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NRW und Hannover
Risikogruppe junge Fahrer – sechs Tote bei Unfällen

Tödlicher Autounfall in Moers
Neukirchen-Vluyn. Es ist eine traurige Bilanz des Wochenendes: Bei Auto-Unfällen in Neukirchen-Vluyn gab es zwei Tote, in Münster einen, bei Hannover drei – alle Opfer waren um die 20 Jahre alt und gehören damit am Steuer zu einer Hochrisikogruppe. Von Stefan Gilsbach und Martina Stöcker

An der Unfallstelle steht schon Stunden nach dem tödlichen Unfall ein Kreuz. Freunde haben Kerzen, Briefe und andere Erinnerungsstücke aufgestellt. Ein Foto zeigt zwei junge Frauen, die vor einem Spiegel ein Selfie machen, beide haben die Lippen zu einem Kussmund geformt. "Mir fehlen die Worte, ich kann nicht begreifen, was passiert ist", steht auf einem Zettel, der ebenfalls an der Unglücksstelle liegt. "Du wirst mir unendlich fehlen." Ein Mädchen auf dem Foto ist tot: Die 18-Jährige kam in der Nacht zu Samstag in Neukirchen-Vluyn (Kreis Wesel) bei einem Autounfall ums Leben – sie und der gleichaltrige Fahrer starben noch an der Unfallstelle.

Lutz Reimann leitet die Feuerwehr in Neukirchen-Vluyn. Er war in der Nacht am Unfallort. "Ich bin seit 35 Jahren dabei, aber so einen Einsatz habe ich noch nicht erlebt", sagt der 50-Jährige. Das Auto sei völlig deformiert gewesen. Laut Polizeiangaben war das Fahrzeug von der Straße abgekommen und mit der Beifahrerseite gegen einen Baum geprallt. Der Aufprall war so heftig, dass alle vier Insassen in dem Wrack eingeklemmt waren.

Erste Ergebnisse zur Unfallursache in kommenden Tagen

Die Insassen wurden mit Hilfe von Spreizer und Schere befreit. Die 18 und 19 Jahre alten Begleiter auf der Rückbank kamen schwer verletzt ins Krankenhaus. Die schrecklichen Bilder der Nacht wirken auch bei den Feuerwehrleuten nach. Sie nähmen nun psychologische Betreuung in Anspruch, sagt der Wehrführer. Alle Einsatzkräfte hoffen, dass die beiden überlebenden Jugendlichen gesund werden: "Dann haben wir doch etwas bewirken können."

Über die Ursache des Unfalls gebe es noch keine verlässlichen Aussagen, teilte am Sonntag die Polizei im Kreis Wesel mit. Die Spuren lassen darauf schließen, dass der Wagen nach rechts auf den Grünstreifen geraten war und dann nach links gegen den Baum geschleudert wurde. Erste Ergebnisse der Ermittlungen werden für die kommenden Tagen erwartet.

In Münster stirbt ein 19-jähriger Beifahrer

Nicht nur in Neukirchen-Vluyn trauern Angehörige und Freunde um junge Unfallopfer. Auch in Münster ist am Wochenende ein 19-jähriger Beifahrer ums Leben gekommen, als ein 18-Jähriger wohl die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor und es in einen Kanal stürzte. Der Fahrer wurde schwer verletzt, rettete sich aber selbst ans Ufer. Der Beifahrer konnte sich nicht aus eigener Kraft befreien und starb trotz der Reanimationsversuche der Rettungskräfte vor Ort. Erste Ermittlungen hätten ergeben, dass der 18-Jährige vor der Fahrt Alkohol getrunken habe, erklärte die Polizei.

Einen besonders schweren Unfall gab es am Wochenende auch in Niedersachsen: Eine Gruppe junger Erwachsener ist am Sonntag am frühen Morgen auf gerader Strecke bei Hannover verunglückt, drei von ihnen starben noch am Unfallort. Das Auto war ebenfalls von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Unter den Opfern ist der Nachwuchsspieler Niklas Feierabend (19) von Fußball-Bundesligist Hannover 96, der als eines der größten Talente beim Absteiger galt.

Die Ermittler starteten einen Zeugenaufruf, um Klarheit in das Unfallgeschehen zu bringen. Fest steht, dass kein weiteres Auto an dem Unfall südlich von Hannover beteiligt war. Ein Autofahrer leistete Erste Hilfe und zog den verletzten Fahrer (21) und Beifahrer (18) aus dem Wrack. Die drei Todesopfer, eine 18-Jährige, ein Gleichaltriger und der 19-jährige Feierabend, hatten auf der Rückbank gesessen.

Jugendlicher Leichtsinn größter Killer im Straßenverkehr

Zumindest in zwei Fällen deutet vieles auf zu hohe Geschwindigkeit und eventuellen Alkoholkonsum hin, bei dem Unfall in Neukirchen-Vluyn gibt es noch keine genauen Erkenntnisse. Nach Angaben der Deutschen Verkehrswacht ist die Gruppe der 18- bis 24-jährigen Autofahrer besonders gefährdet bei nächtlichen Heimfahrten und gemessen an ihrem Anteil an der Bevölkerung überproportional häufig in schwere und tödliche Unfälle verwickelt. Laut Unfallforschern hätten besonders junge Verkehrsteilnehmer ein "zu großes subjektives Sicherheitsgefühl". Das heißt, sie überschätzen sich und nehmen Gefahren anders wahr.

Der größte Killer im Straßenverkehr ist deshalb der jugendliche Leichtsinn. Die drei jungen Menschen, die bei Hannover auf der Rückbank starben, waren laut ersten Polizeiangaben alle nicht angeschnallt. "Es deutet derzeit vieles darauf hin, dass das so ist", sagte ein Sprecher.

Quelle: RP
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