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Mönchengladbacher Warenhauskette
Wehrmachts-Artikel im Online-Shop - Real reagiert

Real: Wehrmacht-Artikel im Online-Shop - Entschuldigung und Anzeige
Der "Afrikakorps Tropenhelm" im Real-Shop. FOTO: Screenshot Real.de
Mönchengladbach. Die Mönchengladbacher Warenhaus-Kette "Real" ist einem Shitstorm ausgesetzt. Im Online-Shop des Unternehmens werden Kostüme und andere Artikel angeboten, die das Dritte Reich glorifizieren. Ein Politiker kündigt an, Anzeige erstatten zu wollen. "Real" reagiert. 

"Soldaten Uniform in grau", "Uniformmütze mit Adler" oder auch der "Wehrmachts Hosengürtel schwarz - Gott mit uns". Twitter-User machten am Sonntag publik, dass diese und andere Artikel im "Real"-Online-Shop verkauft werden. Den Anfang hatte ein Dortmunder gemacht, der den "Afrikakorps Tropenhelm" im "Real"-Shop fand und anschließend postete: "Bei real.de gibt's Wehrmachtsmemorabilia". 

Seither tobt ein Shitstorm. Der Satiriker Jan Böhmermann beispielsweise äußerte sich in mehreren Tweets empört und griff den Mönchengladbacher Konzern scharf an. "Einfach für alles, was man nicht vergessen will und darf! Super Geschenkidee, so vielseitig wie Du!" Was geht ab im @realMarkt?", schrieb Böhmermann, dem auf Twitter 1,9 Millionen User folgen.

Grüne Jugend-Politiker erstattet Anzeige gegen Anbieter

Immer mehr Artikel tauchten auf, einige sprachen mit ihrer Beschreibung ganz offen Sympathisanten des Dritten Reichs an. "Mit diesem Aufnäher können Sie deutlich machen, dass Ihnen einige Ideen aus dieser Zeit auch heute noch gefallen", heißt es beispielsweise im Quelltext des "Aufnäher Totenkopf mit Stahlhelm".

Während die Artikel selbst nach dem Gesetz legal verkauft werden dürfen - weil auf verbotene Symboliken wie das Hakenkreuz verzichtet wird - sieht Sebastian Hansen in dieser Beschreibung durchaus den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt. Das Mitglied im Landesvorstand der Grünen Jugend Bayern kündigte am Sonntagabend an, Anzeige gegen den Anbieter zu erstatten. "Manche der Artikel sind sicherlich nicht strafbar. Der Teaser-Text schon", stellte der 22-Jährige klar. 

Der Geschäftsführer von "Real Digital", Gerald Schönbucher, reagierte via Twitter in der Nacht zum Montag. "Shit happens. Haben wir erst jetzt Kenntnis von bekommen und natürlich asap ("as soon as possible" - so schnell wie möglich, Anmerkung der Redaktion) rausgenommen. Sorry. No bad intentions", antwortete der Chef des "Real"-Onlineshops unter anderem Böhmermann. 

Real kündigt Maßnahmen gegen Anbieter an

Am Montagmorgen reagierte dann "Real" selbst in einer öffentlichen Stellungnahme: "Real distanziert sich eindeutig vom Angebot und Verkauf dieser Artikel und hat am vergangenen Sonntag unmittelbar nach Bekanntwerden erster Hinweise reagiert und verdächtige Artikel sofort aus dem Angebot des Onlineshops entfernt." Am Vormittag war ein Großteil der Artikel aus dem Shop entfernt worden.

Dass es überhaupt soweit kommen konnte, hängt mit "Reals" Versuch zusammen, auf dem digitalen Marktplatz mit Amazon oder Ebay zu konkurrieren. Im Februar 2017 hatten die Gladbacher den Marktplatz "hitmeister.de" gekauft und ins eigene Online-Angebot integriert. Rund zwölf Millionen Produkte werden dort laut Unternehmsangaben mittlerweile angeboten, ein Großteil von sogenannten Drittanbietern.

Auch die kritisierten Gegenstände sind nicht Bestandteil des "Real"-Sortiments, sondern werden von externen Händeln nur auf dem Online-Marktplatz des Händlers angeboten - identische Artikel sind schon seit Jahren auch bei genannter Konkurrenz zu finden und werden hier nur selten gelöscht. "Real" kündigte an, "mit Hochdruck" an einer Lösung zu arbeiten, um "weitere potenzielle Artikel dieser Art von Drittanbietern zu identifizieren, um diese ebenfalls aus dem Angebot zu entfernen."

(cbo)
 
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