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Asylpolitik
Zahl der Abschiebungen an NRW-Flughäfen weiter gestiegen

NRW: Zahl der Abschiebungen an Flughäfen weiter gestiegen
Abgelehnte Asylbewerber steigen in ein Flugzeug (Archivbild). FOTO: dpa
Düsseldorf. Immer mehr Asylbewerber werden abgeschoben. Im Schnitt startet einmal pro Woche in Düsseldorf ein Charterflieger in die Herkunftsländer. Die Sorge der Abschiebungsbeobachter steigt, weil die Zahl der Einsätze weiter deutlich zunehmen wird.

Die Zahl der Abschiebungen, die über NRW-Flughäfen abgewickelt werden, geht weiter deutlich nach oben. Nach einem Anstieg im vergangenen Jahr erwarten Experten auch in den kommenden Monaten eine deutliche Zunahme. Im Jahr 2016 seien insgesamt 4921 Asylsuchende aus NRW über den Düsseldorfer Flughafen abgeschoben worden, 40 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Weitere 80 wurden über den Airport Köln/Bonn in ihre Herkunftsländer zurückgeflogen, teilten Vertreter der Bundespolizei und der Kirchen am Freitag in Düsseldorf mit. Gründe für den Anstieg seien die schnelleren Asylentscheidungen der Behörden, strengere Vorgaben sowie die stark steigenden Flüchtlingszahlen in den vergangenen Jahren.

"Alle müssen sich darauf einstellen, das die Zahl der Abschiebungen weiter steigen wird", sagte der zuständige Abteilungsleiter im Innenministerium, Burkhard Schnieder. "Das ist die Kehrseite der Flüchtlingskrise."

Die meisten Menschen wurden in südosteuropäische Länder wie Kosovo, Serbien, Albanien und Mazedonien zurückgebracht - oft per Sammelabschiebungen vom Flughafen Düsseldorf aus. Aber auch Aserbaidschan, Georgien und Armenien würden inzwischen angeflogen. Zuletzt hatten Sammelabschiebungen nach Afghanistan über den Flughafen Frankfurt für heftige Kritik gesorgt.

"Die Abschiebungsbeobachtung wird nach wie vor freiwillig organisiert, sie sollte aber gesetzlich verankert sein", forderte der evangelische Kirchenrat Rafael Nikodemus. "Wir spüren auch, dass der Druck auf die Behörden und auch auf die Betroffenen zunimmt." Nikodemus ist Moderator des vor 15 Jahren von Kirchen, Behörden und Organisationen gegründeten "Forum Flughäfen in NRW", das Abschiebungen transparenter machen soll und den Jahresbericht erstellt.

Die Abschiebungsbeobachterin der Diakonie Rheinland/Westfalen-Lippe, Dalia Höhne, forderte angesichts der steigenden Zahlen Verstärkung. "Es wäre gut, eine zweite Person zu haben." Sie dürfe nur stichprobenartig die Abschiebungen am Flughafen beobachten. Ihre Aufgabe ende an der Flugzeugtür. Problematisch sind nach ihrer Erfahrung Ansicht besonders Abschiebungen von Kranken sowie Familientrennungen.

(lsa/lnw)
 
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