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Flüchtlingsheim in Burbach
Offenbar 38 Angeklagte im Misshandlungsskandal

Misshandlungs-Vorwürfe: das Flüchtlingsheim in Burbach
Misshandlungs-Vorwürfe: das Flüchtlingsheim in Burbach FOTO: dpa, fg jhe
Düsseldorf. Die Staatsanwaltschaft soll im Fall der Misshandlungen im Flüchtlingsheim in Burbach gegen 38 Personen Anklage erhoben haben. Darunter sollen auch zwei Mitarbeiter der Bezirksregierung sein. Das geht aus einem Medienbericht hervor.

Zweieinhalb Jahre nach dem Misshandlungsskandal in der Flüchtlingsunterkunft soll die Staatsanwaltschaft Siegen Anklage erhoben erhoben haben. Das berichtet die Westdeutsche Allgemeinen Zeitung (WAZ). Demnach sollen sich neben 35 Mitarbeitern des damaligen Heimbetreibers "European Homecare" und des zuständigen Wachdienstes auch ein ehemaliger Polizist aus Rheinland-Pfalz sowie zwei Mitarbeiter der Bezirksregierung Arnsberg verantworten müssen.

Den beiden Regierungsbediensteten wird laut WAZ Freiheitsberaubung durch Unterlassen in 13 Fällen vorgeworfen. Sie sollen bereits Anfang Juni 2014 davon gewusst haben, dass Flüchtlinge in einem "Problemzimmer" der Burbacher Einrichtung von Wachleuten eingesperrt und gequält wurden.

Das Foto stammt aus einem Video, das zeigt, wie das Wachpersonal einen Flüchtling demütigt und misshandelt. FOTO: Polizei

Im September 2014 waren Handy-Fotos öffentlich geworden, die Misshandlungen von Flüchtlingen in der ehemaligen Siegerlandkaserne zeigten. Wachleute zwangen ihre Schutzbefohlenen auf eine mit Erbrochenem verschmutzte Matratze und posierten mit dem Fuß im Nacken ihrer Opfer. Die Bilder lösten bundesweit Entsetzen aus.

Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sollen in Burbach bereits ab Ende 2013 immer wieder Flüchtlinge in das "Problemzimmer" eingesperrt worden sein. 59 Fallakten seien in die Anklage eingegangen, in 65 Fällen dauerten die Ermittlungen an. Die Freiheitsberaubung habe teilweise über mehrere Tage angedauert, in mehreren Fällen soll es zur Anwendung von Gewalt gekommen sein, berichtet die WAZ weiter.

Fotos: Ermittler durchsuchen Firmenzentrale FOTO: ANC News

Der Tatverdacht gegen Polizeibeamte der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein, die ebenfalls vom "Problemzimmer" gewusst haben sollen, konnte demnach nicht erhärtet werden. Als einziger Polizist soll ein ehemaliger Beamter aus Rheinland-Pfalz angeklagt sein, dessen Frau eine in Burbach tätige Wachdienstfirma führte. Er soll von den Misshandlungen erfahren haben, aber nicht eingeschritten sein.

 

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