage der Täterschaft". Es fehlten etwa DNA-Spuren, die normalerweise helfen, den Täter zu überführen. Nachdem die Mordkommission um ihren Leiter Franz Wirges über 100 Spuren angelegt und über 150 Hinweisen aus der Bevölkerung nachgegangen war, hätten sich die Verdachtsmomente für drei Personen verdichtet, teilte der Oberstaatsanwalt mit.

Der Leiter der Mordkommission, Franz Wirges (l.), der Pressesprecher der Polizei Bonn und Oberstaatsanwalt Robin Faßbender (r.) bei der Pressekonferenz am Mittwoch in Bonn. FOTO: dpa, mb fdt

Zeuge identifiziert Hauptverdächtigen

Am Dienstagabend seien dann drei Personen festgenommen worden. Unter ihnen ein 20-Jähriger, der von einem Zeugen eindeutig als Haupttäter identifiziert worden ist, hieß es bei der Pressekonferenz.

Oberstaatsanwalt Faßbender erklärte, der 20-Jährige sei intensiv vernommen worden. Er bestreite die Tat, habe sich aber bei den Vernehmungen bereits in Widersprüche verwickelt. Er habe beispielsweise falsche Angaben zu einem Alibi gemacht, die die Ermittler bereits als unwahr nachweisen konnten. Die Überprüfung seiner Angaben sei noch nicht abgeschlossen, daher gebe man keine weiteren Informationen preis. Für Polizei und Staatsanwaltschaft steht er unter dringendem Tatverdacht des Totschlags. Dies hat nun auch der Haftrichter bestätigt, der den Verdächtigen am Mittwochnachmittag in Untersuchungshaft schickte.

In Bonn waren die Menschen nach der Tat geschockt. Am Tatort wurden Blumen und Kerzen zum Gedenken an Niklas P. aufgestellt. FOTO: dpa, mb vfd

Bekannter Gewalttäter aus Italien

Der Beschuldigte ist in Italien geboren und ist bereits wegen Gewaltdelikten in Erscheinung getreten. Auf Nachfrage der Presse bestätigte die Staatsanwaltschaft, dass es noch einen zusätzlichen Migrationshintergrund gebe. Er lebt aber wohl schon länger in Bonn. Die beiden weiteren Personen, die festgenommen wurden, sind mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Ihnen konnte man bislang keine Tatbeteiligung nachweisen. 

In Bonn war der 17-Jährige Niklas P. ohne einen erkennbaren Auslöser von Unbekannten zusammengeschlagen worden. Er fiel ins Koma und starb einige Tage später an seinen Verletzungen im Krankenhaus. Die Polizei hat eine Belohnung ausgesetzt, um die übrigen Täter zu finden. 

Provokation aus der Gruppe

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen bislang davon aus, dass sich Niklas P., ein Freund und zwei Freundinnen am Tatabend von der Rheinaue auf den Rückweg machten. In Bad Godesberg traf die Gruppe am Von-Grote-Platz auf eine "Gruppe von drei plus x Männern", so der Oberstaatsanwalt. Im Vorbeigehen sei es dann zu provozierendem Verhalten aus der Dreier-Gruppe gekommen. Eine Person habe sich besonders hervorgetan. Niklas P. habe die Gruppe zur Rede stellen wollen, ein zweiter aus der Dreier-Gruppe sei auf Niklas zugegangen, mutmaßlich, um ihn anzugreifen. Ein Freund und eine Freundin von Niklas P. seien dazwischen gegangen.

In der Folge kam es zu einem Handgemenge zwischen diesen Vieren. Die dritte Person sei hinzugekommen, es habe ein kurzes Wortgefecht gegeben, dann habe der Dritte Niklas P. gegen die Schläfe geschlagen. Niklas P. sei zu Boden gegangen und sei reglos am Boden liegen geblieben. Seine Freunde sollen sich um ihn gekümmert haben. Trotzdem sei der mutmaßliche Täter zurückgekommen und soll Niklas P. mit voller Wucht gegen den Kopf getreten haben. Man gehe von zwei massive Gewalteinwirkungen gegen den Kopf aus, die dazu führten, dass Niklas P. später seinen Verletzungen erlag, so die Experten. Danach entfernten sich die drei vom Tatort.

Der Leiter der Mordkommission Franz Wirges sprach von "sehr schwierigen und sehr arbeitsintensiven" Ermittlungen. Noch in der Nacht habe man den Tatort aufgenommen, Zeugen und Betroffene vernommen. Nach der Befragung von weiteren Zeugen, die in unmittelbarer Nähe standen, und der Mithilfe von Kollegen, die sich im Szenebereich und mit Jugendkriminalität auskennen, habe man einen Personenkreis von etwa 40 bis 50 Heranwachsenden aus Bad Godesberg aufhellen können. 150 Hinweise habe man aus der Bevölkerung bekommen, vor allem nach der Flugblattaktion. "Die Kollegen sind ununterbrochen im Dienst. 12 bis 16 Stunden pro Tag. Wir sind das Niklas und seinen Eltern schuldig."  

FOTO: Polizei Bonn

 

(heif/siev)
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