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Betreuungsprobleme
Die Sommerferien sind zu lang

NRW: Die Sommerferien sind zu lang – ein Kommentar
Wohin mit dem Nachwuchs in der restlichen schulfreien Zeit? Betreuungsangebote an Schulen jedenfalls sind rar. FOTO: dpa
Meinung | Düsseldorf. Arbeitnehmer stehen oft vor einem Problem: Wie betreut man die schulpflichtigen Kinder, wenn der eigene Urlaub schon vorüber ist? Dabei wäre es so leicht, Abhilfe zu schaffen – zum Beispiel durch eine Verkürzung der Sommerferien auf vier Wochen.  Von Kirsten Bialdiga

In vielen Familien bricht in diesen Tagen Hektik aus. Noch knapp 20 Wochen bis zu den Sommerferien in Nordrhein-Westfalen sind es – und die Ferienplanung steht noch nicht. Und dabei geht es nicht um den Familienurlaub, den haben die meisten schon längst gebucht.

Es geht vielmehr um jene Wochen, in denen die Eltern wieder arbeiten müssen, obwohl die Schulferien noch mindestens drei Wochen dauern. Denn während die meisten Arbeitnehmer auf maximal 35 Urlaubstage im Jahr kommen, also sieben Wochen, dauern die Schulferien insgesamt rund zwölf Wochen.

Wohin also mit dem Nachwuchs in der restlichen schulfreien Zeit? Während die Kindergärten ihre Schließzeiten meist in überschaubarem Rahmen halten, bieten noch längst nicht alle Schulen, geschweige denn Kommunen, eine durchgängige Ferienbetreuung an. Auch auf Großeltern kann nicht jeder zurückgreifen. Und die Vorstellung, dass die Kinder in den Ferien wie einst in Bullerbü spontan eine Vielzahl von Freunden draußen treffen, mit denen sie in den Ferien endlich einmal ihre Tage verbringen können, geht an der Realität meist vorbei.

Wer es sich leisten kann, greift auf kommerzielle Angebote zurück, schickt seine Kinder zu Segel- und Surf-Freizeiten, Reiterhofurlauben, Sprachkursen oder – in gewissen Kreisen auch sehr populär – in die Summer School britischer Internate. Die anderen hingegen müssen darauf vertrauen, dass ihren Kindern in der freien Zeit schon etwas einfallen wird. Lehrer, die nach den Ferien in den Klassenzimmern nachfragen, erfahren dann auch, womit viele ihrer Schüler sich beschäftigt haben: Surfen im Internet, Computerspielen, Filme schauen auf Netflix bekommen sie häufig als Antwort.

Das fehlende Betreuungsangebot in den Schulferien ist also nicht nur ärgerlich, sondern auch zutiefst unsozial. Dabei wäre es so leicht, Abhilfe zu schaffen – zum Beispiel durch eine Verkürzung der Sommerferien auf vier Wochen. Dem Erholungseffekt würde das kaum Abbruch tun, der ist Studien zufolge schon nach drei Wochen erreicht. Und ganz nebenbei ließe sich das Problem von G-8 an den Gymnasien durch die verlängerte Schulzeit ein wenig entschärfen, vielleicht sogar die Anzahl der Unterrichtsstunden pro Woche dadurch verkürzen. 

Auch wenn viele Argumente für eine Verkürzung der Sommerferien sprechen – dass es dazu kommt, ist sehr unwahrscheinlich. Politiker, die sich dem verschrieben, würden viele ihrer Wähler gegen sich aufbringen: Zuallererst die Lehrer, aber auch Schüler und etwa Vertreter der Tourismusindustrie.

So dürfte denn wohl alles beim Alten bleiben.

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