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Grundwasser
Nitrat belastet den Niederrhein

Nitrat belastet das Grundwasser am Niederrhein
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Viersen. Rund 40 Prozent des Grundwasservolumens in NRW weisen eine zu hohe Nitratkonzentration auf. Betroffen sind ländliche Regionen. Von Carolin Skiba

Bislang hat Lothar Reichertz* seinen Wasserverbrauch zu einem großen Teil mit Wasser aus seinem Brunnen abgedeckt. Auch zum Kochen benutzte der Viersener das hauseigene Brunnenwasser. Doch nun ist er besorgt. In einem Fernseh-Beitrag hat er erfahren, dass die Nitratwerte mancherorts drastisch erhöht sind. "Daraufhin habe ich das Wasser aus meinem Brunnen testen lassen", sagt Reichertz. Das Ergebnis: Auch dort liegt der Nitratgehalt bis zum Fünffachen über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter.

Fast die Hälfte des Trinkwassers (44 Prozent) bezieht NRW aus dem Grundwasser. Ein Fachbericht zum Thema Nitrat im Grundwasser, der vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv) veröffentlicht wurde, belegt, dass in NRW derzeit rund 40 Prozent des Grundwasservolumens in einem schlechten Zustand wegen zu hoher Nitratbelastung sind. Laut Landesumweltministerium sind die Nitratkonzentrationen im Norden und Westen des Landes seit 20 Jahren gleichbleibend hoch. Dabei handelt es sich um die landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen. Das Nitrat in den Böden kann durch Auswaschung mit dem Regen in das Grundwasser gelangen und somit in das Trinkwasser.

In Gebieten mit Ackernutzung erreichten laut Lanuv-Bericht die aktuellen Nitratkonzentrationen im oberflächennahen Grundwasser Spitzenwerte bis zu mehr als 300 Milligramm pro Liter. Grundwassermessstellen unter Ackerland-Einfluss mit einer Nitratkonzentration über 180 mg/L finden sich unter anderem in den Kreisen Kleve, Neuss, Viersen, Wesel und Düren. "Am Niederrhein, insbesondere im Kreis Kleve, wird in zahlreichen Massentierhaltungen sehr viel Fleisch und Milch erzeugt", erklärt Harald Gülzow vom VSR Gewässerschutz. Im Kreis Kleve fallen Gülzow zufolge jährlich 11.000 Tonnen Stickstoff aus Gülle an. Fast 2000 Tonnen werden zudem aus den Niederlanden und Niedersachsen importiert. Um wirtschaftlich zu arbeiten, sei es für die meisten landwirtschaftlichen Betriebe nur möglich, die Felder zu überdüngen, um einen hohen Ernte-Ertrag zu bekommen, erklärt Peter Schütz vom Lanuv, das die Werte in der Region seit rund 30 Jahren überprüft. Der Überschuss des Düngers gelange über die Böden ins Grundwasser und auf lange Sicht auch in die Meere.

Verbraucher, die nicht wie Lothar Reichertz auf ihren eigenen Brunnen zurückgreifen, müssen laut Lanuv nicht besorgt sein. Die örtlichen Wasserwerke befreien das Grundwasser von schädlichen Stoffen, ehe es als Trinkwasser genutzt wird, meint Schütz: "Wir bezahlen das mit unserem Wassergeld." Aber die Umwelt bezahle dies häufig mit Artensterben. Eine Lösung für das Problem sei biologische Landwirtschaft. Bauern, die Bio-Ware anbauen, düngen in geringeren Mengen, sagt Schütz. Die Qualität des Produkts sei die gleiche wie die herkömmlich hergestellter Produkte. "Der Verbraucher zahlt mit seinem teureren Bio-Produkt letztendlich für eine sauberere Umwelt."

Doch selbst wenn die hiesigen Wasserwerke dafür Sorge zu tragen haben, dass das Trinkwasser einen Nitrat-Wert von 50 mg/L nicht überschreitet, ist de Qualität, die beim Verbraucher im Glas aus der Leitung kommt, nicht immer so, wie sie sein sollte. Die Trinkwasserverordnung legt zwar genau fest, wie viel wovon im Wasser enthalten sein darf. Ab dem Hausanschluss ist aber jeder Eigentümer selbst für die Wasserqualität verantwortlich.

Das Stuttgarter Fraunhofer-Institut und die österreichische AQA GmbH haben Ergebnisse aus bundesweiten Trinkwasserproben ausgewertet. Die Analyse zeigt, dass jede sechste eingesandte Probe Schwermetalle wie Nickel, Blei, Kupfer, Eisen oder Mangan in Konzentrationen über den erlaubten Werten enthielt. Bei den Hausbrunnen waren die Nitrat-Grenzwerte sogar um bis zu 15,9 Prozent erhöht. Nickel, Mangan und Co. stammen hauptsächlich aus Hausleitungen und Armaturen. Sie werden ins Trinkwasser geschwemmt und reagieren mit dem Wasser. Laut Fraunhofer-Institut kann bei erhöhten Schwermetall-Werten bereits Abhilfe geschaffen werden, indem man das Wasser eine Weile laufen lässt. *Name geändert

Quelle: RP
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