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Sanierungsstau
So marode sind die Schulen in der Region

NRW: So marode sind die Schulen in der Region
Viele Klassenzimmer in NRW sind einem schlechten Zustand. FOTO: dpa
Düsseldorf. Undichte Fenster, löchrige Dächer oder unzumutbare Toiletten: Schon 2001 beklagte der Verband Bildung und Erziehung den miserablen Zustand vieler Schulen im Land. Passiert ist seitdem offensichtlich nicht viel. Von Christian Schwerdtfeger und Unseren Lokalredaktionen

Derzeit müssen sich die Schüler des Haaner Gymnasiums warm anziehen, wenn sie zur Schule kommen – und das liegt nicht am Unterricht. Die Heizung des maroden Gebäudes schafft es nicht, die Klassenräume bei winterlichen Temperaturen aufzuheizen. Es habe schon Tage gegeben, da saßen Klassen im Wollmantel über der Mathematikarbeit, berichten Schüler.

Zudem ist das Gebäude mit Asbest verseucht; die höchste Belastung misst man ausgerechnet im Büro des Schulleiters. Es wird aber wohl noch eine ganze Weile dauern, bis die Schüler des Gymnasiums im Winter nicht mehr frieren müssen und keinen giftigen Stoffen ausgesetzt sind. Der Neubau der Schule soll erst 2019 fertiggestellt sein.

Teils massive Schäden

Wie das Haaner Gymnasium weisen offenbar viele Schulgebäude in Nordrhein-Westfalen erhebliche Mängel auf. Das ergab eine Umfrage des Westdeutschen Rundfunks (WDR) unter allen 4873 Grundschulen, Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien und Gesamtschulen des Landes. 1021 Schulleitungen beteiligten sich an der Befragung.

Demnach weisen 85 Prozent der Schulen zum Teil massive Schäden an Klassenräumen, Toiletten, Sporthallen, Dächern, Aula, Schulhof oder Verwaltungsgebäuden auf. Die Rektoren beklagten sich am meisten über unzumutbare Toiletten, Schimmel, kaputte Heizungen sowie undichte Fenster und Türen. Häufig seien die Schäden schon seit vielen Jahren bekannt, doch für Reparaturen fehle das Geld.

Tatsächlich weisen die kommunalen Schulträger und Verbände seit vielen Jahren auf den Sanierungsstau an den Gebäuden hin. Schon 2001 beklagte der Verband Bildung und Erziehung den miserablen Zustand vieler Schulen im Land. Die damalige Landesregierung gelobte Besserung.

Doch offensichtlich ist seitdem nicht viel passiert. In Hückelhoven-Hilfarth ist das Gebäude der örtlichen Grundschule so alt (Baujahr 1953), dass es schon lange keine Ersatzteile mehr für die jedoch dringend benötigten Deckenheizungen gibt. Ein Neubau ist zwar geplant; Baubeginn ist jedoch frühestens 2018/2019. Auch im vergleichsweise reichen Düsseldorf, wo in den vergangenen Jahren viel Geld für Sanierungen in die Hand genommen worden ist und wird, gibt es Missstände. Ein bekannter Fall ist das Heinrich-Hertz-Berufskolleg, wo es in naturwissenschaftlichen Räumen von der Decke getropft hat. Der Trakt wird nun neu gebaut. Der Erweiterungsbau soll im Herbst 2018 fertig sein.

Sanierungsarbeiten in den Ferien

In Kleve muss das Konrad-Adenauer-Gymnasium (Baujahr 1969) dringend energetisch saniert werden. Die Außendämmung ist unzureichend, die Fenster sind zu durchlässig. Im Winter fiel bereits mehrfach Unterricht aus. Die Stadt sucht seit Jahren nach einer Lösung und wägt ab zwischen Sanierung, Teilabriss und Neubau. Ein Neubau scheint derzeit am wahrscheinlichsten.

In Neuss werden neben vielen anderen Maßnahmen bis 2020 alle Schultoiletten saniert. In Radevormwald fiel erst im Dezember in der städtischen Grundschule eine Deckenplatte herunter. Das Gebäude wurde für nicht mehr sicher erklärt. Die 180 Kinder werden seitdem im Gebäude der Hauptschule unterrichtet. Die Städte Viersen und Moers melden nach eigenen Angaben hingegen derzeit keine maroden Schulgebäude. In fast allen Städten finden die Sanierungsarbeiten in der Regel in den Ferien statt, damit es zu keinem Unterrichtsausfall kommt.

Sparzwänge als Begründung

Das Schulministerium schiebt die Verantwortung für die maroden Schulgebäude auf die Städte und verweist auf das nordrhein-westfälische Schulgesetz, wonach es die Kommunen sind, die die Instandsetzung der Gebäude (und die Kosten dafür) zu verantworten haben. Den meisten Kommunen fehlt dafür jedoch schon seit Jahren das Geld. Sie könnten wegen Sparzwängen die Investitionen zu Erhalt und Sanierung schlichtweg nicht bezahlen, kritisierte der Städtetag NRW und forderte deshalb ein Sonderinvestitionsprogramm des Landes zur Instandhaltung der Schulbauten. Im zuständigen Ministerium verweist man darauf, dass man die Kommunen jährlich mit einer Bildungspauschale in Höhe von 600 Millionen Euro unterstütze.

Drei Milliarden Euro

Das sei jedoch viel zu wenig, sagen Experten, zumal der aktuelle Sanierungsbedarf schon auf rund drei Milliarden Euro geschätzt werde. Brigitte Balbach, Vorsitzende des Verbandes Lehrer NRW, kritisierte, dass sich das Schulministerium wieder einmal aus der Verantwortung stehle. Für Regine Schwarzhoff, Vorsitzende der Landeselternschaft, ist das Maß voll. "Das Bildungssystem wird von den jeweiligen Landesregierungen immer als Sparschwein missbraucht", sagte Schwarzhoff. "Es muss dringend ein Umdenken einsetzen. Unsere Kinder müssen gut ausgebildet werden - und dazu gehört auch ein vernünftiges Lernumfeld."

In Haan ist nicht nur das Gymnasium in einem miserablen Zustand, auch die Grundschule Gruiten ist viel zu alt und zu schmutzig. Die Toilettenanlagen stinken zum Himmel, berichten Eltern und Kinder. Außerdem sei das Gebäude für den Ganztagsbetrieb viel zu klein. Ein Erweiterungs- und Sanierungsbau soll kommen. Doch wann, ist ungewiss. Bislang gibt es dafür bei der Stadt nur Planspiele.

Quelle: RP
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