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Pannenserie in Atomkraftwerken
Belgien verhält sich egoistisch

Pannenserie in Atomkraftwerken: Belgien verhält sich egoistisch
FOTO: RP
Meinung | Düsseldorf. Belgiens ältester Reaktor Doel 1 hat sich am Samstag automatisch abschaltet. Eine weitere Panne bei den Atommeilern des Landes. Belgiens Vizepremier Jan Jambon versucht, das Problem herunterzuspielen. Das ist egoistisch. Von Detlev Hüwel

Man kann darüber streiten, ob der Radikalausstieg aus der Atomenergie, den Bundeskanzlerin Angela Merkel verordnet hat, die richtige Antwort auf die Fukushima-Katastrophe 2011 gewesen ist. Zumal die deutschen Kernkraftwerke einen hohen Sicherheitsstandard bieten. Aber darüber, wie sich Belgien derzeit in Sachen Atomstrom verhält, kann es keine Diskussionen geben.

Das Nachbarland verhält sich höchst egoistisch, indem es alle Bedenken der Anrainer gegen seine Schrott-Reaktoren als unbegründet zurückweist. Statt die alten Atomkraftwerke abzuschalten, hat die belgische Regierung deren Laufzeit noch bis 2025 verlängert.

Dabei reißt die gefährliche Pannenserie nicht ab. Nachdem das AKW Tihange, das nur 70 Kilometer von Aachen entfernt ist, nach einer Selbstabschaltung kurz vor Weihnachten unter Protest der Bevölkerung wieder angefahren worden ist, wird jetzt ein Störfall aus dem ältesten belgischen Meiler Doel bei Antwerpen gemeldet. Immer heißt es beschwichtigend, dass keine Gefahr für die Mitarbeiter und die Umgebung der Meiler bestehe.

Doch mit solchen Floskeln kann und darf man sich nicht zufrieden geben. Wenn nicht in diesem hoch sensiblen Bereich, wo sonst sollte es ein striktes Kontrollmanagement geben? Wenn die belgische Regierung von sich aus keine Möglichkeit sieht oder sehen will, den AKW-Betreiber "Electrabel" zur Raison zu bringen, muss die Europäische Union eben handeln. NRW-Umweltminister Johannes Remmel fordert zu Recht eine Überprüfung der Sicherheitsstandards in belgischen Reaktoren durch die EU.

Nordrhein-Westfalen muss an einem verschärften Kontrollsystem und notfalls zwangsweisen Abschaltungen allergrößtes Interesse haben, denn die gefährlichen Reaktoren befinden sich gleich "vor der Haustür". Ein gravierender Störfall hätte unabsehbare Folgen für die Menschen an Rhein und Ruhr. Das muss die belgische Regierung endlich begreifen.

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