| 21.11 Uhr

Düsseldorf/Marseille
Ein Flugzeug mit 44 Särgen

Opfer des Germanwings-Absturzes kehren zurück
Die Lufthansa-Maschine mit den Särgen der Opfer landet am späten Dienstagabend in Düsseldorf. FOTO: ap
Düsseldorf/Marseille. Als die Niederlande die Opfer des abgeschossenen Malaysian Airlines Jets zurückholten, war dies ein Staatsakt. Eher zurückhaltend läuft dagegen die Rückkehr der Opfer des Germanwings-Absturzes. Wir erklären die Abläufe. Von Matthias Beermann und Reinhard Kowalewsky

Was für ein Kontrast: Als die Niederlande die Opfer des Absturzes über der Ukraine abholten, luden Soldaten die Särge aus den Flugzeugen, Königin Maxima war anwesend. In einem Konvoi der Trauer wurden die ersten 40 Särge 100 Kilometer zu einer Kaserne gebracht. Menschen standen Spalier - ganz Holland trauerte.

Zurückhaltender läuft dagegen die Rückkehr von 44 Opfern des Gemanwings-Absturzes nach Düsseldorf. Die Frachtmaschine von Lufthansa sollte erst abends um 22.30 Uhr landen. Dann werden die Särge in einer Halle aufgebahrt. Heute werden Beerdigungsunternehmer die Särge ab 14 Uhr überführen - Lufthansa und Germanwings wollen für eine "würdevolle Übergabe" am Vormittag sorgen. Es wird ein Konvoi mit rund 16 Beerdigungswagen nach Haltern am See fahren, um da die Särge von Schülern des dortigen Joseph-König-Gymnasiums zu übergeben. Es wird für diesen Konvoi relativ umfangreichen Geleitschutz der Polizei geben.

Die vergleichsweise zurückhaltende Rückholung der Opfer hat mehrere Gründe: So scheint es aus dem Kreis der Opfer-Familien keinen Wunsch gegeben zu haben, die Rückkehr ihrer Lieben zu einer offiziellen Angelegenheit zu machen. "Wir folgen allein den Wünschen der Familien", sagt ein Sprecher von Germanwings, "und es gibt den Wunsch, diese letzte Etappe auf dem Weg der Opfer nun eher im kleinen Kreis zu begehen."

Germanwings-Trauerfeier im Kölner Dom FOTO: dpa, pg

Weder Bundesregierung noch NRW-Landesregierung drängten darauf, die Rückkehr der Opfer zu einer staatlichen Angelegenheit zu machen. "Es gab die Trauerfeier im Kölner Dom, die Bundeskanzlerin war mit NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) an der Absturzstelle, es gab die Besuche an der Schule in Haltern - danach hielt die Politik es für klüger, sich zurückzuhalten", sagt der Opferanwalt Elmar Giemulla. NRW-Regierungssprecher Thomas Breustedt bestätigt das: "Die Rückführung folgt nur den Wünschen der Angehörigen."

Haltern am See: Gedenkgottesdienst für Absturz-Opfer FOTO: dpa, mb cul

Eine Rolle spielt auch, dass die Niederlande von dem Absturz noch schlimmer getroffen wurden als Deutschland. Es gab mehr Opfer in einem deutlich kleineren Land. "Deutschland hat sicher großes Mitgefühl mit den Opferfamilien gehabt", sagt der Niederlande-Experte Ralf Grüttemeier von der Universität Oldenburg, "aber die Betroffenheit wegen des Absturzes von Malaysian Airlines war bei unseren Nachbarn noch größer. Fast jeder kannte indirekt eines der Opfer." Grüttemeier ergänzt: "Die Niederlande sehen sich auch traditionell stärker als Gemeinschaft als die Deutschen und demonstrieren dies stärker mit staatlichen Akten."

Mit den Wünschen der Angehörigen scheint auch zusammenzuhängen, dass nur die sterblichen Überreste von 44 der 72 deutschen Opfer nach Düsseldorf überführt werden. So soll eine Reihe an Familien Germanwings gebeten haben, die Särge ihrer Angehörigen direkt zu anderen Städten in Deutschland oder in andere Länder zu bringen.

Fotos: Gedenkfeier für Germanwings-Opfer FOTO: dpa, dcm pt

Noch immer verärgert sind viele Angehörige und ihre Anwälte über das Hin und Her beim Termin für die Rückführung. Der Bürgermeister von Prads-Haute-Bléone, dem der Absturzstelle des Germanwings-Fluges am nächsten gelegenen Dorfes in den französischen Alpen, bedauerte die Verzögerungen bei der Ausstellung der Totenscheine. "Aber das lag vielfach auch an den Geburtsurkunden, die wir erhalten haben, um den Tod amtlich zu bestätigen. Viele davon waren für uns nicht einfach zu entziffern", begründete Bernard Bartolini im französischen Fernsehen.

Normalerweise stelle die 186-Einwohner-Gemeinde übers Jahr nur fünf bis sechs Totenscheine aus. "Und da waren es plötzlich 150 auf einen Schlag, die wir in Rekordzeit bearbeiten mussten."

Quelle: RP
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