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Recklinghausen
LKA und Polizei durchsuchen Flüchtlingsunterkünfte

LKA-Razzia in Flüchtlingsheim in Recklinghausen
LKA-Razzia in Flüchtlingsheim in Recklinghausen FOTO: dpa, mku htf
Recklinghausen. Die Polizei Recklinghausen und das Landeskriminalamt haben am frühen Freitagmorgen damit begonnen, zwei Flüchtlingsunterkünfte zu durchsuchen. In einer der Unterkünfte wohnte der Tunesier, der Anfang Januar beim Angriff auf eine Polizeistation in Paris getötet wurde.

Ein Sprecher der Polizei bestätigte, dass Beamte Personalien und Papiere der Flüchtlinge überprüften. "Wir wollen dadurch sichergehen, dass sich nur die Menschen dort aufhalten, die auch dort gemeldet sind", erklärte der Sprecher. Wie viele Beamte im Einsatz sind, wollte er nicht sagen. Details und Ergebnisse der Razzia sollen im Laufe des Tages mitgeteilt werden.

Nach WDR-Informationen sind rund 100 Beamte im Einsatz. Die Aktion steht vermutlich im Zusammenhang mit dem Attentatsversuch Anfang Januar in Paris. 

Bereits am 9. Januar hatten Einsatzkräfte der Polizei unter Leitung des LKA NRW die Zimmer des getöteten Attentäters Walid Sahili innerhalb der Asylbewerberunterkunft in Recklinghausen durchsucht. Umfangreiches Beweismaterial wurde damals sichergestellt sowie DNA-Spuren und Fingerabdrücke gesichert. Am Freitagmittag will das LKA weitere Hinweise zu dem Attentäter bekannt geben. 

Unter den gesicherten Beweisen waren auch zahlreiche Dokumente, Datenträger und sonstige Gegenstände, unter anderem drei Einfassungen von SIM-Karten sowie zwei Küchenmesser. An der Wand einer Waschküche wurde der Schriftzug "Dawla Islmia Baqia" (Islamischer Staat auf ewig) entdeckt.

Bei der Durchsuchung Anfang Januar wurden keine Schusswaffen und kein Sprengstoff gefunden. Es hätten sich keine Hinweise auf weitere mögliche Anschläge ergeben, so das LKA. 

Im Zeitraum vom 23. Mai 2014 bis 30. November 2015 war der getötete Attentäter in NRW wegen Verstößen gegen das Waffengesetz und das Betäubungsmittelgesetz, Diebstahlsdelikten und Beleidigungen auf sexueller Grundlage polizeilich in Erscheinung getreten. Darüber hinaus wurde gegen ihn ein Verfahren geführt, weil er Fahnen des IS gemalt und diese in Zimmern der Asylbewerberunterkunft angebracht hatte.

Der Tunesier war am Jahrestag des islamistischen Anschlags auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" mit einem Beil auf Polizisten vor der Wache losgegangen. Die Beamten erschossen ihn. Der Mann trug eine Bombenattrappe. Bei dem Vorfall rief er der Pariser Staatsanwaltschaft zufolge "Allah ist groß!" auf Arabisch.

 

(csr)