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NRW
Diese Krankheiten machen unsere Bäume kaputt

Diese Krankheiten machen Bäume kaputt
Diese Krankheiten machen Bäume kaputt FOTO: Landwirtschaftskammer NRW
Düsseldorf. Das Bakterium "Pseudomonas" ist in diesem Jahr wieder ein großes Problem für die Kastanienbäume in den Städten von NRW. Seit Jahren macht es die Bäume krank, sodass die Kastanie bald ganz aus den Innenstädten verschwinden könnte. Aber das ist längst nicht die einzige Gefahr. Von Franziska Hein

Die Baumstämme sehen aus, als ob sie bluten. Die Rinde ist aufgeplatzt, es bildet sich eine schwarze Kruste, die aussieht wie getrocknetes Blut. Diagnose: unheilbar. Ist eine Kastanie vom Bakterium "Pseudomonas syringae" befallen, ist das ihr Todesurteil. Denn gegen dieses Bakterium gibt es kein Gegenmittel, sagt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW.

Deswegen ist es möglich, dass bald keine Kastanienbäume mehr gepflanzt werden, weil das Risiko einer Infektion zu hoch ist. Vor 20 Jahren verschwand die Ulme wegen einer Pilzkrankheit und eines Käfers. Nur ein paar Exemplare haben überlebt. Ähnliches könnte auch der Kastanie passieren.

Seit 2006 gibt es "Pseudomonas" in NRW

Das Labor der Landwirtschaftskammer NRW hat vor zehn Jahren das erste Mal das Bakterium entdeckt. Der Erreger kommt aus Indien und ist auf den globalen Handelswegen nach Europa gekommen. Seither macht er den Grünflächenämtern der Städte Ärger. Immer wieder mussten betroffene Bäume gefällt werden. Dann beruhigte sich die Lage, aber in diesem Jahr gibt es wieder ein größeres Problem mit dem Bakterium, erklärt Rüb.

"Das hängt vor allem mit den Witterungsbedingungen zusammen. Bei Trockenheit geraten die Bäume in Stress und sind so leichter anfällig, bei Nässe wird die Ausbreitung wahrscheinlicher." Denn das Bakterium verteilt sich über die Luft. Man könne nur die natürliche Widerstandskraft der Bäume stärken. Viele Kastanien seien eingepflastert. Wenn man den Bäumen mehr Luft verschaffe, könne man ihre natürlichen Abwehrkräfte stärken.

In Düsseldorf ist die Zahl der Kastanien, die Symptome einer Bakterieninfektion zeigen, leicht gestiegen. Im Jahr 2015 waren es 270 betroffene Kastanien, 2016 liegt die Zahl bei 286. 20 Kastanien mussten im Sommer gefällt werden. "Wir kontrollieren die Bäume zweimal im Jahr", sagt Nicole Haas, stellvertretende Leiterin des Garten-Friedhofs und Forstamts der Stadt. "Wir pflanzen derzeit keine neuen Kastanien." Stattdessen wird es beispielsweise auf der Kö einen Baumartwechsel geben. Dort sollen in Zukunft Silberlinden wachsen, die sind immun gegen das Bakterium. 

Die Miniermotte bedroht Kastanien

Ein Schädling, der den Kastanien ebenfalls zu schaffen macht, ist die Miniermotte. "Oft hatten sie – beispielsweise am Decksteiner Weiher in Köln – schon im Sommer vertrocknete braune Blätter, dieses Jahr gibt es bisher keine Probleme", sagt Stefan Palm vom Städtischen Grünflächenamt. Die Rosskastanien waren von der Miniermotte befallen. Die Bäume werden dadurch aber meistens nicht derart beschädigt, dass sie gefällt werden müssten.

Aber nicht nur das Pseudomonas-Bakterium oder die Miniermotte, die nur Kastanien befallen, sind zur Zeit ein Problem. Der Landesbetrieb für Wald und Holz NRW klagt auch über das Eschentriebsterben. Dahinter verbirgt sich ein Pilz, der die Bäume auf Dauer kaputt macht. 

Eschentriebsterben ist ein Problem in der Forstwirtschaft

Auch in Köln waren in den vergangenen Jahren immer wieder Bäume befallen. Das Eschentriebsterben ist bisher ein kein großes Problem in der Stadt. Aber: Auch in Köln werden in der kommenden Woche fünf Eschen gefällt, weil sie von dem Pilz befallen sind. "Sie stehen an einer vielbefahrenen Straße in Rodenkirchen, und die Äste drohen abzubrechen", sagt Palm. Aus demselben Grund müssen 20 Eschen am Alten Militärring in Longerich gefällt werden. 

Ebenfalls eine Bedrohung für die Bäume in NRW ist der "asiatische Laubholzbockkäfer". Er bohrt sich tief in die Stämme von Ahornbäumen und hinterlässt Spuren so groß wie Einschusslöcher. Will man verhindern, dass er weitere Bäume in der Umgebung befällt, muss man die befallenen Exemplare isolieren. "Da hilft nur plattmachen, häckseln und verbrennen", sagt Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW. 

Düsseldorf will in Zukunft andere Baumsorten pflanzen

In Düsseldorf reagiert man auf die Schädlinge und Krankheiten mit einer "Zukunftsbaumliste", die die Stadt auch im Internet veröffentlich hat. Auf der Liste stehen unter anderem verschiedene Ahornsorten, Erle, Robinie, Ulme, Buche, Weide, Birke und verschiedene Zierobstsorten. Für sie ist der Laubholzbockkäfer noch keine Gefahr. Bislang komme der in Düsseldorf nicht vor, meldet das städtische Gartenamt.

(heif/hsr)
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