| 20.29 Uhr

Streit auf dem Schulhof
Schulen verbieten Panini-Bildertausch

Panini: Schulen verbieten Bildertausch
Simon (7) und Matti (8) dürfen in ihrer Grundschule in Düsseldorf keine Panini-Bilder tauschen. Dazu müssen sich die Kinder außerhalb des Schulgeländes treffen. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Weil immer mehr Schüler beim Sammeln und Tauschen der Bildchen in Streit geraten, sind diese in vielen Schulen nicht mehr erlaubt. Auch an einer Verteilaktion kostenloser Alben gibt es Kritik seitens der Schulleiter. Von Lena Köhnlein und Tim Specks

An der Städtischen Gemeinschaftsgrundschule am Bingener Weg in Düsseldorf ist das Tauschen und Sammeln von Paninibildchen verboten - außer am Mittwoch. Dann ist Spieletag an der Schule. "Da dürfen die Kinder auch Panini-Bilder sowie -Alben mitbringen", sagt Schulleiter Norbert von Gisteren. Allerdings würden sie dabei besonders beaufsichtigt. Denn an den Grundschulen gibt es häufig Streit um die Bildchen. Zudem sei das Sammeln auch eine sehr kostspielige Angelegenheit. "Nicht alle können sich das Sammeln der Bilder leisten."

"Es kommt immer wieder zu Streit"

Deshalb sind an vielen Grundschulen die Panini-Hefte verboten, der Klassiker des Sammelalbums. Mit Begeisterung sammeln und tauschen zwar viele Schüler die dazugehörigen Panini-Sticker - Klebebilder, auf denen die Spieler aller teilnehmenden Mannschaften abgebildet sind. "Es kommt aber immer wieder zu Streitigkeiten zwischen unseren Kindern", berichtet eine Grundschulleiterin aus Düsseldorf. An ihrer Schule ist das Tauschen deshalb auch nicht erlaubt. Die Kinder, sagt die Direktorin, würden sich gegenseitig vorwerfen, Sticker gestohlen zu haben, oder sich darüber ärgern, dass sie ein wertvolles Bild gegen ein weniger begehrtes Exemplar getauscht hätten. Auch an der Grundschule Bogenstraße in Solingen sind Alben und Sticker untersagt worden. Grund hierfür sei etwa, dass sich die Schülerschaft in zwei Gruppen aufteile - Sammler und Nicht-Sammler. Dies könne nicht Ziel des gemeinsamen Lernens sein, heißt es von der Schule.

20 Tage sind es noch bis zum Anpfiff der Fußballeuropameisterschaft in Frankreich. Nicht nur Erwachsene fiebern dem Turnier entgegen, die EM hat viele Kinder in eine Art Sammel-Rausch versetzt. Für ihre Leidenschaft investieren sie dabei verhältnismäßig große Summen: Ein Päckchen mit fünf Bildern kostet 70 Cent - eine stolze Summe für einen Grundschüler.

Soll das Album voll werden, müssen gar 680 verschiedene Klebebilder gesammelt werden. Hinzu kommt, dass die richtigen Karten oft auf sich warten lassen oder sich kein geeigneter Tauschpartner finden lässt. Mathematiker gehen davon aus, dass (Tausch und Nachkauf nicht berücksichtigt) im Mittel rund 4800 Bilder gekauft werden müssten, um das Panini-Heft voll zu bekommen. Bei 14 Cent pro Sticker macht das einen Preis von rund 670 Euro.

"Damit wollen wir nichts zu tun haben"

Besonders erzürnt sind viele Direktoren aber darüber, dass bundesweit Kartons mit Panini-Sammelalben an Schulen verteilt wurden - ohne die dazugehörigen Klebebilder der Spieler - quasi als Lockmittel. "Das ist Sponsoring, und vor allem sieht es so aus, als würden wir als Schule dahinter stehen, wenn wir die Alben verteilen", sagt eine Düsseldorfer Grundschulleiterin, die nicht namentlich genannt werden möchte. "Man fordert mit der Aktion die Eltern und Kinder auf, Geld auszugeben. Damit wollen wir nichts zu tun haben", sagt sie.

Und das dürfen die Schulen auch gar nicht: "Panini-Alben und Bilder sind Werbung, die nicht schulischen Zwecken dient", heißt es von Seiten der Bezirksregierung in Düsseldorf. Deshalb dürften die Sammelalben von Schulen eigentlich nicht ausgeteilt werden. Ein Verbot aber musste die Bezirksregierung nicht aussprechen: Laut Schulgesetz ist eine solche Art der Werbung grundsätzlich unzulässig. Darüber seien die Schulen informiert, heißt es. Die meisten Schulen scheinen sich an die Vorgaben zu halten. Bei einer stichprobenartigen Überprüfung hätten die verantwortlichen Schulaufsichten festgestellt, "dass die Grundschulen, die mit diesen Alben versorgt worden sind, die Hefte an den Absender zurückgeschickt oder entsorgt haben", so eine Sprecherin der Bezirksregierung.

Zum Tauschen der Sticker müssen viele Schüler das Schulgelände also künftig erst verlassen. Das gilt nicht nur während der EM - auch die Bilder von Batman, Star Wars und der Eiskönigin wurden vielerorts von den Schulhöfen verbannt.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Panini: Schulen verbieten Bildertausch


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.