| 11.33 Uhr

Studiengang "Kriminalistik" in Bochum
Polizisten zu wenig für Verbrecherjagd ausgebildet

Düsseldorf. Die Polizeigewerkschaft der Kriminalbeamten schlägt Alarm: Vielen Kriminalpolizisten fehle es an den nötigen Fachkenntnissen, Verbrechen aufzuklären. Das neue Studienfach "Kriminalistik" soll dies ändern.  Von Lisa Kreuzmann

"Die meisten Bundesländer rekrutieren ihren Kripo-Nachwuchs aus dem Streifendienst", sagt der Geschäftsführer der Kripo Akademie, Sebastian Fiedler. Für die Verbrechensaufklärung würden sich die Kriminalpolizisten dann nicht ausreichend vorbereitet fühlen. Ein neuer Studienschwerpunkt an der Ruhr-Universität in Kooperation mit dem Bund Deutscher Kriminalbeamten soll das ändern.

Die Polizeiausbildung soll wissenschaftlicher werden, um Polizisten, aber auch Staatsanwälten, Richtern und Strafverteidigern die nötigen Methoden der Verbrechensaufklärung zu vermitteln. Zugangsvoraussetzungen für den berufsbegleitenden Master sind ein abgeschlossenes Hochschulstudium - etwa an der Polizeifachhochschule - sowie mindestens eine einjährige Berufserfahrung. "Das ist eine Qualifikationsoffensive", sagt Fiedler.

Bisher sei das Augenmerk an den Universitäten vor allem auf den Bereich der Ursachenforschung von Kriminalfällen (Kriminologie) gelegt worden, sagt Professor Thomas Feltes, Kriminologe und Polizeiwissenschaftler an der Ruhr-Uni Bochum. Anfang des Jahres wurden die Kriminalwissenschaften dort um den Schwerpunkt "Kriminalistik" erweitert. Im Gegensatz zu Kriminologen befassen sich Kriminalisten nicht nur mit den Ursachen und Formen von Kriminalfällen, sondern auch mit der gezielten Bekämpfung der Straftaten. Im modifizierten Masterstudiengang stehen nun auch etwa die richtige Vernehmungstechnik oder die Verwendung technischer Hilfsmittel auf dem Lehrplan.

Bisher hätten Kriminalpolizisten vor allem von ihren Kollegen gelernt, so Feltes. Die Forschung sei mit ihren Erkenntnissen aber oft schon weiter, viele Kripo-Beamte dann nicht mehr auf dem neuesten Stand. Einen Studiengang mit kriminalistischem Schwerpunkt habe es seit 20 Jahren an keiner deutschen Universität mehr gegeben. Mit der verbesserten Ausbildung könne so wenigstens die Qualität der Ermittlungen verbessert werden, heißt es, wenn auch dann nicht automatisch von einer höheren Aufklärungsquote ausgegangen werden kann. 2014 sind vor allem die Fälle von Taschendiebstahl stark angewachsen. Für 2015 rechnet die Polizei außerdem mit einem drastischen Anstieg der Einbrüche. 2014 wurden 15, 4 Prozent der Einbrüche in NRW aufgeklärt.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Studiengang "Kriminalistik" in Bochum: Polizisten zu wenig für Verbrecherjagd ausgebildet


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.