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Neue Gefährdungslage
Sicherheitsbehörden prüfen alle NRW-Islamisten

Terror-Verdächtiger in Mönchengladbach gefasst
Terror-Verdächtiger in Mönchengladbach gefasst FOTO: Polizei
Mönchengladbach. Der Generalbundesanwalt hat in Mönchengladbach und Herford zwei mutmaßliche Terrorhelfer verhaften lassen. Sie wurden schon einmal von den Sicherheitsbehörden überprüft, erst jetzt reichte es für einen Haftbefehl. Angesichts einer neuen Bedrohungslage werden zurzeit alle Islamisten in NRW überprüft.  Von Gabi Peters und Christian Schwerdtfeger

Der Zugriff erfolgte um 6 Uhr morgens: Spezialeinsatzkräfte stürmen eine Wohnung in der dritten Etage eines Mehrfamilienhauses in Mönchengladbach-Rheydt. Nachbarn werden von einem lauten Knall geweckt. Die Tür zur Wohnung von Mustafa C. ist aufgebrochen. Der 26-jährige Mönchengladbacher, gegen den seit zwei Tagen ein Haftbefehl des Ermittlungsrichters beim Bundesgerichtshof vorliegt, wird festgenommen.

Mustafa C. soll sich in Syrien auf den "Heiligen Krieg" vorbereitet haben. Die Generalbundesanwaltschaft wirft ihm vor, als Mitglied einer ausländischen terroristischen Vereinigung eine schwere staatsgefährdende Tat vorbereitet zu haben. Konkrete Anschlagspläne soll Mustafa C. nicht gehabt haben. Laut Generalbundesanwalt gebe es dafür keine Anhaltspunkte.

Islamist aus Dinslaken festgenommen FOTO: dpa, rs pzi

Fast zeitgleich zu der Festnahme in Mönchengladbach erfolgte ein Zugriff der Polizei in Herford. Dort nahm ein Spezialeinsatzkommando den 27-jährigen Sebastian B. in Gewahrsam. Nach den bisherigen Ermittlungen reisten die beiden Festgenommenen im März und August 2013 über die Türkei nach Syrien ein. Dort sollen sich die beiden dem Kampfverband "Muhajirun halab" (Auswanderer von Aleppo) angeschlossen haben. Die Gruppierung unterstützt die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

Nach Recherchen unserer Redaktion wurden Mustafa C. und Sebastian B. schon einmal von den Sicherheitsbehörden überprüft. Damals habe man aber keine Anhaltspunkte entdecken können, die für eine Festnahme ausgereicht hätten. Aus Sicherheitskreisen hieß es, dass derzeit alle Islamisten in NRW, die als gefährlich eingestuft werden, noch einmal umfassend auf ihr Gefährdungspotential überprüft werden. "Man fürchtet, dass Einzelne sich durch die Anschläge in Paris inspiriert fühlen und deshalb Nachahmungstaten begehen könnten", so ein Ermittler. Der Verfassungsschutz geht derzeit von 300 Gefährdern in NRW aus, unter ihnen befinden sich auch die rund 40 Kriegsheimkehrer aus Syrien und dem Irak.

Hintergrund: Islamisten-Netzwerke in Deutschland

Sie sollen unter besonderer Beobachtung der Sicherheitsbehörden stehen. Damit sie möglichst 24 Stunden am Tag observiert werden können, kündigte Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Donnerstag an, 385 neue Polizisten einzustellen. Etwa 100 von ihnen sollen für den Objektschutz abgestellt werden, 110 zusätzliche Beamte sollen in den Dienststellen des polizeilichen Staatsschutzes ermitteln. Weitere 150 Spezialisten sind für den Ausbau von Fahndung und Observation vorgesehen. 25 Ermittler verstärken den Verfassungsschutz. Experten begrüßen die Maßnahme zwar, kritisieren aber geleichzeitig, dass es aufgrund der Ausbildungszeit bis zu vier Jahre dauern könne, bis die rund 400 neuen Polizisten im Einsatz seien. Die CDU fordert daher, dass kurzfristig Schutzpolizisten zur Antiterrorabteilung versetzt werden. "Mit einer Zusatzausbildung könnten sie die Kriminalpolizei bei ihrer Arbeit effektiv unterstützen", sagte CDU-Sicherheitsexperte Peter Biesenbach.

Mustafa C. soll nicht nur eine Kampfausbildung durchlaufen haben, er soll außerdem für die Propaganda innerhalb seiner Kampfgruppe zuständig gewesen sein. Mit dem Hubschrauber wurde der 26-Jährige gestern von Mönchengladbach nach Karlsruhe geflogen, wo er dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt wurde.

Düsseldorf: Prozess gegen IS-Terrorhelfer aus Bonn gestartet FOTO: dpa, gam fdt

Mustafa C. ist bereits der zweite Mönchengladbacher, der festgenommen wurde, weil er in den Dschihad ziehen wollte. Am 13. November war der 37-jährige Deutsch-Afghane Mohammad Sobhan A. von der Polizei auf dem Weg nach Syrien gestoppt worden. Der Mönchengladbacher steht zurzeit mit seinem Glaubensbruder Ismail I. in Stuttgart vor Gericht. In dem Prozess war auch der derzeit in Düsseldorf lebende Salafistenprediger Sven Lau als Zeuge geladen, der in Mönchengladbach mit seinem mittlerweile aufgelösten salafistischen Verein "Einladung zum Paradies" ein Islamzentrum aufmachen wollte.

Quelle: RP
 
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