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Verdeckte Ermittler
"Ein Zivilfahnder muss flexibel und kreativ sein"

Polizisten in Zivil: "Zivilfahnder müssen flexibel und kreativ sein"
Täter in Handschellen packen – Zivilfahnder ertappen Kriminelle oft auf frischer Tat. FOTO: Boris Roessler
Düsseldorf/Essen. Bei einem Festival in Essen haben Zivilfahnder am Wochenende eine Gruppe von Grapschern auf frischer Tat ertappt. Einsätze wie diese gehören für verdeckte Ermittler zum Alltag. Mit dem Bild, das viele aus Krimis im Kopf haben, hat ihre Arbeit nur wenig zu tun.  Von Franziska Hein

Mit einem Mythos räumt Heiner S. sofort auf: Verkleidet hat er sich noch nie für einen seiner Einsätze. Seit zwei Jahren leitet er eine Einsatzgruppe von Zivilfahndern der Essener Polizeiinspektion Mitte. Täglich ist er in der Essener Innenstadt unterwegs – immer auf der Spur von Verbrechern. 

Vielleicht liegt es in der Natur von Zivilfahndern, dass sie etwas geheimniskrämerisch sind. Jedenfalls möchte der 52-Jährige nicht viel über seinen Arbeitsalltag verraten. Zu hoch ist ihm das Risiko, dass mögliche Täter seine Strategie enttarnen. Und so wie er Verdächtige auf einen Blick erkennen kann, ist es auch umgekehrt. "Wenn es immer die gleichen Täter sind, ist es natürlich so, dass die mich auch wiedererkennen."

Drogenhandel, Diebstahl und Straßenraub

"Als Zivilfahnder sind wir vor allem unterwegs, um Straßenkriminalität zu bekämpfen: Drogenhandel, Straßenraub, Diebstahl", sagt der Polizist. Bevor er als Zivilfahnder arbeitete, war er 16 Jahre bei der Kriminalpolizei. Uniform hat er auch schonmal getragen. Als Beamter in zivil zu arbeiten, sei aber etwas völlig anderes.

Der reinen Lehre nach werden Zivilfahnder vor allem in der Strafverfolgung eingesetzt. Polizei und NRW-Innenministerium sprechen von "Repression". Uniformierte Beamte zeigen die Präsenz der Polizei, sie sollen Straftaten vorbeugen und sind daher in der "Prävention" tätig. Das erklärt Wolfgang Beus, Sprecher im NRW-Innenministerium. 

Täter ermitteln, beobachten und festnehmen

Seit ganz Deutschland über die Silvesternacht in Köln diskutiert, seit organisierte Diebesbanden die Schlagzeilen beherrschen, ist der Einsatz von Zivilfahndern immer wichtiger geworden, sagt Beus. "In den Lagebeurteilungen von Einsatzleitern der Polizei kommen Zivilfahnder häufiger vor." Ihr Einsatz ist schon immer Standard gewesen.

Zivilbeamte können Straftäter buchstäblich auf frischer Tat ertappen. Ihr strategischer Vorteil ist so einfach wie banal: Sie sind nicht als Ordnungshüter erkennbar. Das macht sie so effektiv. In Essen gelang es Zivilfahndern beim Festival "Essen Original" nordafrikanische Grapscher zu erwischen, als sie gerade Frauen belästigten. Das Prinzip, nach dem Zivilfahnder vorgehen, erklärt Beus so: "Täter ermitteln, beobachten und festnehmen." 

"Ein Zivilfahnder muss flexibel und kreativ sein"

Zivilfahnder gehen nie ohne Auftrag los. "Sie haben zum Beispiel die Anweisung, auf Taschendiebstähle auf dem Weihnachtsmarkt zu achten", erklärt der Ministeriumssprecher. Sie sind genauso mit einer Dienstwaffe ausgestattet wie Beamte in Uniform. Wenn sie zugreifen, müssen sie sich als Polizisten zu erkennen geben. Zivilfahnder kommen in allen Bereichen der Polizei vor, sie sind nicht nur auf die Kriminalpolizei beschränkt. Auch bei der Schutzpolizei sind sie im Einsatz.

"Ein Zivilfahnder muss flexibel und kreativ sein. Und er muss eine Sensibilität dafür haben, ob irgendetwas nicht stimmt", so beschreibt Heiner S. die Eigenschaften eines Beamten ohne Uniform. In seinem Arbeitsalltag sind Drogendelikte und Diebstähle am häufigsten. 

Heiner S. hat Spaß an seinem Beruf. "Es ist weniger Büroarbeit als früher bei der Kriminalpolizei", sagt er. Aber eine Gewohnheit kann er nie ganz ablegen: Selbst wenn er privat in der Innenstadt unterwegs ist, hat er immer ein Auge auf seine Umgebung.

 

(heif)
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