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Pflege
Schwierige Suche nach dem richtigen Heim

Pflege in NRW: Schwierige Suche nach dem richtigen Heim
Wir geben einen Überblick, was die Pflegebedürftigen für ihr Geld erhalten. FOTO: dpa
Düsseldorf. Wie gut sind die Altenheime in der Region? Verschiedene Prüfberichte liegen vor, die Ergebnisse aber sind nicht aussagekräftig. Von Saskia Nothofer

Pflege in NRW ist teuer. Im Vergleich der Pflegekosten zwischen den Ländern liegt NRW auf Platz zwei, nur das Saarland ist teurer. So zahlen Menschen mit Pflegestufe zwei (je nach Umfang des Hilfebedarfs werden Pflegebedürftige einer von drei Pflegestufen zugeordnet) bundesweit im Schnitt etwa 2500 Euro pro Monat, in NRW fallen rund 3000 Euro an. Am billigsten ist es in Sachsen mit etwa 2060 Euro. Aber was bekommen die Pflegebedürftigen für das Geld? Ein Überblick.

Medizinischer Dienst der Krankenkassen

Um die Qualität zu testen, werden Heime jährlich vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) geprüft und erhalten eine Pflegenote. Die meisten Heime schneiden in den Berichten "sehr gut" ab, der Notendurchschnitt liegt bundesweit bei 1,2.

Tatsächlich sagt die Note aber leider kaum etwas aus über die Qualität der Pflege: Ein gut lesbarer Speiseplan kann nämlich einen mangelhaften Umgang mit Medikamenten im Endergebnis ausgleichen. "Die Pflegenoten und die dazugehörigen Transparenzberichte sind gescheitert", sagt Karl-Josef Laumann (CDU), Patientenbeauftragter der Bundesregierung. "Darum sollten Bürger die aktuellen Pflegenoten ignorieren." Eine Initiative Laumanns, durch die das Benotungssystem reformiert werden sollte, scheiterte. 2018 soll es ein neues System geben. "Wir brauchen endlich eine belastbare, aussagekräftige und transparente Qualitätsdarstellung in der Pflege, die die Menschen verstehen."

Das zeichnet ein gutes Pflegeheim aus FOTO: Radowski

Bis das neue Transparenzsystem steht, sollten die Bürger stattdessen selbst die Einrichtungen vor Ort besuchen und mit den Menschen dort reden. "Das ist derzeit der beste Weg, um sich ein möglichst realistisches Bild von einem Heim zu machen", sagt Laumann.

Um aus den Prüfberichten dennoch Informationen zu ziehen, hat das Recherchezentrum "Correctiv" die MDK-Berichte ausgewertet. Dabei haben sie aus den 77 vom MDK erfassten Kriterien fünf Bereiche heraus gelöst: die Versorgung mit Nahrung und Flüssigkeit; den Umgang mit Schmerzpatienten; den Umgang mit Inkontinenz; die Versorgung von Wunden und die medizinische Versorgung. Hat ein Heim in den MDK-Berichten bei einem der Punkte keine 100 Prozent positive Bewertung bekommen, wertet "Correctiv" dies als Indiz dafür, dass es Probleme geben könnte und Interessenten Vorsicht walten lassen sollten. Über die Schwere eines Fehlers lässt sich nichts sagen. Wir haben die Daten für unsere Region ausgewertet und können so Kreise und Städte vergleichen.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Kreis Kleve in Bezug auf die ausreichende Versorgung mit Nahrung und Flüssigkeit am schlechtesten abschneidet. Fast 27 Prozent der Heime fallen negativ auf. Am niedrigsten ist der Anteil im Kreis Heinsberg mit knapp drei Prozent. Beim Umgang mit Schmerzpatienten schneidet Krefeld am schlechtesten ab. Bei etwa 28 Prozent der Heime gibt es negative Auffälligkeiten. Am niedrigsten ist der Anteil in Leverkusen mit sechs Prozent. Düsseldorf schneidet beim Umgang mit Inkontinenz am schlechtesten ab. Bei rund 21 Prozent der Heime liegen Indizien für einen unsachgemäßen Umgang vor. Im Kreis Heinsberg gibt es mit einem Anteil von knapp 1,5 Prozent die wenigsten. Bei der Versorgung von Wunden zeigen Heime in Viersen mit einem Anteil von etwa 43 Prozent die meisten negativen Auffälligkeiten. Die wenigsten gibt es mit 21 Prozent im Kreis Heinsberg. Bei der medizinischen Versorgung schneidet Leverkusen am schlechtesten ab. In fast 69 Prozent der Heime gibt es negative Auffälligkeiten. Im Kreis Heinsberg sind es 25 Prozent der Heime. Unter www.pflegelotse.de sind Untersuchungsberichte des MDK zu finden.

Heimaufsicht

Alle ein bis zwei Jahre prüfen staatliche Heimaufsichten die Heime und schreiben einen Qualitätsbericht. Auch sie sind kein eindeutiger Beweis für die Qualität eines Heims. In Düsseldorf etwa gibt es im Schnitt nur sechs Vollzeit-Mitarbeiter für die Betreuung von 254 Pflegeeinrichtungen (Altenheime, Hospize etc.). Das Wohn- und Teilhabegesetz NRW schreibt den Heimaufsichten eine Veröffentlichung der wesentlichen Ergebnisse der Regelprüfungen vor. Bei den meisten Heimaufsichten stehen Ergebnisberichte zum Herunterladen bereit.

Mit dieser Datenbank können Sie die Berichte von 136 Heimen abrufen. Düsseldorf, Krefeld, Remscheid und Rhein-Kreis Neuss haben bisher keine Berichte online gestellt, nach Aussage der Heimaufsichten soll dies in den kommenden Monaten geschehen.

Pflegeheim-Datenbank

Statistisches Landesamt

Auch die Daten des Statistischen Landesamts (Stand 2013) können Aufschluss über die Qualität der Heime geben. Zumindest theoretisch. "Correctiv" hat dafür die Daten in Bezug auf den Anteil der Mehrbettzimmer, der Teilzeit- und Hilfskräfte (Betreuungskräfte, die vorlesen, spielen, aber nicht pflegen oder Essen anreichen dürfen) sowie auf die Auslastung der Pflegeheime untersucht.

Für den Anteil der Mehrbettzimmer wurde die Zahl der Zimmer ausgewertet, die zwei, drei, vier oder sogar noch mehr Betten haben. In NRW müssen ab 2018 in jedem Pflegeheim 80 Prozent aller Zimmer Einzelzimmer sein. Bundesweit liegt der Anteil an Einzelzimmern derzeit bei knapp 60 Prozent. NRW liegt mit einem Anteil von 68 Prozent über dem Schnitt. Je nach Region schwankt der Anteil. Während in Solingen, Düsseldorf und im Kreis Heinsberg rund 60 Prozent Einzelzimmer vorhanden sind, sind es in Krefeld, Mönchengladbach und Leverkusen rund 80 Prozent.

Die Pflegeheime in der Region.

Ein hoher Anteil an Teilzeitkräften kann ein Zeichen dafür sein, dass die Pflegequalität schlechter wird. Je mehr unterschiedliche Mitarbeiter in einem Heim arbeiten, desto anstrengender kann es für die Bewohner sein. Der Anteil der Teilzeit-Kräfte in NRW liegt bei 54 Prozent und ist damit im bundesweiten Vergleich unter dem Schnitt von etwa 63 Prozent. In Krefeld und im Kreis Kleve sind mit einem Anteil von etwa 58 Prozent die meisten Teilzeit-Kräfte angestellt. In Düsseldorf und im Kreis Mettmann mit 42 Prozent die wenigsten.

Ein hoher Anteil an Hilfskräften ohne Pflegeausbildung kann zwei Dinge bedeuten: Entweder investieren die Heime in der Region viel in zusätzliche Betreuung. Oder sie nutzen billige Hilfskräfte für Arbeiten aus, die Pfleger erledigen sollten. In NRW ist der Anteil mit 4,7 Prozent gering. In den Kreisen Kleve und Heinsberg sowie in Viersen ist er mit rund fünf Prozent am höchsten. In Heimen in Krefeld und Remscheid gibt es mit einem Anteil von etwa zwei Prozent die wenigsten.

Zudem hat "Correctiv" die Zahl der Pflegeplätze in vollstationären Pflegeheimen mit der Zahl der Pflegebedürftigen verglichen. Kommt es zu einer Überlastung, müssen Pflegebedürftige auf Nachbarkreise ausweichen. Die Auswertung zeigt, dass Baden-Württemberg und NRW am stärksten ausgelastet sind. Nur drei Prozent der Betten in NRW sind frei. Besonders in Mönchengladbach, Viersen, Remscheid und im Kreis Heinsberg sind die Heime zu rund 105 Prozent belegt. Anders im Oberbergischen Kreis: auf 3488 Betten kommen 2940 Pflegebedürftige.

Quelle: RP
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